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Ferienimmobilien im Nordosten beliebt : "Wahnsinn" an der Ostsee

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Laut des Immobilienverbands Deutschland Nord hat die Nachfrage nach Ferienimmobilien an der Ostseeküste deutlich angezogen. Mit der Finanzmarktkrise sehen viele Käufer in einer Ferienimmobilie eine sichere Anlageform.

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erstellt am 10.Aug.2012 | 07:16 Uhr

Glowe/Rostock | Immobilienverkäufer Thomas Maron weiß: Die Lage entscheidet alles. "Wenn das Ferienhaus nur zehn Kilometer von der Küste entfernt steht, haben Sie schlechte Karten." Mit Schlüssel und Verkaufsprospekt in der Hand strebt der 46-jährige Mitarbeiter von NCC Deutschland auf das Musterhaus "Seeschwalbe" im Ferienhaus-Gebiet "Dünenwald" in Glowe auf Rügen zu. Das Meer hat der künftige Eigentümer des reetgedeckten, blau-roten Ferienhauses zwar nicht im Blick. "Aber nur drei Minuten Fußweg durch den Wald und über die Straße, dann sind Sie am Ostseestrand."

Die Schaabe, ein acht Kilometer langer Naturstrand im Norden der Ostseeinsel Rügens, ist Marons schlagkräftigstes Verkaufsargument. Dann unterbricht das Klingeln seines Telefons das Gespräch: Ein neuer Interessent aus Bayern will einen Besichtigungstermin ausmachen. Drei bis vier dieser Anfragen gehen derzeit täglich bei Maron ein. "Die Menschen investieren in Betongold."

Nach Angaben des Immobilienverbandes Deutschland Nord hat die Nachfrage nach Ferienimmobilien an der Ostseeküste in den vergangenen zwei Jahren deutlich angezogen. "Mit der Finanzmarktkrise sehen viele Käufer in einer Ferienimmobilie eine sichere Anlageform", sagte Verbandssprecher Peter-Georg Wagner. Die Preise in Küstennähe seien "überdurchschnittlich" gestiegen - um fünf bis zehn Prozent pro Jahr, während sie im Hinterland stagnierten. Baugrundstücke für Einfamilienhäuser in guten Lagen kosteten laut Verband 2011 in Binz pro Quadratmeter zwischen 120 und 365 Euro, in Zingst zwischen 120 bis 450 Euro und in Heringsdorf 150 bis 350 Euro - vorausgesetzt es gibt noch Grundstücke. "In den klassischen Seebädern gibt es kaum noch Flächen", sagt Wagner.

Interessenten gibt es dagegen reichlich: Die Inflationsangst und der Mangel an alternativen und lukrativen Anlageformen treiben den Immobilienmaklern derzeit die Kunden zu. Weil Neubauprojekte knapp sind, machen Bestandsimmobilien laut Verband rund 90 Prozent des Geschäftes aus. Neben dem klassischen Anleger kaufen auch Familien ein Urlaubsdomizil an der Küste: zur Selbstnutzung mit den Kindern, später als Altersvorsorge. Über die solventen Käufer, die ihre Rendite durch die Vermietung ihrer schicken Ferienimmobilie erwirtschaften, ärgern sich vor allem Hotelier und Pensionsbesitzer. "Da sind Unterkünfte auf dem Markt, die für die Tourismuswirtschaft keinen Nutzen haben", sagt Dehoga-Hauptgeschäftsführer Uwe Barsewitz.

Der Landestourismusverband schätzt, dass neben den offiziell gezählten rund 27,6 Millionen Übernachtungen in MV fast genauso viele noch einmal auf den statistisch nicht berücksichtigten kleingewerblichen Ferienwohnungs- und -häusersektor entfallen. "Auch wir sehen, dass verglichen mit den Hotels deutlich immer mehr Ferienhäuser und -wohnungen gebaut werden", sagt Verbandssprecher Tobias Woitendorf. Es müsse eine Balance zwischen klassischer Hotellerie und kleingewerblicher Vermietung gewahrt bleiben. "Wir wollen im Winter keine Orte der toten Augen", mahnt er mit Blick auf im Winter leerstehende Ferienhaussiedlungen.

Die Verkaufsgespräche für die im ersten Bauabschnitt geplanten 42 Häuser in der Glower Siedlung "Am Dünenwald" führt NCC-Berater Maron ausschließlich mit der Klientel der so genannten Besserverdienenden: Ärzte, Unternehmer, höhere Angestellte, Professoren. Dreizehn Objekte - der Kaufpreis liegt zwischen 270 000 und 350 000 Euro - hat Maron seit November 2011 an den Mann gebracht. Bis Jahresende rechnet der Immobilienberater mit 24 Abschlüssen. In einem weiteren Bauabschnitt plant NCC 70 weitere Häuser. "Das sind Wahnsinnszeiten", meint Polier Rainer Aulich, der im Haus "Sternentaucher" die Anlieferung der Gaubenfenster überwacht. Geld spiele bei den Käufern keine Rolle.

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