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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 15:36 Uhr

Prozess : War es eine Vergewaltigung?

vom
Aus der Onlineredaktion

Berufung nach Freispruch eines 35 Jahre alten Mannes eingelegt

von
erstellt am 01.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Eine angebliche Vergewaltigung in einer Schweriner Flüchtlingsunterkunft muss erneut vor Gericht verhandelt werden. Das mutmaßliche Opfer hat über seine Rechtsanwältin Berufung gegen den Freispruch für den 35-jährigen Angeklagten eingelegt.

Die Urteilsbegründung des Schweriner Amtsrichters lasse auf eine gewisse Voreingenommenheit schließen, sagte Rechtsanwältin Christine Habetha gegenüber unserer Redaktion. So habe der Richter argumentiert, das 23-jährige Opfer habe keine Hilfe geholt, obwohl es dazu die Gelegenheit hatte. Auch wäre es vorher selbst durch „aufreizendes Verhalten“ aufgefallen. Deshalb sei nicht auszuschließen, so das Gericht, dass es nicht zum Sex mit dem Angeklagten gezwungen wurde. Nun wird sich das Landgericht mit dem Fall befassen müssen.

Bei dem Opfer handelt es sich um einen Transgender. Obwohl sie als Mann geboren wurde, fühlt sie sich als Frau. Laut Anklage wurde sie an einem Abend im März diesen Jahres in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Stern-Buchholz bei Schwerin zweimal vergewaltigt. Der Angeklagte sei unter dem Vorwand, sich von ihr die Haare schneiden lassen zu wollen, in ihr Zimmer gekommen, habe die Tür verschlossen und sie zum Sex gezwungen.

Aus Angst vor späteren Repressalien habe sie sich offenbar nicht so gewehrt, dass andere Heimbewohner oder auch das Wachpersonal etwas hätten mitbekommen können, sagte die Serbin, die als Zeugin und Nebenklägerin im Gericht erschienen war. Erst am nächsten Tag wandte sie sich an eine Mitarbeiterin des Heimes.

Der mutmaßliche Täter bestritt keineswegs den Sex. Allerdings sei dies einvernehmlich passiert. Der andere habe ihn sogar für seine „Liebeskünste“ gelobt, behauptete der Angeklagte. Außerdem unterstellte er dem Transgender, ihn reingelegt zu haben. Er habe von Anfang an vorgehabt, den gemeinsamen Sex als Vergewaltigung darzustellen, weil er glaubte, dass er dann schneller als Flüchtling anerkannt wird.

Am Ende des Prozesses schenkte der Amtsrichter dem Angeklagten mehr Glauben als dem mutmaßlichen Opfer. Zuvor hatte auch die Staatsanwaltschaft einen Freispruch beantragt.




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