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Exporte nach Russland : Wackliges Millionengeschäft

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Käse, Fleisch, Fisch, Milchprodukte: Russland riegelt auch MV den Markt ab. Ernährungswirtschaft fürchtet um Ausfuhren.

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2014 | 21:04 Uhr

Das haut ins Kontor: Seit Jahren scheffelt die Ernährungswirtschaft in MV Millionen auf dem russischen Markt. Käse, Fleisch, Milchprodukte, Fisch, Getreide, Kartoffeln – die Geschäfte laufen  gut, meint Rainer Tietböhl. Damit ist es jetzt vorerst vorbei. Kremlchef Wladimir Putin hat den russischen Markt für westliche Lebensmittelhersteller abgeriegelt. Fleisch, Milchprodukte, Obst, Gemüse:  Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew verkündete gestern in Moskau ein einjähriges Einfuhrverbot für die Produkte – und bringt die Ernährungswirtschaft in MV damit um Millionen. Bauernpräsident Tietböhl sieht schwarz: „Das bringt den Absatz mächtig ins Stocken.“

Vor Putins Riesenreich fällt die Einfuhrschranke. Die Reaktion des Kremlchefs auf die westlichen Strafmaßnahmen holt den  Ukraine-Konflikt auf die Felder und in die Ställe Mecklenburg-Vorpommerns. Die Ernährungswirtschaft steuert mehr als ein Drittel der Landesexporte von 253 Millionen Euro  nach Russland bei. 91 Millionen Euro ließ sich die Branche 2013 aus Moskau überweisen. Mit Einbußen müssen vor allem die Molkereien rechnen: „So gut wie der gesamte deutsche Russland-Exportkäse kommt derzeit aus den Molkereien aus unserem Bundesland“, erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern. „Die Sanktionen betreffen Mecklenburg-Vorpommern ganz besonders.“ Für 34 Millionen Euro verkauften die Käser aus MV ihre Produkte 2013 an Putin. Das Geschäft wackelt. Andere Absatzmärkte seien auf die Schnelle kaum zu erschließen, meinte Tietböhl. Noch geben die Molkereien die Hoffnung aber  nicht auf. Es sei nicht absehbar, inwieweit die Milchwirtschaft von den neuerlichen Exportsperren betroffen sein wird, hieß es gestern im Deutschen Milchkontor (DMK), Muttergesellschaft der Zentralkäserei in Dargun: Die weitere Entwicklung bleibe  abzuwarten.

Unruhe in den Exportabteilungen: Unter Bauern  und Verarbeitern wächst die Angst, zum Spielball politischer Entscheidungen zu werden. Immer mal wieder habe es Handelsbeschränkungen mit Russland gegeben. Zuletzt hatte der Saatgutproduzent Norika aus Groß Lüsewitz im Landkreis Rostock darunter zu leiden. Im Frühjahr habe man  nur noch Teilmengen liefern dürfen, erklärte Norika-Chef Wolfgang Walter gestern – knapp 1000 der üblichen 3000 Tonnen: „Doch jetzt ruht jeder Kontakt.“ Für Norika stehen 1,5 Millionen Euro auf dem Spiel – zehn Prozent des Umsatzes. Walter mahnte ein neues Krisenmanagement des Westens an: So wie es derzeit laufe „wird es zu einem Desaster führen.“ Zwar seien alle Friedensbemühungen zu unterstützen, sagte auch Bauernpräsident Tietböhl. Doch das Geschäft scheint der Wirtschaft näher zu sein. Tietböhl: Trotz allem müsse der Export weitergehen.

Zuspitzung auf dem Marktplatz: Mit der neuesten Entwicklung dürfte sich die Debatte um den von  Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) geplanten Russland-Tag Ende September verschärfen. Ungeachtet aller Sanktionen  gegenüber Russland hat er bislang an dem Wirtschaftstreffen festgehalten. Sein Argument: Russland sei einer der wichtigsten Handelspartner, der weitere Ausbau der wirtschaftlichen Kontakte für das Land sehr wichtig. Langsam scheint aber auch Sellering kalte Füße zu bekommen. Kommenden Dienstag unterbricht der Regierungschef eigens seinen Baby-Urlaub, um sich im Kabinett für das Treffen Rückendeckung zu holen.  Der Russland-Tag werde in der Runde eine Rolle spielen, sagte Regierungssprecher Andreas Timm. Ein Beschluss sei nicht auszuschließen.Torsten Roth

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