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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 21:00 Uhr

Rostock : Wandmalerei im Menschenaffenhaus

vom

Aus 20 Metern Entfernung schaut er sich kritisch das haushohe Wandbild an. Seit Wochen arbeitet Uwe Thürnau mit vier Malern an der Innengestaltung des Darwineums, eines riesigen Menschenaffenhauses.

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erstellt am 07.Feb.2012 | 09:54 Uhr

Rostock | Uwe Thürnau braucht Abstand, um seine Arbeit begutachten zu können. Aus 20 Metern Entfernung schaut er sich kritisch das haushohe Wandbild an, um festzustellen: "Die Kontraste stimmen noch nicht, da muss mehr Licht und Schatten rein." Seit Wochen arbeitet Thürnau mit vier Malern an der Innengestaltung des Rostocker Darwineums, eines riesigen Menschenaffenhauses, das im Spätherbst eröffnet werden soll. "Meine Malerei ist nur der Hintergrund, er soll nicht ablenken von den Tieren", sagt der 60-Jährige, führt aber dennoch jeden Pinselstrich mit einer an Pedanterie grenzenden Sorgfalt aus.

Uwe Thürnau ist ein sogenannter Illusionsmaler, wenn er auch diese Berufsbezeichnung "furchtbar" findet. "Das klingt nach Zauberei. Aber es ist ein ehrliches Handwerk." Der seit einem Vierteljahrhundert in Italien wohnende Künstler hat sich auf die "Inneneinrichtung" in Zoologischen Gärten spezialisiert, und das zu einer Zeit, als die Tierparks selbst noch gar keinen Wert legten auf "Designer"-Gehege.

Erste Arbeit war ein Krokodil-Gehege

Gelernt habe er Grafik und Malerei, gearbeitet dann als Schriftenmaler im Berliner Zoo. "Als ich anfing vor 40 Jahren, lebten die Tiere fast alle in Betonkäfigen mit dicken Gitterstäben davor. Es setzte sich erst allmählich die Idee durch, dass das Ambiente in den Gehegen der jeweiligen natürlichen Umgebung nachempfunden werden könnte." Seine erste Arbeit war ein Krokodilbecken. Es folgten immer größere Aufträge, zum Beispiel auch für Dioramen, also Schaukästen mit ausgestopften oder nachgebildeten Tieren.

Die Arbeit am Rostocker Darwineum ist ein Sahnestückchen für Künstler wie Thürnau. In einer 5000 Quadratmeter großen Halle sollen künftig Gorillas und Orang-Utans eine neue Heimat finden. Es gibt keine Gitter, sondern Aussichtsplattformen und Glasfronten, die Besuchern Blicke in die Gehege gestatten. Die Betonhülle steht, jetzt wird unter Thürnaus Aufsicht verkleidet und dekoriert.

"In den Wänden zum Beispiel verschwindet die ganze Haustechnik, dann erst schweißen wir ein Stahlgerüst, um die Außenhaut mit Spritzbeton zu formen", sagt Uwe Thürnau. Zum Schluss wird gemalt und mit Steinen und Wurzeln eine Landschaft gestaltet.

Die beiden Giebelwände sind bereits mit einer tropischen Landschaft bemalt. Wie bei den alten Meistern wurde die Wand dazu in Gitterkreuze aufgeteilt und der Entwurf von Thürnau mit Kohle detailgetreu übernommen. Anschließend wurde mit Fassadenfarbe gemalt. In seinem Bauwagen fertigte der 60-Jährige die Vorlagen, auch ein Modell bastelte er zur Anschauung.

"Zoos haben mein ganzes Leben begleitet"

Jetzt erstreckt sich der Urwald für den Besucher kilometerweit ins Hinterland, ein bunter Vogel thront auf einem umgestürzten Baum.

"Ich male am liebsten Tiere, Raubkatzen vor allem, aber hier würden sie nur ablenken. Da hätte man schnell die Grenze zum Kitsch überschritten." Das Wandgemälde verbindet sich nahtlos mit den davor aufgestellten Bäumen und der gestalteten Böschung. Die Illusion ist nahezu perfekt. "Genau so soll es sein." Thürnau und sein Team sind nicht nur für die Innen-, sondern auch die Gestaltung der 8000 Quadratmeter großen Außenanlage zuständig.

Dafür werden er und seine deutschen und italienischen Kollegen wohl bis zum Sommer in Rostock bleiben. "Es ist eine schöne Arbeit, aber man muss sich auch klar machen: Für die Tiere ist so ein Wandbild völlig unerheblich." Dennoch liebe er die Tierparks, schon als Kind sei er Dauergast im Berliner Zoo gewesen und habe stundenlang Tiere gezeichnet. "Mein Liebling war Roland der See-Elefant, der dann aber irgendwann gestorben ist." Der Zufall habe es gewollt, dass er 20 Jahre später im Auftrag des Mailänder Naturhistorischen Museums ein Diorama für Roland gebaut und gestaltet habe. "Zoos haben mich eben mein ganzes Leben begleitet", sagt Thürnau.


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