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Tanzen mit Handicap : Walzer und HipHop im Rollstuhl

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

27 Tanzpaare mit Handicap traten am Wochenende gegeneinander an. Udo und Katrin Schiller aus Schwerin tanzten sich auf den dritten Platz.

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Ein großer Saal mit lauter Musik: Auf einmal berühren sich zwei Hände und ein konzentrierter Blick wird zwischen den Beteiligten ausgetauscht. Dann folgte die erste Drehung – Wettkampfstimmung in Neubrandenburg. Die Tänzer sind Udo und Katrin Schiller aus Schwerin. Sie nahmen am Sonnabend bei einer Landesmeisterschaft im Tanzen teil. Das Besondere daran: Katrin Schiller sitzt im Rollstuhl.

So wie das Schweriner Paar zog es am Wochenende 27 Tanzpaare zur 14. Offenen Landesmeisterschaft im Rollstuhltanz in die Stadthalle Neubrandenburg. Das Motto der Veranstaltung lautete „Tanz in vielen Facetten – vom Walzer bis zum HipHop“ und wurde vom Verband für Behinderten- und Rehabilitationssport e.V. (VBRS) sowie vom Behindertenverband Neubrandenburg e.V. organisiert. Mehr als 150 Menschen mit und ohne Behinderung sahen sich die Meisterschaft an.

Doch wie funktioniert das, wenn ein oder zwei Rollstuhlfahrer miteinander tanzen wollen? Beim Rollstuhltanz werden Elemente der Standard- und Lateintänze an den Rollstuhl angepasst. „Die Tanzpaare müssen sich, wie jedes Tanzpaar ohne Behinderung auch, erst einmal aufeinander einstellen“, so Tina Lorenz, Organisationsleitung der Veranstaltung und Rollstuhltanzlehrerin. Dann werden Tanzfiguren zur Musik einstudiert und die Bewegungsabläufe zwischen den zwei Rollstuhlfahrern oder dem Rollstuhlfahrer und dem Fußgänger trainiert.

Das Schweriner Tanzpaar nahm als Kombipaar – ein Fußgänger und ein Rollstuhlfahrer – an dem Wettkampf teil. „Wir haben für die Landesmeisterschaft vier Wochen trainiert“, blickt Katrin Schiller zurück und erklärt, dass dies eine relativ kurze Vorbereitungszeit für einen solchen Wettkampf sei. Aber durch familiäre Termine hatte das Tanzpaar nicht mehr Zeit zum Trainieren. „Wir trainieren jetzt wieder einmal in der Woche. Vor Wettkämpfen versuchen wir auch zweimal pro Woche zu trainieren“, ergänzt Udo Schiller.

Das Paar tanzt seit neun Jahren und wird von Hans Joachim Eggert vom TanzsportCentrum Schwerin trainiert. „Das Training sieht genauso aus wie bei Tanzpaaren ohne Behinderung. Es wird eine Choreografie mit den Rollstuhlfahrern und den Fußgängern einstudiert“, so Eggert.

Bei der Meisterschaft traten drei bis vier Tanzpaare gleichzeitig gegeneinander an. Dabei wurden sie von drei Wertungsrichtern beurteilt. Diese achteten auf die Ausstrahlung der Tänzer, die Bewegung mit dem Rollstuhl zum Rhythmus der Musik und ob die Tanzpaare den Platz des Raumes ausgenutzt haben. „Die Bewertungsmaßstäbe sind die gleichen wie beim Fußgänger-Tanz“, sagt Ines Tack, Moderatorin der Veranstaltung und Trainerin im Rollstuhltanz.

An der Landesmeisterschaft konnte jedes Tanzpaar teilnehmen, das sich zuvor schriftlich angemeldet hat. Die Tänze gingen diesmal jedoch nicht in eine Wertung eines übergeordneten Verbandes ein. Der Wettkampf sollte lediglich einen Leistungsvergleich der Teilnehmer ermöglichen. „Wettkämpfe sind für jeden aktiven Sportler, der in einem Verein regelmäßig trainiert, wichtig. Da gibt es keine Unterschiede zum Nichtbehindertensport“, so Monika Knauer, Geschäftsführerin des VBRS. Die Freude am Tanzen stand bei der Veranstaltung natürlich im Fokus. „Es macht Spaß zu sehen, wie sich Menschen trotz Einschränkungen bewegen können“, beschreibt die Zuschauerin Rita Waade aus Neubrandenburg.

Auch Anne Walter und Heike Adamczyk aus Greifswald nahmen an der Meisterschaft teil. „Ich mag es zu tanzen. Vor allem schnelle Tänze sind toll“, sagt Anne Walter, die seit zwei Jahren mit ihrer Tanzpartnerin trainiert. Die beiden Frauen nahmen in der Kategorie Duo, bestehend aus zwei Rollstuhlfahrern, teil. Am Ende der Veranstaltung bekamen alle Teilnehmer des Wettbewerbes eine Medaille, eine Urkunde sowie eine Blume überreicht. Die Sieger bekamen zudem einen Pokal.

Udo und Katrin Schiller erreichten den dritten Platz im Standardtanz in der Kategorie Kombi-Fortgeschrittene, und das Duo-Paar Anne Walter und Heike Adamczyk durfte sich über den zweiten Platz in der Kategorie Anfänger freuen.

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