Spanien : Warum sich Katalonien abspalten will

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Die Hintergründe zur Krise in Spanien.

svz.de von
30. September 2017, 08:00 Uhr

Am 1. Oktober will die nordostspanische Region Katalonien trotz eines Verbotes durch das spanische Verfassungsgericht ein einseitiges Unabhängigkeitsreferendum durchführen. „Wollen Sie, dass Katalonien ein unabhängiger Staat in Form einer Republik wird?“, lautet die Abstimmungsfrage. Doch warum will sich Katalonien abspalten? Die 7,5 Millionen Einwohner Kataloniens, das etwa so groß wie Nordrhein-Westfalen ist, pflegen seit Jahrhunderten ihre eigene Sprache sowie Kultur und pochten in den letzten Jahren vergeblich auf mehr Selbstverwaltung und größere Steuerhoheit. Viele Katalanen begreifen sich als eigene Nation und fühlen sich vom spanischen Zentralstaat zunehmend wirtschaftlich benachteiligt und politisch bevormundet. Die Unabhängigkeitsbewegung ist deswegen im letzten Jahrzehnt gewachsen.

Immer noch ist die Erinnerung an die Unterdrückung während der rechten Franco-Diktatur (1939-1975) wach: Damals wurde Katalonien kulturell wie politisch gleichgeschaltet. Wer Katalanisch sprach, wurde verfolgt. Der letzte katalanische Regierungschef vor Beginn der Diktatur, Lluís Companys, wurde 1940 vom Franco-Regime hingerichtet. Der aktuelle Versuch Spaniens, das Referendum am Sonntag mit Festnahmen und der Schließung von Wahllokalen zu verhindern, wird von vielen Katalanen als Fortsetzung dieser Repression empfunden.

Katalonien ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2016 die wirtschaftsstärkste Region Spaniens. „Catalunya“, wie die Region auf Katalanisch heißt, stellt 16 Prozent der spanischen Bevölkerung, trug in 2016 aber 19 Prozent zum spanischen BIP bei und wuchs mit 3,5 Prozent stärker als Gesamtspanien (3,2 Prozent). Es ist die wichtigste Tourismusregion des spanischen Staates: Nahezu ein Viertel aller ausländischen Spanienurlauber verbrachten hier 2016 ihre Ferien.

Entsprechend trägt Katalonien überdurchschnittlich zum spanischen Steueraufkommen bei, beklagt sich aber, dass es finanziell von der Zentralregierung in Madrid stranguliert und bei staatlichen Investitionen im Vergleich mit anderen Regionen diskriminiert wird. „Madrid ens roba“ (Madrid bestiehlt uns), lautet einer der Standardsätze der Unabhängigkeitsbefürworter.

Kataloniens Regierung erklärte, dass bei einem Sieg der Befürworter umgehend die Abspaltung von Spanien eingeleitet werde. Spaniens Regierung kündigte für diesen Fall an, dass man auch darauf mit der Keule des Gesetzes antworten werde: Der katalanischen Regierung droht dann die Amtsenthebung, die Region könnte unter spanische Verwaltung gestellt werden. Die Analysten sind sich weitgehend einig, dass dieser Konflikt, der an Brisanz zunimmt, nicht mit Zwangsmaßnahmen beendet werden kann. Ohne Dialog und Verhandlungen über den künftigen Status Kataloniens werde es keine Lösung geben, meinen sie. Dabei könnte auch die Europäische Union als Vermittler helfen, glaubt die Bürgermeisterin der katalanischen Regionalhauptstadt, Ada Colau: „Europa kann es sich in der Katalonien-Frage nicht erlauben, in Passivität zu verharren.“

 

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