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Tipps für Verbraucher : Wann sich eine Solaranlage noch lohnt

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Lohnt sich eine Solaranlage noch? Geht es nach dem Willen von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sinkt die Einspeisevergütung für Solarstrom schon ab 9. März dieses Jahres.

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2012 | 10:05 Uhr

Geht es nach dem Willen von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sinkt die Einspeisevergütung für Solarstrom - also Strom, den Anlagenbesitzer in das Stromnetz einspeisen - schon ab 9. März dieses Jahres drastisch. Statt 24,42 Cent je Kilowattstunde, die es für Anlagen gibt, die seit Januar 2012 ans Netz gegangen sind, könnten es für Dachanlagen dann nur noch 19,5 Cent sein. Über den genauen Zeitpunkt muss aber der Bundestag noch entscheiden. Ab 1. Mai soll diese Summe jeden Monat um 0,15 Cent weiter gekürzt werden. Das wirft eine wichtige Frage auf: Lohnt es sich noch für Hausbesitzer, eine neue Anlage auf das Dach zu stellen? Hier die wichtigsten Antworten.

Ist die Einspeisevergütung bald zu niedrig?

Es lohnt sich trotzdem noch - "auf jeden Fall", sagt Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Denn man spare grundsätzlich Stromkosten, wenn man hausgemachten Strom erst einmal selbst verbraucht. Krawinkel rät, nur die Überschüsse in das Netz einzuspeisen.

Außerdem sind die Preise für Fotovoltaikanlagen seit einiger Zeit "dramatisch" gesunken, so Georg Kruhl von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) ermittelte, dass fertig ins tallierte Aufdach-Solarstromanlagen mit bis zu 100 Kilowatt-Peakleistung 2011 mehr als 58 Prozent billiger waren als fünf Jahre zuvor. Die Modulpreise liegen laut Krawinkel durchschnittlich derzeit bei 70 bis 80 Euro pro Kilowatt.

Lohnt es sich, noch schnell eine Anlage zu installieren?

Kommt der erste Einschnitt wie geplant zum 9. März, bleibt für schnelle Aktionen kaum Zeit. Damit will die Bundesregierung genau solchen "Schlussverkäufen" vorbeugen. Holger Krawinkel erwartet auch einen Preisanstieg bei den Anlagen in diesem kurzen Übergangszeitraum, in dem Verbraucher unbedingt noch zuschlagen möchten. Er rät Interessierten daher, mehr denn je die Preise einzelner Hersteller zu vergleichen und zu handeln. "Aber dabei immer auf gute Materialien und eine gute Beratung achten."

Welche Faktoren sind ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit einer Fotovoltaikanlage?

Ob sich eine Solarstromanlage auf dem Dach lohnt, hängt nicht allein von der Einspeisevergütung und dem Anlagenpreis, sondern vor allem von den örtlichen Bedingungen ab. Denn diese bestimmen, wie viel Strom am Standort überhaupt produziert werden kann und wie viel Vergütung in der Summe man bekommt.

Welche Rendite lässt sich mit einer Fotovoltaikanlage noch erzielen?

Die Stiftung Warentest hat für das Onlineportal test.de errechnet, welche Rendite Anlagenbetreiber künftig noch erwarten können. Ergebnis: Wenn die Anlagenpreise nicht deutlich sinken, erzielen Hauseigentümer nur noch magere Renditen.

Beispiel: Ein Anlagenbesitzer hatte Anfang 2012 Anschaffungskosten von etwa 2200 Euro pro Kilowatt Leistung, fährt einen Stromertrag von 900 kWh pro kW Leistung im Jahr ein und verbraucht 20 Prozent des Stroms selbst - dann konnte er bei Berücksichtigung aller Kosten mit einer Rendite von 6,7 Prozent rechnen. Nimmt der Haubesitzer seine Anlage nach dem 9. März in Betrieb, halbiert sich seine Rendite im Musterfall auf 3,4 Prozent.

Sind die Voraussetzungen ungünstiger, zum Beispiel weil die Anlage in der Anschaffung teurer ist oder weniger Strom produziert, kann die Rendite noch deutlich dürftiger ausfallen. Wer solch eine Anlage großteils auf Kredit finanziert, riskiert sogar Verluste. Die Rechnung könne sich ändern, wenn die Anlagenpreise in den nächsten Monaten weiter fallen. Im Zweifel könne es sich daher lohnen, etwas abzuwarten, so Stiftung Warentest. Auch sollten Betreiber in Zukunft so viel Solarstrom wie möglich selbst verbrauchen. Denn der eigene Strom ist in aller Regel bereits billiger als Steckdosenstrom.

An welchem Standort lohnt sich die Stromproduktion besonders?

Die Sonneneinstrahlung auf die Anlage variiert in Deutschland von Standort zu Standort stark. Das ist nicht grundsätzlich ein Nord-Südgefälle. Laut BSW erreichen Bremen und Hamburg, aber auch Orte in Rheinland-Pfalz im Jahr nur bis zu 950 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Hingegen können Anlagen in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns über 1050 erzielen, in Bayern sind stellenweise bis zu 1200 möglich.

Die Werte für ganz Deutschland findet man unter http://dpaq.de/37FIe.

Wie sieht das optimale Dach aus?

"Es sollte möglichst nach Süden ausgerichtet sein", sagt Kruhl. "Bis 45 Grad Abweichung von der Südrichtung hat man nur geringe Einbußen." Zeigt hingegen die Fläche nach Osten oder Westen, müsste mit Leistungseinbußen von bis zu 20 Prozent gerechnet werden. Der Neigungswinkel des Daches betrage optimalerweise 30 bis 50 Grad. Auf Flachdächern kommen die Anlagen auf entsprechend ausgerichtete Ständer. Daneben schränken Schatten durch Satellitenschüsseln, Schornsteine und Bäume die Stromproduktion stark ein. Auch sollte man für die Zukunft Baulücken auf Nachbargrundstücken im Blick haben.

Wie sicher ist meine Einspeisevergütung?

Wer eine Fotovoltaikanlage installiert, bekommt die zum Zeitpunkt des Einstiegs festgeschriebene Vergütungshöhe garantiert für einen Zeitraum von 20 Jahren. Das sichert der Staat zu. Wer also bereits eine Anlage in Betrieb hat, muss keine Kürzungen befürchten. Wie viel man für seine Anlage erwarten kann, berechnet der BSW-Vergütungsrechner unter http://dpaq.de/d5U4r.

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