Wackliger Neubau: Kippt das Schweriner Schloss?

Noch steht das Schweriner Schloss gerade, aber könnte es auch bald so aussehen? Roland-REgge-Schulz
Noch steht das Schweriner Schloss gerade, aber könnte es auch bald so aussehen? Roland-REgge-Schulz

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24. Mai 2012, 08:16 Uhr

Schwerin | Gefährliches Vorhaben: Tragwerksplaner für den neuen Landtagsplenarsaal im Schweriner Schloss haben festgestellt, dass die Decken im heutigen Festsaal teilweise nicht oder nur bedingt tragfähig sind. Die Etage über dem Saal wurde bereits ausgesperrt. Es gibt zudem Probleme mit der gesamten Statik des Südflügels. Kippt beim Neubau des Plenarsaales das Schloss?

Auf alle Fälle gibt es jede Menge Unwägbarkeiten. Erst nach der Sichtung der historischen Gemäuer und einem gründlichen Blick hinter die Täfelungen des heutigen Festsaals lassen sich verlässliche Aussagen über Stabilität und Zustand der historischen Bausubstanz treffen, sagt Architekt Tilman Joos. Deshalb soll vor dem Baustart 2013 zunächst in diesem Sommer ein so genannter Sondierungs abriss erfolgen, um quasi hinter die Kulissen zu sehen.

Das Büro "Dannheimer & Joos Architekten" aus München hatte den Wettbewerb zum Umbau des Saales im Südflügel gewonnen. Dem voraus muss jedoch die Grundsanierung der gesamten Etage rund um den Festsaal gehen, der beim verheerenden Schlossbrand 1913 völlig ausgebrannt war und seitdem mehrfach umgebaut wurde.

Landtagsdirektor Armin Tebben: "Der Schwerpunkt des Baus hat sich durch die Voruntersuchungen völlig verschoben. Erst ging es um einen Saalumbau, jetzt um die Sanierung des gesamten Flügels. Mit einem maroden Zustand im Inneren hatten wir so nicht gerechnet." An einer statischen Sicherung führt kein Weg vorbei. Das besondere Problem: Der Südflügel, in dem sich auch das Schlosscafé und die öffentlichen Museumsräume befinden, gründet zwar wie das gesamte Schloss auf Pfählen, aber die stehen in einer Mudde aus verschiedenen Sand- und Sedimentschichten ohne festen Grund. Tebben: "Wir haben ein Gründungsproblem."

Zudem wurde in den 50er Jahren beim Umbau des einstigen Goldenen Saals in den Festsaal tonnenweise Beton verbaut. Das Gebäude setzte sich. Wird jetzt bei der Sanierung der Beton mit einem Ruck herausgenommen, so kann es zu Rissen und einem - zwar minimalen aber spürbaren - Kippen des Schlosses kommen.

Um dem vorzubeugen, hat Architekt Joos eine besondere Bautechnik im Visier. "Wir können den Bau nur abschnittsweise ausführen. Wenn wir zu viel Last herausnehmen, kann es zu einem Anheben des Gartenflügels kommen." Schritt für Schritt soll der alte Beton in Blöcken herausgetrennt und gleichzeitig eine neue Saal-Konstruktion eingebaut werden.

Landtagsdirektor Armin Tebben: "Wir müssen so gewichtsneutral bauen wie nur möglich." Dennoch versichert er für die Besucher des Schlosses: "Wir gewährleisten Museumsbetrieb und Gastronomiebetrieb im vollen Umfang." Am Tag der offenen Tür, am 10. Juni, kann der historische Festsaal das letzte Mal öffentlich besichtigt werden. Dann stehen Landtagsdirektor Armin Tebben und auch Architekt Tilmann Joos zu Gesprächen und Führungen bereit. Per Bautagebuch soll zudem im Internet über den Baufortschritt aktuell informiert werden. Tebben verspricht völlige Transparenz.

Bislang sind 26 Millionen Euro für den Umbau veranschlagt: Die Beseitigung der Spätfolgen des Schlossbrandes und die Sanierung des Schlossgartenflügels werden etwa zehn Millionen Euro kosten. Rund sieben Millionen Euro sind für den neuen Plenarsaal vorgesehen. Sonstige Infrastrukturarbeiten wie der Umbau des jetzigen Plenarsaales zu Konferenzräumen werden mit vier Millionen Euro beziffert. 4,3 Millionen Euro sind als Puffer gedacht. Tebben hofft, bis zum Ende dieser Legislatur mit dem Umbau fertig zu werden. Architekt Joos geht vom Jahr 2018 aus.

Spannung herrscht auch darüber, wie viel der historischen Bausubstanz des so genannten Goldenen Saales hinter den Verkleidungen noch zu finden ist.

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