Gestrandete Pottwale auf Nordstrand zerlegt : Wal-Skelett wird in Stralsund ausgestellt

Der tote Pottwal auf Nordstrand lockte Schaulustige an.

Der tote Pottwal auf Nordstrand lockte Schaulustige an.

Auf Nordstrand werden in der Nordsee verendete Pottwale in ihre Einzelteile zerlegt. Ein Teil von ihnen soll aber erhalten bleiben.

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14. Januar 2016, 21:00 Uhr

Vorsichtig treibt Holger Bittlinger das lange Messer durch die dicke Fettschicht des Pottwals. Kurz darauf ertönt ein Zischen aus dem Bauch des zwölf Meter langen Kadavers. Gas entweicht. „Explosionsgefahr ist bei allen toten Großwalen immer ein Problem“, sagt Ursula Siebert. Sie ist Leiterin des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung. Knapp 20 Veterinäre und Techniker des Instituts zerlegen am Donnerstag im Hafen von Holmer Siel auf Nordstrand in Schleswig-Holstein nahe Helgoland verendete Pottwale.

In den vergangenen Tagen waren mindestens zwölf tote Pottwale in der Nordsee entdeckt worden, darunter auch drei in Schleswig-Holstein. Sie müssen an Land entsorgt werden. Die Skelette drier Pottwale, die Experten auf Nordstrand zerlegen, sollen erhalten bleiben. Eines geht an einen Natur- und Kulturverein auf der Nordseeinsel Amrum. „Es kostet ungefähr 70 000 Euro, bis das Skelett an der Wand hängt“, schätzt Detlef Hansen, der Leiter der Nationalparkverwaltung. Für das zweite Skelett liefen bereits Gespräche mit der Universität Gießen. „Ich finde es gut, dass das Ganze hier einen Zweck hat.“ das Skelett eines dritten Wals, eines Jungbullen, soll ins Meeresmuseum in Stralsund kommen, hieß es.

Pottwale halten sich normalerweise nicht in der Nordsee auf - das Wasser ist viel zu flach für sie. Die Wale, die in den vergangenen Tagen an der Nordseeküste angespült wurden, haben sich vermutlich auf ihrem Weg in Richtung Polarkreis verirrt.

Die Pottwale locken viele Einheimische in den Hafen, darunter 160 Schüler der Herrendeichschule. „Wir haben heute Morgen kurzentschlossen gesagt: Lasst uns hin. Das ist Biologieunterricht vor Ort“, sagt Schulleiterin Dörte Woydack. Ihre Schüler halten derweil mit ihren Fotohandys fest, wie ein Bagger große Fettschichten eines Wals in einen Container lädt. Auch der Nordstrander Heino Hansen ist extra vorbeigekommen. „Das sind ja Kolosse“, sagt der 68-Jährige. Der Tod der Jungtiere sei bedauerlich.

Laut Nationalparkverwaltung wurden seit 1990 insgesamt 80 Pottwale an den Küsten Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande tot aufgefunden. Meist waren es Jungbullen, die vom Kurs abgekommen waren. Von den auf Nordstrand entnommenen Proben erhoffen sich die Experten Rückschlüsse auf die Todesursache der Tiere.

Nach und nach rücken sie den Walen mit ihren Messern zu Leibe, zerlegen sie nach einem bestimmten Muster abschnittweise. „Es sind dabei keine äußerlichen Auffälligkeiten festgestellt worden“, sagt der Sprecher des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), Hendrik Brunckhorst. Die Wale sind etwa zwölf Meter lang und wiegen jeweils gut zwölf Tonnen.

Akribisch arbeiten sich die Tierärzte und Experten Stück für Stück voran. Dazu zählt die Biologin Helena Herr. Vor dem aufgeschnittenen Kadaver sammelt sich eine Blutlache. Der Verwesungsgeruch macht Arbeitenden und Zuschauern zu schaffen. „Da muss man einfach durch“, sagt Herr. Sie hat zuvor bereits an der Beseitigung von zwei Pottwalen mitgewirkt. „Das menschliche Geruchsorgan adaptiert recht schnell“, sagt auch ihre Chefin Siebert.

Zum Alter der Tiere könne sie nach ersten Untersuchungen nur sagen, dass die Jungbullen aufgrund ihrer Größe noch nicht geschlechtsreif gewesen seien. „Mit ersten Ergebnissen ist aber erst in zwei bis vier Wochen zu rechnen.“ Mit dem Zerlegen der beiden Pottwale ist es für Siebert und ihre Kollegen deshalb noch nicht getan. In der Nacht zum Freitag sollte ein weiteres Tier in Nordstrand ankommen, das nahe Büsum tot auf einer Sandbank gefunden wurde. Diesen Kadaver wollen die Experten dann am Freitag zerteilen.

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