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Wiligrad : Wärme aus 160 Metern Tiefe für Schloss

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Ein riesiges Bohrgerät sorgt derzeit für Lärm. Rund um den historischen Marstall und die Remise werden seit einigen Wochen Bohrungen vorgenommen. Das Land will die historischen Gebäude rund um das Schloss instand setzen.

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2012 | 10:02 Uhr

Wiligrad | Ein riesiges Bohrgerät sorgt derzeit für Lärm in Wiligrad. Rund um den historischen Marstall und die Remise werden seit einigen Wochen Bohrungen vorgenommen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern will die historischen Gebäude rund um das Schloss Wiligrad wieder instand setzen. Der Marstall und die Remise sollen mit Erdwärme beheizt werden. Deshalb steht das riesige Gerät auf dem Grundstück beim Marstall, das zwölf Erdwärmesonden ins Erdinnere bohrt. "160 Meter tief bohrt sich das Gerät ins Innere der Erde", erklärt Karin Lehmann, die bei den Arbeiten rund um die Nebengebäude für den Maschinenbau zuständig ist. Das Land MV setzt auf Geothermie, um die Umwelt zu schonen, so Heike Kramer, Dezernatsleiterin Staatliche Schlösser und Gärten in MV. Doch das Verfahren ist nicht nur umweltschonend, sondern liefert auch eine konstante Wärme von 12 bis 14 Grad Celsius aus dem Inneren der Erde. "Die Leitungen, die zurzeit verlegt werden, sollen später in einem Schacht zusammengefasst und rüber zu den historischen Gebäuden geführt werden", verdeutlich Karin Lehmann. Im ehemaligen Gastpferdestall entsteht dann der Technikraum.

An jeder Ecke rund um den Marstall und die Remise wird momentan gebaut und gewerkelt. Viele Handwerker sind vor Ort. Die Baumaßnahmen an den Schloss-Nebengebäuden Wiligrads sind im Zeitplan, verdeutlicht Projektleiterin Hochbau, Silke von Ferber. "Die Remise wurde von außen saniert, denn das Gebäude war einsturzgefährdet", so Silke von Ferber. Nachdem das histo rische Gebäude jetzt wieder sicheren Stand hat, konnten die beauftragten Firmen und Unternehmen mit dem Entkernen beginnen. "Die Gebäude hier werden wieder genutzt", erklärt Heike Kramer.

Der Marstall ist das größte Gebäude - hier sollen einmal 60 Betten stehen und Gästewohnungen eingerichtet werden, damit der Verein "Erlebnistage Schweriner See", der Nutzer dieser Gebäude, Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Betreuer unterbringen kann. "Ein ganz besonderer Höhepunkt in dem Marstall wird hoffentlich die zwölf Meter hohe Kletterwand sein", sagt die Dezernatsleiterin. Die Remise wird zu einem Seminargebäude mit Büroräumen umfunktioniert; doch die historischen Gegebenheiten bleiben erhalten. "Das ist das Spannende an der Arbeit mit Schlössern und Gutshäusern. Es kann immer wieder etwas Überraschendes passieren und wir müssen uns an die historischen Vorgaben halten, denn oftmals sind die Gebäude denkmalgeschützt", verdeutlicht Heike Kramer ihre Arbeit.

Das Land als Bauherr investiert rund 3,8 Millionen Euro für die Instandsetzung der Nebengebäude. "In den Baukosten enthalten sind schon die Bohrungen und auch die Grünflächen, die hier auf dem Ensemble noch angelegt werden", verdeutlicht Heike Kramer.

Nicht ganz so laut, wie die Arbeiten rund um den Marstall, sind die derzeitigen Arbeiten im Schlosspark Wiligrad. Stein auf Stein heißt es hier immer mal wieder für die Männer, die am Abhang stehen. Denn sie sind dafür zuständig, die Wege runter zum Ufer des Schweriner Sees zu befestigen. "Es gibt vier Auf- und Abgänge, die Besucher Wiligrads nutzen können", erklärt Gartenbauingenieur Dietmar Braune.

Für 2,8 Millionen Euro wird der Schlosspark Wiligrad in seiner historischen Struktur vom Land wieder hergestellt. "Das heißt auch, dass die Kunstwerke, die derzeit den oberen Bereich des Parks zieren, woanders platziert werden müssen", erklärt Dietmar Braune. Derzeit ist der Gartenbauingenieur sehr zufrieden mit dem Fortgang der Arbeiten im Park. "Wir liegen sehr gut im Zeitplan und das, obwohl uns der vergangene Sommer ordentlich behindert hat", erklärt er. Denn 2011 war es im Sommer einfach zu nass, um die Sanierungsarbeiten im Park an den Hängen zu erledigen - zu rutschig, zu gefährlich.

Dietmar Braune freut sich, wenn er den Rundgang - an der Elisabeth-Quelle vorbei - durchschreiten kann. "Wir haben hier viele Sichtachsen rüber nach Schwerin schaffen können. Das ist schön. Doch es heißt auch, dass immer wieder etwas gemacht werden muss, denn die Vegetation schläft nicht." Deshalb sei es wichtig gewesen, wie Dezernatsleiterin Heike Kramer verdeutlicht, Personal einzustellen. "Unsere Gärtnerin ist wirklich der gute Geist von Wiligrad. Wenn ihr etwas auffällt, was verrutscht ist, sagt sie Bescheid oder sie behebt es selbst", so Heike Kramer.

Auch die Uferkanten am Schweriner See wurden wieder befestigt, der historische Hafen wieder angelegt. Behindert werden die Arbeiten - vor allem am Hang - gelegentlich von vielen kleinen Feldmäusen, erzählt Dietmar Braune. "Doch so ist es halt, wenn wir an einem Schlosspark arbeiten, der mitten in der Natur steht. Schließlich steht Wiligrad im Wald", so Dietmar Braune. Wie die Arbeiten am Marstall und an der Remise soll auch der Schlosspark bis spätestens 2014 fertig sein. Doch wird es auch danach noch genügend Aufgaben geben, so Heike Kramer.

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