Demonstration in Schwerin : Warnstreiks im öffentlichen Dienst in MV

Eltern standen vor geschlossenen Kitas, in Verwaltungen blieben viele Aktendeckel zu: Am Donnerstag gab es Warnstreiks im öffentlichen Dienst des Landes. Vor der Staatskanzlei demonstrierten die Teilnehmer für mehr Gehalt.

svz.de von
27. März 2014, 11:52 Uhr

Mehr als 1000 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Mecklenburg-Vorpommern haben am Donnerstag zeitweise die Arbeit niedergelegt. Sie nahmen an einem Warnstreik teil, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Die Gewerkschaft will damit Druck in den laufenden Tarifverhandlungen machen, in denen sie für die Mitarbeiter bei Bund und Kommunen 100 Euro mehr Gehalt plus eine Steigerung um 3,5 Prozent verlangt. Die Arbeitgeber sperren sich bislang dagegen.

In Mecklenburg-Vorpommern sind Gewerkschaftsangaben zufolge knapp 50 000 Beschäftigte betroffen. Doch die Tarifgespräche betreffen indirekt noch mehr Menschen. So orientieren sich viele freie Kita-Träger bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter am öffentlichen Dienst.

Die meisten Warnstreik-Teilnehmer fuhren mit Bussen nach Schwerin und forderten auf einer zentralen Kundgebung vor der Staatskanzlei höhere Einkommen und bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit. So brennt Auszubildenden auf der Seele, dass sie nach ihrer Lehre in der Regel erst einmal nur befristet für ein Jahr übernommen werden. Das war der Grund für Janine Petrick und Franziska Schleiff, beide Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten in der Schweriner Stadtverwaltung, zur Demo zu gehen. „Ich bin 27 und Mutter und wünsche mir Sicherheit für die Familie“, sagte Petrick. Auf ihrer Demo-Weste stand: „Wir sind es wert.“ 

Zur Kundgebung waren auch Mitarbeiter von Landkreis- und Amtsverwaltungen sowie vom Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg gekommen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft dbb Beamtenbund und Tarifunion in Mecklenburg-vorpommern, Dietmar Knecht, sagte zu den Demonstranten, eine zentrale Forderung sei auch die zeit- und inhaltsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf die Bundesbeamten. „Scheinbar funktioniert der öffentliche Dienst in Deutschland viel zu gut“, so Knecht auf der Kundgebung. „So gut, dass man euch den Respekt schuldig bleibt, für eure engagierte Arbeit auch angemessen bezahlt zu werden.“ Die Verhandlungen gehen am 31. März in Potsdam in die entscheidende dritte und letzte Verhandlungsrunde.

Auch in anderen Bundesländern gab es am Donnerstag Warnstreiks. So behinderten Arbeitsniederlegungen an sieben deutschen Flughäfen den Luftverkehr am Donnerstagmorgen massiv. Am größten deutschen Luftdrehkreuz in Frankfurt wurde wegen des Ausstands im öffentlichen Dienst zunächst die Hälfte aller geplanten Flüge gestrichen. Am 19. März hatte es bereits einen Warnstreik bei der Rostocker Stadtverwaltung gegeben.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, kritisierte die Warnstreikwelle scharf. „Die Warnstreiks sind vor dem Hintergrund der Annäherung zwischen den Tarifparteien ein überflüssiges Ritual“, sagte Landsberg der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Die Kommunen wüssten, dass ihre Beschäftigten Anspruch auf eine angemessene Lohnerhöhung hätten. „Dies darf aber die Finanzkraft der Städte und Gemeinden nicht überfordern, sonst besteht die Gefahr, dass wir Arbeitsplätze abbauen oder in die Privatwirtschaft verlagern müssen“.

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