Festspiele MV : Wandeln zwischen den Konzerten

Der kleine Ort Ulrichshusen mit dem Schloss und der Konzertscheune gilt als 'Herz der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern'. Foto: dpa
Der kleine Ort Ulrichshusen mit dem Schloss und der Konzertscheune gilt als "Herz der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern". Foto: dpa

Feiern mit viel Sonnenschein: Die Festspiele MV begingen am Sonnabend in Ulrichshausen den 50. Geburtstag der Deutschen Stiftung Musikleben - beide sind wichtige Partner in der deutschen Förderlandschaft.

svz.de von
02. Juli 2012, 11:03 Uhr

Ulrichshusen | Für eine große Geburtstagsparty gab es am Samstag beste Bedingungen. Bei warmem Sommerwetter und blauem, wolkenbetupftem Himmel zeigte sich Ulrichshusen zwischen grünen Hügeln und gelben Kornfeldern von seiner schönsten Seite. Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern feierten hier den 50. Geburtstag der Deutschen Stiftung Musikleben - beide sind wichtige Partner in der deutschen Förderlandschaft. Zwar ebnet die Stiftung dem musikalischen Nachwuchs maßgeblich den Weg, reicht an derzeit 300 junge Musiker Stipendien aus und stellt teure Instrumente zur Verfügung, doch mittlerweile, so Festspielintendant Matthias von Hülsen, haben sich die "Festspiele zum respektablen Debütforum für die Stipendiaten der Stiftung entwickelt".

So waren es auch aktuelle Stipendiaten und Alumni der Stiftung, meist zugleich auch Festspielpreisträger, die in einem Wandelkonzert den musikalischen Blumenstrauß für die weithin geachtete Jubilarin banden. Wandelkonzert bedeutete für das Publikum von 15 Uhr bis nach 22 Uhr abwechselnd in der Festspielscheune, im Saal des Ulrichshusener Schlosses und in einer Art kleinem Zirkuszelt im Schlosspark acht Konzerte mit insgesamt 24 Musikern zu erleben. Der Bogen des Angebotes spannte sich zwischen Youngstern im Fach Violine wie der 13-jährigen Lara Boschkor und der gut 20 Jahre älteren Viviane Hagner, die als Professorin an der Akademie der Künste in Berlin lehrt. Lara Boschkor wurde insofern zum Ereignis des Konzertreigens, da sie der Carmen-Fantasie von Pablo de Sarasate auf erstaunliche Weise eine Seele einzuhauchen vermochte, so dass der Zuhörer schwer glauben konnte, wer da die Testore-Violine von 1740 strich.

Eine Novität, also Festspieldebütant, war das 1991 gegründete Vokalensemble "Singer pur" (dreifacher ECHO-Klassikpreisträger), das mit einem naturinspirierten Programm vom Volkslied "Auf einem Baum ein Kuckuck saß" bis zu Stings "Englishman in New York" in unpathetischer Klangentfaltung wundervoll plastische Bilder des Liedsinns erzeugte. Sucht man nach diabolischer Innigkeit im Ausdrucksspektrum des Programms, so verwandelte der 25-jährige Shootingstar unter den Pianisten Igor Levit das erste Stück "Sposalizio" aus den "Années de pèlerinage deuxième année italie" von Franz Liszt und Beethovens A-Dur-Sonate in transparente Klanggebilde bis an die Grenzen des musikalisch Auflösbaren.

Das Konzept des Wandelkonzertes als große Geburtstagsparty konnte das Publikum durch eine abwechslungsreiche Melange begeistern, die immer wieder Überraschungen bereithielt und kombiniert war mit dem Genuss landschaftlichen Sehens.

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