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Wolfspaar in Lübtheener Heide : Warten auf Wolfsnachwuchs

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Der einsame Wolf in der Lübtheener Heide hat mit großer Wahrscheinlichkeit nach sieben Jahren eine Gefährtin gefunden. Nachwuchs ist in Südwestmecklenburg aber noch nicht gesichtet worden.

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2013 | 12:07 Uhr

Lübtheen | Der einsame Wolf in der Lübtheener Heide hat mit großer Wahrscheinlichkeit nach sieben Jahren eine Gefährtin gefunden. "Es spricht viel dafür, dass sie ein Paar sind", sagt Wolfsforscherin Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow. Nachwuchs, wie er gerade aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen gemeldet wurde, ist in Südwestmecklenburg aber noch nicht gesichtet worden. Der Wolfsbeauftragte des Naturschutzbundes Mecklenburg-Vorpommern, Marcus Rudolf, hat Ende Juni auf einem Sandweg am Rand der Heide allerdings Spuren entdeckt, die ihn ein wenig hoffen lassen.

Deutlich sind große Pfotenabdrücke zu sehen, die ganz sicher von dem Wolf stammen, der seit 2006 beobachtet wird. Daneben sind etwas kleinere Spuren zu erkennen. Sie könnten der Wölfin gehören. "Die Tiere sind hintereinander gelaufen", sagt Rudolf und legt den Zollstock an: Ovale Trittsiegel von 7x8 Zentimetern für die Wölfin, von 8x9 für den Wolf. Neben der Fahrspur finden sich noch kleinere Abdrücke. "Für einen Fuchs sind sie zu bullig", meint der 38-Jährige und beugt sich immer wieder über die Spuren im feuchten Sand, die mit den Wolfsfährten mitlaufen und mit ihnen verschwinden. Ob sie von Wolfswelpen oder einem Hund stammen, sei aber Spekulation.

Sicherheit könne nur ein Foto bringen oder ein genetischer Nachweis durch Kot. Rudolf füllt einen Protokoll-Vordruck samt GPS-Daten des Fundortes aus. Die Daten gehen später an den Wildbiologen Norman Stier von der TU Dresden. Er ist für das Wolfs-Monitoring in MV zuständig und koordiniert die Arbeit der ehrenamtlichen Wolfsbetreuer. 47 sind vor einigen Jahren vom Land ausgebildet worden, darunter auch Marcus Rudolf. Die Daten über Wölfe würden bundesweit zusammengeführt, berichtet Stier. Das sei nötig für ein vernünftiges Wolfsmanagement und um den Bestand unter Kontrolle zu haben: Schäfer müssen informiert werden, wenn Wölfe neu auftauchen oder ihren Lebensraum vergrößern. Die Bestände müssen erfasst werden. "Auffällige Tiere, die sich etwa zu stark dem Menschen nähern, müssen beobachtet und wenn nötig der Population entnommen werden. Das ist wichtig für die Akzeptanz des Wolfs", ist Stier überzeugt.

In der Lübtheener Heide hat der Wissenschaftler mehrere Fotofallen installiert - Kameras, die auslösen, sobald sich eine Wärmequelle nähert. Auf den Fotos finden sich dann zu 99,9 Prozent Mäuse, Meisen und anderes Getier, berichtet er. Bilder von Wolfsjungen - das wäre es natürlich.

Rudolf streift etwa einmal im Monat um die Lübtheener Heide, die zum großen Teil noch Truppenübungsplatz ist. In dem menschenleeren Kiefernwald findet der Wolf, der als Jungtier vermutlich aus Polen kam, Rückzugsorte und vor allem genügend Nahrung. Im Februar entdeckte Rudolf auf einem Feld die Überreste eines Rehs, das der Wolf gerissen hatte. Nach ihm machten sich Krähen, Kolkraben und ein Seeadler über die Beute her. Der Wolf streift auch in der Umgebung umher, wie Rudolf schildert. 50 bis 60 Kilometer schafft er pro Nacht, sein Revier misst bis zu 250 Quadratkilometer. Schafe seien in der Gegend seit 2009 aber nicht mehr gerissen worden. Für den Wolf wird es Zeit, sich fortzupflanzen und ein Rudel zu begründen. Freilebende Wölfe werden Rudolf zufolge maximal zwölf Jahre alt, der Wolfsrüde in der Lübtheener Heide ist mindestens schon acht. Neben den beiden Wölfen bei Lübtheen ist in Mecklenburg-Vorpommern ein Wolf in der Ueckermünder Heide nachgewiesen. Zudem pendelt gelegentlich ein Wolf aus der Kyritz-Ruppiner Heide in Brandenburg ein, sagt Stier. Ein einmaliger genetischer Nachweis ist auch aus dem Müritz-Nationalpark bekannt. Aus der Nähe von Sternberg, wo ein Reh gerissen wurde, gebe es dagegen keinen sicheren Nachweis.

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