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Zweiter Bildungsweg in Mecklenburg-Vorpommern : Wann der Schulabschluss teuer wird

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Wer in Mecklenburg-Vorpommern auf dem zweiten Bildungsweg seinen Schulabschluss nachholen will, muss im Regelfall tief in die Tasche greifen. Nur das Abitur ist kostenlos.

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erstellt am 19.Okt.2012 | 09:53 Uhr

Schwerin | Wer in Mecklenburg-Vorpommern auf dem zweiten Bildungsweg seinen Schulabschluss nachholen will, muss im Regelfall tief in die Tasche greifen. Die Kursgebühr für die Erlangung der Berufsreife (Hauptschulabschluss) beträgt an der Volkshochschule Anklam beispielsweise 300 Euro pro Semester. In Stralsund muss mit 325 Euro die höchste Gebühr gezahlt werden, in Neubrandenburg mit bis zu 100 Euro die niedrigste. In Schwerin wären 205 Euro pro Semester fällig und in Rostock bis zu 210 Euro. Für den Hauptschulabschluss sind im Durchschnitt zwei Semester notwendig.

Wie aus der Antwort des Schweriner Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Simone Oldenburg (Linke) weiterhin hervorgeht, sind die Kursgebühren für die Erlangung der Mittleren Reife ebenfalls hoch. Hier hat die Volkshochschule Nordwestmecklenburg mit 367,65 Euro pro Semester die höchsten Gebühren und Neubrandenburg mit bis zu 100 Euro wieder die niedrigsten.

"Damit wird ausgerechnet Menschen aus so genannten bildungsfernen Schichten, die ihren Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife nachholen wollen, der zweite Bildungsweg erschwert", sagte Simone Oldenburg. "Das ist ungerecht, denn wer am Abendgymnasium sein Abitur nachholt, muss nichts bezahlen", kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion weiter. Die Kosten für die Ausbildung auf dem Abendgymnasium übernimmt die öffentliche Hand. Oldenburg fordert, dass die Kosten vom Land übernommen werden. Ihre Fraktion will einen entsprechenden Antrag spätestens zu Beginn des kommenden Jahres im Parlament einreichen. Auch Ines Schmidt, Vorsitzende des Volkshochschulverbandes MV, setzt sich für einen kostenfreien zweiten Bildungsweg ein. "Die Gebühren könnten Menschen mit niedrigem Einkommen abschrecken", sagte sie gegenüber unserer Redaktion. Das Geld sei aber notwendig, um qualifizierte Lehrkräfte zu bezahlen. Eine Übernahme der Kosten durch das Land werde derzeit mit dem Bildungsministerium besprochen.

Das Schweriner Bildungsministerium teilte in der Antwort zur Kleinen Anfrage mit: "Die Landesregierung prüft derzeit, welche Möglichkeiten vorhanden sind, um zukünftig das Nachholen von Schulabschlüssen kostenfrei anzubieten."

Mecklenburg-Vorpommern hat mit 14 Prozent den höchsten Anteil von Schulabgängern ohne Schulabschluss in Deutschland.

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