Weltmännertag : Wann ist ein Mann ein Mann?

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Erste Lösungsansätze bietet die Statistik. Die nämlich sagt: Der Mann, vor allem der aus Mecklenburg-Vorpommern, ist dick, verschuldet und bisweilen chauvinistisch.

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18. November 2017, 16:00 Uhr

Morgen ist Weltmännertag. Was aber macht einen Mann eigentlich aus? Diese Frage nuschelte und bellte Herbert Grönemeyer schon in den 80er-Jahren ins Mikrofon. Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er mit Geld und Lässigkeit besticht, sich Frauen kauft? Oder wenn er einfühlsam und verletzlich ist; oder er früher abdanken muss, weil ihn ein Herzinfarkt dahinrafft? Gerade heute – Stichworte Sexismus und Gleichberechtigung – fällt eine Antwort ziemlich schwer. Erste Lösungsansätze bietet die Statistik. Die nämlich sagt: Der Mann, vor allem der aus Mecklenburg-Vorpommern, ist dick, verschuldet und bisweilen chauvinistisch.

Keine Zeit für Elternzeit

Sich um die Kinder zu kümmern und sie zu bespaßen, das kostet Geld, Zeit und Nerven.  Nicht zu vergessen: Womöglich bricht dadurch die nächste Sprosse auf der Karriereleiter. Der Mann aus Mecklenburg-Vorpommern macht es vor. Nicht einmal 30 Prozent der Männer von hier beantragen eine Elternzeit, also dieses bis zu einem Jahr andauernde Sabbatical, in dem man statt des Herrenwitzchens auf der Arbeit nur über den Inhalt der Windeln reden kann. Herausgefunden hat das der Landesfrauenrat. Der hiesige Mann liegt damit unter dem Schnitt der ostdeutschen Bundesländer, auch unter dem Bundesdurchschnitt.

Lieber nicht putzen

Wie oft haben sich die Frauen schon darüber aufgeregt, dass der Mann nicht ordentlich im Haushalt hilft? Wäsche, Kochen, Bügeln, Putzen, Aufräumen, Einkaufen… Und wenn er hilft, dann macht er es auch noch falsch! Es ist verhext. Und jetzt auch noch diese Studie von Brüsseler Wissenschaftlern! Die haben herausgefunden: Männer, die hauptberuflich putzen, sterben früher. Ihre Vermutung: Beim Umgang mit Chemikalien sind sie sorgloser. Allerdings, und das kann das neue Argument der Frauen werden: Sofern  umweltschonende Putzmittel benutzt werden, ist alles gut.

Gebt den Männern Zitronensäure und Scheuermilch!

Für das Land!

Vielleicht macht der Mann das ja nur, um die hiesige Wirtschaft zu stärken. Immerhin will Mecklenburg-Vorpommern mit seiner schönen Landschaft und der reinen Luft ein echtes Gesundheitsland werden. Dafür gibt es sogar den „Masterplan Gesundheitswirtschaft 2020“. Laut der Krankenhausgesellschaft unterstützen 41 Prozent der Männer aus MV  die Kampagne und greifen zur Zigarette, dieses in Filter gerollte Gift, das so gerne Lungenkrebs auslöst und damit ordentlich Arbeit in der Gesundheitsbranche schafft. Und sie sind deutlich zu beleibt. Das Statistische Landesamt zählte: Rund zwei Drittel der Männer hier sind übergewichtig.

Männer wählen AfD

Ein Aufschrei ging durch Mecklenburg-Vorpommern, sogar weit darüber hinaus. Es war September 2016, Landtagswahl, die Alternative für Deutschland sprang  an die Spitze der Opposition. Eher unter ging eine Zahl, die von

„Infratest dimap“ erhoben wurde: Unter allen Männern, die abstimmten, errang die AfD 25 Prozent. Bei 803 148 gültigen Stimmen macht das 200 787 Männer, die eine Partei unterstützen, in der zum Beispiel das AfD-Mitglied Holger Arppe schreibt: Das ganze rotgrüne Geschmeiß muss aufs Schafott geschickt werden.   Und dann das Fallbeil runter, dass die Schwarte kracht.“ 

Das liebe Geld

Schon Marteria, der Rostocker Rapper, textete in einem seiner Lieder: „Das Geld muss weg!“ Und ist er nicht der Prototyp eines echten Kerls: erst Fußballer bei Hansa, später Model in New York, dann Künstler? Alleinlebende Männer  sind laut Statistischem Bundesamt   am häufigsten verschuldet;  im Schnitt mit fast 20000 Euro. Tausende Männer suchten im letzten Jahr Hilfe in einer Schuldnerberatungsstelle.

Mehr Respekt? Nein!

Auch den Macho muss man mal raushängen lassen. Neulich beschwerte sich jemand bei der Rostocker Firma „Staalfabrik“. Die fahren nicht nur Motorradteile durch die Stadt, sondern auch eine aufreizend gekleidete Frau, die auf der Rückseite des Firmentransporters abgebildet ist: Schuhe mit hohen Absätzen, lederne Unterwäsche, die fast den gesamten Blick auf das Hinterteil freigibt. Die Person schrieb, das sei widerlich und old school. „Wir sollten den Frauen mehr Respekt entgegenbringen und nicht als nur zum Sex benutzbares Objekt darstellen. Ein Autofahrer, dem fast schlecht wurde.“ Die Antwort der „Staalfabrik“ kam prompt. „Guten Tag…hast du dafür extra eine Mail-Adresse angelegt???? Du hast recht und deshalb wird der neue Anhänger extra für dich so beklebt. Mit freundlichen Grüßen.“ Die Firma wird übrigens von zwei Männern vertreten.

Kommentar von Sebastian Schramm: Nur Mode

Morgen ist nicht nur Weltmännertag – der November ist der Monat der Männergesundheit. Unser Volontär Sebastian Schramm macht mit und lässt sich dafür einen Schnauzer stehen.

„Ah, hier, du siehst aus wie der eine Schauspieler“, sagte sie zu mir. „Ganz bekannt!“ Ich kannte ihn natürlich nicht. Heute, knapp eine Woche später, kann ich mich nicht mal mehr an den Namen erinnern. Sie zückte ihr Handy und nach kurzer Abfrage zeigte sie mir ein Bild. In Schwarzweiß, der Typ trug einen fein gestutzten Schnauzbart. Er muss schon lange tot sein. Okay, stotterte ich zurück und fragte mich im Stillen, ob der Vergleich Spitze oder Kompliment war.

Seit zwei Wochen lasse ich mir jetzt einen Schnauzer stehen. Bis Ende November noch. Ich mache mit beim Movember, dem Monat der Männergesundheit, bei dem sich Kerle weltweit den Klassiker unter den Bärten wachsen lassen, um Spenden zu sammeln im Kampf gegen Prostatakrebs, Hodenkrebs und psychische Krankheiten. Mittlerweile kann ich sagen: Gesprächsthema ist er immer.  Allerdings geht es  meist um die Mode. Steht dir, sagen die einen. Bloß wieder ab, die anderen. Jemand meinte auch, ich ginge ganz gut als türkischer Kommissar durch. Und meine Mutter umschrieb es, nachdem ich ihr ein Bild bei Whats-App schickte, wie folgt: „Dein Bart ist der Knaller“ – und setzte einen Smiley hinterher, der Tränen lacht.

Ich habe mir wohl zu viel erwartet. Dass ich  schneller ins Gespräch komme. Dass es weniger um den Bart, sondern mehr um die Ernsthaftigkeit des Themas ginge. Wer aber redet gerne über Krebs oder Depressionen, erst recht, wenn er davon gar nicht betroffen ist? Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß. Nächste Woche treffe ich eine Selbsthilfegruppe für Prostatakrebspatienten. Ich hoffe, sie reden.

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