zur Navigation springen

Bundestagswahl Online : Wahlkampf: Lächeln und posten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neben Kundgebungen und Plakaten wird der neue Weg der Wählerwerbung über Soziale Medien immer wichtiger

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Der wachsende Schilderwald an den Straßenrändern ist nicht mehr zu übersehen. Obwohl der Einfluss von Wahlplakaten auf das Wählerverhalten unter Fachleuten umstritten ist, halten die Parteien auch in MV an der traditionellen Werbung mit Politikerporträts und eingängigen Sprüchen fest. Allerdings nutzen sie zunehmend auch die Sozialen Medien, um ihre Botschaften unter das Wahlvolk zu bringen.

So setzt die CDU, die 2013 in MV mit 42,5 Prozent klare Siegerin war und alle sechs Direktmandate gewann, fünf Wochen vor der Bundestagswahl schon deutliche Akzente. Neben den Porträts der Kandidaten nutzt sie auch Großplakate der Bundespartei mit Themen wie Sicherheit, Wirtschaft und Familien, um für sich zu werben. Wie vor vier Jahren rechnet die Nordost-CDU mit Wahlkampfkosten von knapp einer halben Million Euro. „Wir wollen erneut klar stärkste Kraft in MV werden und alle sechs Direktmandate gewinnen“, gab Landeschef Vincent Kokert als Ziel aus. Um das zu schaffen, nutzen die Kandidaten auch Kanäle im Internet. Die Kanzlerin, die erneut in Vorpommern kandidiert, hält ihre Wähler über Facebook oder Youtube auf dem Laufenden. Getwittert wird bei der CDU weniger.

 

Das Medium Twitter aber hat die neue SPD-Landes- und Regierungschefin Manuela Schwesig längst für sich entdeckt. Auch wenn sie selbst nicht kandidiert, macht sie über den Kurznachrichtendienst schon kräftig Wahlkampf und postet Fotos, die sie unter anderem mit Kanzlerkandidaten Martin Schulz zeigen. Für ein deutlich besseres Ergebnis als 2013 (17,8 Prozent) soll auch die traditionelle Plakatkampagne sorgen. Für die sechs Direktkandidaten würden insgesamt 14 000 Standorte bedient, hinzu kämen Großformate von der Bundespartei.

Die Linke, die 2013 in MV 21,5 Prozent bekam und wie die SPD drei Abgeordnete in Berlin stellt, wird nach eigenen Angaben gut 22 000 kleinere Porträtplakate anbringen. Großplakate würden von der Bundespartei übernommen. Dietmar Bartsch, der in Rostock antritt, ist nicht nur Spitzenkandidat der Linken im Land, sondern – mit Sahra Wagenknecht – auch bundesweit. 105 000 Euro plant die Linke für den Wahlkampf ein. In ihrer Social-Media-Strategie legt die Linke den Schwerpunkt auf Facebook, samt Live-Schaltungen.

Nach dem Erfolg bei der Landtagswahl im Vorjahr und angesichts auch aktuell guter Umfragewerte gibt sich AfD-Landeschef Leif-Erik Holm zuversichtlich: „In MV wollen wir ganz klar über 20 Prozent kommen. Bundesweit muss unser Ziel sein, zweistellig und als drittstärkste Kraft in den Bundestag einzuziehen“, sagt Holm, der in Merkels Wahlkreis antritt und mit Listenplatz eins bei der AfD beste Chancen hat, ein Mandat zu erringen. Die AfD will auf den 30 000 geplanten Plakaten weniger mit Gesichtern, dafür mehr mit Slogans werben. Holm kündigte an, auch in den sozialen Netzwerken die direkte Ansprache zu pflegen. Das komme an, keine andere Partei verzeichne so viele Likes. Das Wahlkampfbudget im Land bezifferte Holm mit rund 200 000 Euro.

Auch für die Grünen gelten Plakate als „Pflichtübung“. 40  000 Euro investiert der Landesverband nach eigenen Angaben in den Wahlkampf, dazu kämen noch unbekannte Mittel der Kreisverbände. Neben den Kandidatenporträts in der eher bescheidenen Auflage von 4000 Stück setzen die Nordost-Grünen acht Themen-Motive der Bundespartei ein. Laut Claudia Müller, Landeschefin und Spitzenkandidatin der Grünen, ist sich die Partei aber bewusst, dass sich immer mehr Wähler in sozialen Medien informieren, und reagiert. Mit täglich oft mehreren Tweets geht Müller voran. Sie hofft, dass die Grünen drittstärkste Kraft im Parlament werden.

Das vermutet offenbar auch die FDP, die nach Jahren der Abstinenz wieder zurück in den Bundestag will und dabei massiv auf Bundesparteichef und Spitzenkandidat Christian Lindner setzt. Dessen Porträt bestimmt bislang die Plakatwerbung. Näher zum Wahltag hin sollen dann aber auch die Kandidaten im Land bekannter gemacht werden. 16  000 Kleinflächen-Plakate seien dafür gedruckt worden. Der gesamte Landesverband kämpfe für den Wiedereinzug in den Bundestag, sagte Landeschef René Domke.

Horst Seehofer
Horst Seehofer Foto: Marc Müller
 

Seehofer als Wahlkämpfer in MV

Nach dem Terroranschlag mit einem Lieferwagen in Barcelona fordert CSU-Chef Horst Seehofer eine engere Zusammenarbeit der Geheimdienste. Es sei ein stärkerer Austausch von Informationen nötig, sagte der bayerische Ministerpräsident am Samstagabend vor rund 500 Menschen bei einem Wahlkampfauftritt in Neubrandenburg. „Da muss die EU bei der Terrorbekämpfung endlich aufwachen.“ Zugleich schränkte er aber ein: Man könne den Bürgern nicht „totale Sicherheit“ versprechen. Das wäre unehrlich. „Ein starker Staat muss Terroristen jagen, verfolgen und unschädlich machen.“ Seehofer sprach sich für mehr Videoüberwachung aus.

Seehofers Auftritt war der Auftakt von weiteren Veranstaltungen mit prominenten Unionspolitikern, die der CDU in Mecklenburg-Vorpommern helfen sollen, ihr Bundestags-Direktmandat im Südosten zu verteidigen. Dort tritt der 24-jährige Philipp Amthor (CDU) gegen den Leiter der Arbeitsagentur Greifswald, Heiko Miraß (SPD), Anwalt Enrico Komning (AfD) und den Leiter einer Agrargesellschaft bei Neubrandenburg, Toni Jaschinski (Linke), an. Zwei Bewerber stellen mit Timo Pfarr die Grünen und Christian Bartelt die FDP.

Büro der AfD mit Graffiti beschmiert

Auch die AfD machte am Wochenende Wahlkampf mit bekannteren Politikern in MV. In Binz auf Rügen erhielt die Partei am Sonnabend Unterstützung von Spitzenkandidatin Alice Weidel und Vize-Bundessprecher Albrecht Glaser. In Parchim traten gestern zudem Europaparlamentarierin Beatrix von Storch sowie die Direktkandidaten Leif Erik-Holm und Christoph Grimm auf. Unterdessen wurde das Bürgerbüro der Partei in der Landeshauptstadt in der Nacht zu gestern erneut mit Graffiti beschmiert. Das teilte die Polizei gestern mit. Dabei sei eine Fensterscheibe des Gebäudes mit brauner Farbe besprüht worden. Die Kriminalpolizeiinspektion Schwerin ermittelt nun gegen die bislang unbekannten Täter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen