Tag des Ehrenamts : Warum sie anderen helfen

Sie wurden für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet (v.l.): Lieselotte Schömer, Karina Herzog, Rudolf Pieper, Toralf Herzog und Dietmar Riemann.  Fotos: Lisa Kleinpeter
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Sie wurden für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet (v.l.): Lieselotte Schömer, Karina Herzog, Rudolf Pieper, Toralf Herzog und Dietmar Riemann. Fotos: Lisa Kleinpeter

40 Prozent der Menschen im Land engagieren sich unentgeltlich. Zum „Tag des Ehrenamts“ wurden 62 von ihnen ausgezeichnet

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05. Dezember 2017, 11:56 Uhr

Es war die Liebe, die Toralf Herzog zum Ehrenamt brachte. Im Jahr 2000 nämlich hatte er sich in Karina verguckt. Sie engagierte sich schon damals beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Und als Toralf ihr sagte, dass er gerne mehr Zeit mit ihr verbringen würde, legte die ihm ein Anmeldeformular für den Wohlfahrtsverband vor. „Dann musst du aber hier mitmachen“, sagte sie. Das tat Toralf Herzog. Sein Engagement hat sich für den 45-Jährigen gleich doppelt gelohnt: Karina Herzog ist inzwischen seine Ehefrau. Beide wurden am Wochenende in Schwerin mit der „Ehrennadel des Landes Mecklenburg-Vorpommern für besondere Verdienste im Ehrenamt“ ausgezeichnet.

Wenn Herzogs heute aufzählen, wo sie sich überall engagieren, wird die Liste immer länger: Er ist der Landesbereitsschaftsleiter von MV und Kreisbereitschaftsleiter des Verbandes Nord-West-Mecklenburg beim DRK, beide sind Erste-Hilfe-Ausbilder, engagieren sich bei der Wasserwacht Schöneberg bei Grevesmühlen, beim Katastrophenschutz, bei Blutspenden, sie ist Ehrenamtskoordinatorin in Grevesmühlen... Beide haben unzähligen Kindern das Schwimmen beigebracht, Dorffeste abgesichert, Feldbetten für Flüchtlinge aufgebaut und vieles mehr. Das geht nur, weil sie sich gegenseitig den Rücken freihalten, möglichst zusammen arbeiten. Ein Ehrenamt kommt selten allein. In der Woche bringt jeder der beiden etwa 20 Stunden für sein Engagement auf. Das alles machen sie unentgeltlich und ihn ihrer Freizeit. Nur in manchen Fällen gibt es eine Aufwandsentschädigung, erklärt Karina Herzog. Warum sie das macht?

Laut Statistik sind mehr als 40 Prozent der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern über 14 Jahren ehrenamtlich aktiv. Dabei agieren sie meistens im Hintergrund. Sie packen dort an, wo es nötig ist. Dabei geben sie das, was am wertvollsten ist: Zeit. Ohne sie würde viel notwendige Arbeit einfach liegenbleiben. Deshalb wurden 62 von ihnen aus Anlass des heutigen „Tag des Ehrenamtes“ von Manuela Schwesig (SPD) für ihren Einsatz geehrt. „Die Nadel soll Ansporn sein für andere, dem guten Beispiel der Ausgezeichneten zu folgen“, erklärt die Ministerpräsidentin. Ihr sei es wichtig, das vielfältige Ehrenamt noch sichtbarer zu machen.

Oftmals übernehmen sie dabei hoch verantwortungsvolle Aufgaben. So auch Dietmar Riemann aus Schwerin. Der 74-Jährige wurde für sein Engagement in der Pflege von Demenzkranken geehrt. Seit 2002 betreuen er und seine Frau einmal die Woche bis zu 15 Patienten aus der Tagespflege vom Augustenstift. Sie hören zu, spielen und singen mit den Senioren. Sind einfach da. „Manchmal sagt dann auch einer ‚Halt’s Maul‘“, erzählt der Rentner. Er nimmt es gelassen. „Demenzkranke sind nicht immer alle friedlich. Oft agieren sie sehr impulsiv.“ Seit Jahren hat er auch den Fahrtdienst übernommen. „Wenn ich komme, rufen sie manchmal: ‚Herr Riemann, Herr Riemann.‘ Aber kurz darauf haben sie schon wieder vergessen, wie ich heiße.“ Warum er das macht?

Das kann auch Lieselotte Schömer über ihr Ehrenamt sagen. Seit Jahren ist die 64-Jährige als Vorsitzende der Dörpschaft to Hagenow aktiv. Der Folkloreverein, bestehend aus acht Traditionsfiguren aus der Region sowie einer Tanzgarde, organisiert jedes Jahr diverse Veranstaltungen in der Region. Dort gibt es Lieder, Tanz und Wortbeiträge. Dabei tritt der Verein sowohl beim Hagenower Altstadtfest auf, als auch bei Familienfeiern, auf der Grünen Woche und in Pflegeheimen. Außerdem veranstaltet die Dörpschaft jedes Jahr das Dorffest in Hagenow und trägt so zum kulturellen Leben der Stadt bei. „Das kostet sehr viel Zeit“, meint Schömer. Einmal die Woche treffen sich die Mitglieder zum Training. „Das geht nur, weil mir meine Familie den Rücken freihält. Während der Vorbereitungen für das Altstadtfest drehe ich schon einmal durch“, meint die Lehrerin und lacht. Warum sie das macht?

Auch Rudolf Pieper kann nicht still sitzen. Mit seinen 82 Jahren hat der Gadebuscher schon mehrere Ehrenämter bekleidet. Sein größtes Engagement gilt dabei der Initiative einer Partnerschaft zwischen Gadebusch und der polnischen Stadt Czarnkó. Im April dieses Jahres wurde er zum Ehrenbürger des 12 000-Einwohner-Ortes ernannt. „Die Partnerschaft ist natürlich gewachsen“, meint Pieper. Er selbst stammt aus dem benachbarten Dorf Stojkowo. Als Zehnjähriger musste er 1945 seine erste Heimat verlassen und kam nach Mecklenburg-Vorpommern. Mit den Jahren entstand der Wunsch, die Beziehungen über persönliche Besuche hinaus auszudehnen. Erst organisierte er einen Austausch über die Schulen. Seit 2008 sind Gadebusch und Czarnkó auch offiziell Partnerstädte. Jedes Jahr finden gegenseitige Besuche statt. Pieper organisiert dazu Programme und Veranstaltungen. Einige Gäste übernachten regelmäßig bei ihm. Das alles koste sehr viel Zeit. Warum er das macht?

Um die Arbeit von Pieper und die der anderen Freiwilligen besser zu fördern, hat der Landtag in Schwerin beschlossen, dass MV als eines der letzten Bundesländer eine landesweit gültige Ehrenamtskarte einführen wird. Inhaber sollen damit eine Vergünstigung bei Eintritten in Theatern, Museen und Schwimmbädern oder Sondertarife im Nahverkehr erhalten. „Freiwilliges Engagement braucht gesellschaftliche Anerkennung, Wertschätzung, aber auch gute Rahmenbedingungen“, sagt Friedrich Wilhelm Buschke vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Allein in der Organisation im Nordosten würden sich jeden Tag 90 Freiwillige auf dem Weg zum Dienst machen.

Freie Fahrt
für Ehrenamtler

Mit der Hashtag-Aktion #freiefahrtfuerfreiwillige soll heute am bundesweiten „Tag des Ehrenamtes“ in Mecklenburg-Vorpommern auf das ehrenamtliche Engagement aufmerksam gemacht werden. Mit der Aktion fordern die Freiwilligen kostenfreie oder kostengünstige Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr.

Mit der Hashtag-Aktion #freiefahrtfuerfreiwillige soll heute landesweit auf die Arbeit der Freiwilligen aufmerksam gemacht werden. Zugleich werden im Internet kostenfreie oder kostengünstige Fahrten im Personennahverkehr gefordert. Mitmachen können nicht nur Freiwillige, sondern auch Ehemalige, Träger und Fans von Ehrenamtlern.

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