Kahlschlag an A14 : Wald kontra Gewerbepark

Soll für neues Gewerbe abgeholzt werden: 40 Hektar Wald an der Abfahrt Grabow.
Soll für neues Gewerbe abgeholzt werden: 40 Hektar Wald an der Abfahrt Grabow.

BUND lehnt Kahlschlagpläne an A 14 ab. Gutachter sehen „mittlere bis hohe“ Umweltbeeinträchtigungen

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11. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Der größte Kahlschlag in MV seit Jahrzehnten geht weiter: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) geht gegen die weitere Abholzung von Wald entlang der Nord-Süd-Autobahn 14 vor. Nach der Rodung von etwa 200 Hektar Wald für den Bau der Trasse in Südwestmecklenburg will die Stadt Grabow unmittelbar an der Anschlussstelle Grabow weitere knapp 40 Hektar Wald für einen neuen Gewerbestandort opfern.

Einspruch von Umweltschützern: Zerstörte Feuchtbiotope und Bruchwälder, ein abgeholzter Wald am Rande eines Schutzgebietes – zu groß seien die Verluste, kritisierte BUND-Landeschefin Corinna Cwielag. Innerhalb des derzeit laufenden Anhörungsverfahrens werde der BUND die Pläne daher klar ablehnen, kündigte sie gestern an. Der neue Gewerbestandort würde die durch den Bau der A 14 ohnehin bereits erfolgte Zerschneidungswirkung noch weiter vergrößern. „Die Anzahl größerer, unzerschnittener, verkehrsarmer Räume hat in den vergangenen Jahrzehnten drastisch abgenommen“ beklagte Cwielag: „Versiegelungen für Verkehrsflächen und Bauvorhaben zerstören enorme natürliche Flächen. Tiere und Pflanzen verlieren dadurch ihre Lebensräume.“ Der Flächenverbrauch müsse endlich gestoppt werden. Cwielag: „MV verbraucht über 2500 Hektar pro Jahr!“ Ohnehin sei es fraglich, ob tatsächlich eine so große Fläche gebraucht werde. Selbst das vor Ort erarbeitete Regionale Entwicklungskonzept A 14 sehe nur einen Baulandbedarf von 40 Hektar für die gesamte Region Ludwigslust, Grabow, Neustadt-Glewe und den anliegenden Gemeinden vor.

Wirtschaftsförderer lassen die Bedenken nicht gelten: Die Region brauche eine größere zusammenhängende, attraktive Gewerbefläche zur Standortwerbung bei Investoren, erklärte Stefan Purtz, Standortentwickler der Wirtschaftsfördergesellschaft Südwestmecklenburg. Das bisherige Flächenangebot reiche nicht aus. Abgeholzt werden solle ohnehin nur, wenn konkrete Investorenpläne vorlägen. Außerdem werde nach der Rodung des Waldes für entsprechende Ausgleichsmaßnahmen gesorgt. Deren Wirkung bleibt allerdings abzuwarten: „Jeder Eingriff ist fraglich“, meinte Cwielag. Ob Ausgleichsmaßnahmen tatsächlich ihre Funktion erfüllten, müsse abgewartet werden. Auch sei es immer schwerer, entsprechende Flächen dafür bereitzustellen.

Der neuerliche Kahlschlag ist selbst bei Gutachtern umstritten: In einer Studie zur Umweltverträglichkeitsprüfung kommen Experten zu dem Schluss, dass mit „der vorgesehenen Waldumwandlung im Gewerbepark ... von einer mittleren bis hohen Erheblichkeit der Beeinträchtigungen auszugehen“ sei. Die Rodeerlaubnis steht indes noch über Jahre aus: Frühestens in zwei Jahren könnte die Waldumwandlung genehmigt werden, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern mit. Zudem sei eine Rodung an eine Frist gebunden. Sollten sich in den folgenden fünf Jahren keine Investoren finden, dürfe nicht mehr gefällt werden.

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