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Stasimitarbeit : War Thomalla IM „Mike König“?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landesgeschäftsführer des Städte- und Gemeindetages schwer belastet. Am Dienstag kommt Vorstand zur Krisensitzung zusammen.

von
erstellt am 20.Okt.2014 | 07:30 Uhr

Am Dienstag trifft sich der Vorstand des Städte- und Gemeindetages, um über die Vorwürfe der Stasimitarbeit seines Landesgeschäftsführers Michael Thomalla zu beraten. Thomas Deiters, Stellvertretender Geschäftsführer, sagte unserer Zeitung gestern, dass das Spitzengremium zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengerufen sei. Personalangelegenheiten seien allein Sache des Vorstands. Allerdings sei auch dieser von der Entwicklung überrascht worden, so Deiters.

Nach einem Bericht des „Nordkurier“ soll Thomalla Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen sein. Als Funktionär der Blockpartei LDPD habe er in den 80-ern dem Ministerium für Staatssicherheit über Parteifreunde berichtet. Thomalla sei laut Unterlagen des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen sechs Jahre lang unter dem Pseudonym „Mike König“ geführt worden. Nach der Werbung durch einen Stasi-Offizier der Kreisdienststelle Prenzlau hatte sich der damals 24-jährige Thomalla handschriftlich zur Zusammenarbeit bereit erklärt. „Ich, Michael Thomalla, geb. am 4.10.1958, verpflichte mich auf freiwilliger Grundlage mit dem MfS zusammenzuarbeiten“, heißt es in seiner Verpflichtung vom 10. Januar 1983, die dem „Nordkurier“ in Kopie vorliegt. Das vorliegende Material umfasse eine Personalakte von 38 Blättern sowie eine Akte mit Berichten, die mehr als 400 Blätter enthält, sagte Marita Pagels-Heineking, die Leiterin der Neubrandenburger Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde.

Seit über 20 Jahren lenkt Michael Thomalla die Geschicke des Städte- und Gemeindetages in MV. Der Vorsitzende des Kommunalverbandes, Reinhard Dettmann, bestätigte gestern den Sachverhalt. Er werde dem Vorstand auf der am Dienstag geplanten Sitzung vorschlagen, einen offiziellen Antrag auf Einsichtnahme der Unterlagen zu stellen. „Vorher findet keine Bewertung statt“, sagte Teterows parteiloser Bürgermeister.

Am Sonnabendvormittag hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mit Dettmann telefoniert. Unserer Zeitung sagte der Innenminister gestern: „ Es ist ganz klar die Aufgabe des Städte- und Gemeindetages zu klären, wie er mit dem Sachverhalt umgeht.“ Im öffentlichen Dienst gebe es klare Regeln, so Caffier gegenüber unserer Zeitung, wie in so einem Fall zu verfahren sei. Die Regularien seien überall die gleichen. Es müsse jetzt geklärt werden, ob Thomalla eine Erklärung über die Nichtzusammenarbeit mit der Staatssicherheit unterschrieben habe, die für die Beschäftigung im öffentlichen Dienst Voraussetzung sei. Caffier stellte klar: „Das ist Angelegenheit des Städte- und Gemeindetages. Ich bin nicht Arbeitgeber von Herrn Thomalla.“ Caffier hat angeboten, eine moderierende Rolle zu übernehmen, wenn der kommunale Spitzenverband es wolle.

Thomalla sagte gestern unserer Redaktion, er möchte sich zunächst dem Vorstand erklären.

 

 

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