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Wetterdienst Donnerwetter beantwortet Wetterfragen : W wie: Wird Weihnachten weiß?

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Die Chancen, dass Weihnachten hierzulande weiß wird, stehen gleich gut oder gleich schlecht. In Zahlen ausgedrückt: 50 zu 50. Der Wetterdienst Donnerwetter in Bonn weiß es allerdings noch etwas genauer.

Schwerin | Natürlich wird Weihnachten weiß. Es ist nur eine Frage des Willens. Wer zum Fest der Liebe und des Gänsebratens partout eine weiße Kulisse braucht, beschere doch einfach… - im Wettersteingebirge zum Beispiel. Für die Region zwischen Bayern und Tirol geben Meteorologen einstimmig Schneegarantie. Einzige Hürde: Zwischen dem höchsten Gipfel im Nordosten, den Helpter Bergen bei Woldegk, und Deutschlands Dach, der Zugspitze, liegen schlappe 900 Kilometer. Weniger aufwendig wäre vielleicht der Blick in die Schneekugel, die sich zuverlässig zu einem nie endenden Flockentanz bewegen lässt.

Die Chancen, dass Weihnachten hierzulande weiß wird, stehen heute - zwölf Tage vor Heiligabend - gleich gut oder gleich schlecht. In Zahlen ausgedrückt: 50 zu 50. Das ist sicher. Michael Klein und seine Kollegen vom Wetterdienst Donnerwetter in Bonn wissen es allerdings noch etwas genauer: "Wir gehen davon aus, dass dieser Winter kälter als im Durchschnitt verläuft, die Chancen für weiße Weihnachten sind damit also etwas höher", sagt er. Seiner Einschätzung nach werde der Winter 2011/12 mit "richtig kalten Phasen von Dezember bis Februar" eher seinen frostigen Vorgängern der vergangenen zwei, drei Jahre ähneln als den laschen Ausgaben der 1990er-Jahre. Das wechselhafte Wetter der zurückliegenden Tage werde sich noch etwas halten, sagt Michael Klein voraus. Die Wahrscheinlichkeit, dass an einem der drei Weihnachtstage Schnee fällt, taxiert er auf 60 Prozent, für eine durchgängig weiße Weihnacht liegt sie bei 30 Prozent.

Meteorologen gilt die weiße Weihnacht als Frage aller Fragen, die von kurz nach dem Fest bis kurz vors nächste gestellt wird. Zum 15-jährigen Bestehen ihres Unternehmens haben die Bonner Donnerwetterfrösche nachgeschaut, was die Menschen von ihnen am häufigsten über das Wetter wissen wollten. Die Top 15 der Fragen haben sie zu einem elektronischen Buch zusammengefasst, das im Internet zu finden ist. In Papierform soll es voraussichtlich Anfang 2012 erscheinen. Unsere Zeitung durfte vorab daraus zitieren und hat eine Handvoll Fragen ausgewählt. Die Antworten sind leicht gekürzt wiedergegeben.

Gibt es in diesem Jahr weiße Weihnachten?

Unsere Sehnsucht nach Weißen Weihnachten muss sehr tief verwurzelt sein. Tatsächlich waren im 19. Jahrhundert Weiße Weihnachten in weiten Teilen Deutschland fast eine Selbstverständlichkeit. Die Städte waren nicht so groß, sodass sie den Schnee nicht zum Schmelzen brachten. Im 20. Jahrhundert hat sich das etwas gewandelt. Es ist weltweit wärmer und Schnee an Weihnachten immer unsicherer geworden.

Tatsächlich gibt es immer wieder Phasen, in denen allgemein häufiger Winter mit viel Schnee auftreten und Winter mit weniger Schnee. Hierfür ist die Nordatlantische Oszillation (NAO) mit verantwortlich, also die Schwankungen der Luftdruckverhältnisse auf dem Atlantik, zwischen Island und den Azoren - das berühmte Islandtief und Azorenhoch. Sind diese besonders kräftig ausgeprägt, gelangen mit der stärkeren Westwinddrift eher milde Luftmassen nach Mitteleuropa. Wenn die NAO schwach ausgeprägt ist, fallen die Temperaturen im Allgemeinen niedriger aus. Allerdings muss es ja nicht nur kalt sein, sondern es muss auch noch Feuchtigkeit vorhanden sein, damit es Schnee gibt.

Zum "Spielverderber" wird oft das berühmt-berüchtigte und gefürchtete Weihnachts-Tau-Wetter. Wegen eines Tiefdruckgebietes fließt von Südwesten feuchtwarme Meeresluft nach Mitteleuropa. Diese bringt ergiebige Regenfälle. Nicht selten verläuft zu den Weihnachtsfeiertagen eine Luftmassengrenze quer über Deutschland. Dann herrscht im Südwesten milde Luft, im Nordosten kalte Luft vor. Typischerweise tritt das Weihnachtstauwetter zwischen 24. und 28.12. auf.

Es gibt aber auch Regionen in Deutschland, da kann eine Weiße Weihnacht praktisch garantiert werden. Dazu zählt natürlich neben dem Wettersteingebirge auch das Erzgebirge. Auch das kontinental geprägte Flachland im Osten Deutschlands hat noch eine größere Chance auf Weiße Weihnachten als das maritim geprägte Flachland im Nordwesten Deutschlands.

Immer mehr Katastrophen - spielt das Wetter verrückt?

Auch wenn die objektiven Zahlen für eine Zunahme der Wetterkatastrophen und Unwetter fehlen, ist für die meisten Menschen der subjektive Eindruck doch ein anderer. Einen Großteil dürfte die gestiegene Informationsvernetzung dazu beitragen. Nicht nur erreichen uns Nachrichten aus aller Welt heute innerhalb von Sekunden. Die Nachrichten selbst haben eine andere Qualität. Vor 50 Jahren hätte es eine Überschwemmung in Indien nur als Textmeldung zu uns geschafft. Jedoch ist eine Textmeldung über unzählige Tote an einem unbekannten Ort unserem Gehirn zu abstrakt, als dass sie wirklich Eindruck auf uns machen könnte. Dagegen bleiben bewegte Bilder in Erinnerung: Überschwemmte Häuser, Menschen, die ihr Hab und Gut verloren haben und eine um ihr Kind weinende Mutter.

Auch die Bilder von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis, die zwar nichts mit dem Klimawandel zu tun haben, fördern die Wahrnehmung, dass die Natur immer mehr "verrückt spielt". Die ständig steigenden Schadenssummen untermauern diesen Eindruck mit vermeintlich überprüfbaren Fakten und Zahlen. Doch hier ist Vorsicht geboten: Schon allein durch den Wertzuwachs in den Wirtschaftsländern ergibt sich zwangsläufig eine Steigerung. Ein zerstörter Haushalt stellt heute einen höheren Wert dar als vor 50 Jahren.

Frühere Generationen waren weitaus stärker Spielball von "höheren Mächten": Ohne Wetterprognosen trafen Stürme und Gewitter "aus heiterem Himmel" ein, die wirtschaftliche und politische Lage änderte sich häufiger und einschneidender, zum Beispiel durch Kriege. Die Menschen mussten sich immer wieder auf Veränderungen einstellen. In unserem heutigen Leben wähnen wir uns in vielen Bereichen in einer vermeintlichen Sicherheit, die durch Kontinuität hervorgerufen wird. Vielleicht erklärt sich die große Angst vor dem Klimawandel und den anscheinend immer häufigeren Wetterkatastrophen zum Teil dadurch, dass wir ahnen, wie abhängig wir geworden sind.

Stimmt der Hundertjährige Kalender?

Der Abt Mauritius Knauer im 17. Jahrhundert glaubte, dass auch das Wetter von den "Sternen" bestimmt werde. Zu den damals bekannten Planeten Merkur, Venus, Mars, Saturn und Jupiter zählte er noch den Mond und die Sonne hinzu, sodass sich sieben Himmelskörper ergaben, deren Stellungen das Wetter auf unserer Erde vorgeben sollten. Nach dieser Theorie müsste sich das Wetter alle sieben Jahre wiederholen, sodass er nur sieben Jahre lang das Wetter aufschreiben musste, um es für alle folgenden Jahre vorhersagen zu können. In den Jahren 1652 bis 1658 führte er sehr genaue Wetteraufzeichnungen, die er als Grundlage für seine Prognoserechnung bis 1912 nahm. Völlig konsequent nannte er sein Werk dann auch "Calendarjum Oeconomicum Practicum Perpetuum" - also ein "unendlicher" oder "immerwährender" Kalender.

Mauritius Knauer starb nur wenige Jahre später, konnte den Siegeszug seines Kalenders also nicht mehr erleben. Denn erstmalig gedruckt wurde er erst etwa 40 Jahre nach seinem Tod. Der Arzt Dr. Christoph von Hellwig machte das komplizierte Gedankenwerk massentauglich: Er strich die lateinischen Abhandlungen und verkürzte die Prognosetafeln auf die Jahre 1701 bis 1800. Den endgültigen Durchbruch zum wahren "Bestseller" erlebte der Kalender aber noch einmal knapp 20 Jahre später. Ein Verleger namens Weinmann gab dem Kind einen knackigen Namen: Aus dem "immerwährenden Kalender" wurde der "Hundertjährige Kalender".

So viel zur Entstehungsgeschichte des Hundertjährigen Kalenders, die sicherlich auch schon ahnen lässt, was heutige Meteorologen davon halten. Auf die Gedankenexperimente, ob das Wetter tatsächlich durch die Planeten beeinflusst werden könnte, braucht man sich gar nicht einzulassen, wenn man einfach die Wetteraufzeichnungen der vergangenen Jahrzehnte anschaut. Seit ca. 1900 haben wir verlässliche Messungen und so oft man die Daten auch vorwärts und rückwärts betrachtet - ein Wiederholungsmuster ist nicht zu finden.

Kann das Wetter Kopfschmerzen oder sogar Herzinfarkte auslösen?

Heute ist man sich sicher: Den einen, einzelnen Wetterfaktor gibt es nicht. Nach Stand des Wissens wirkt ein komplexes Geflecht von verschiedenen Elementen auf den Körper. Dabei spielen Luftdruck, Hitze, Kälte und Luftfeuchtigkeit eine Rolle. Der Körper reagiert auf alle Einflüsse und nur bei nicht völlig gesunden Menschen zeigen sich Wirkungen. Das Wetter macht also nicht krank, es deckt aber Krankheiten und Schwächen im Körper auf.

In einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts für Demoskopie und der Uni München aus dem Jahr 2002, konnten erstmals verlässliche Zahlen über die Anzahl der Menschen ermittelt werden, die wetterfühlig oder wetterempfindlich sind. Von 500 Befragten gaben 54 Prozent an, dass das Wetter einen Einfluss auf ihre gesundheitliche Verfassung hat: 19 Prozent sprachen von viel, 35 Prozent von etwas Einfluss. Präparate gegen Wetterfühligkeit nehmen allerdings nur wenige. Das Ifak-Institut ermittelte repräsentativ, dass 84 Prozent noch nie rezeptfreie Medikamente gegen Wetterfühligkeit genommen haben.

Übrigens ist Wetterfühligkeit - wie man vielleicht denken könnte - keine Erfindung von uns modernen Wohlstandsmenschen. Dass Menschen auch früher schon empfindlich auf das Wetter reagierten, dokumentiert die "Lex Frisionum", ein Gesetzeswerk der Friesen aus dem 8. Jahrhundert. Schon dort wurde festgelegt, dass derjenige, der einem Gegner im Streit eine Wunde mit einer wetterempfindlichen Narbe zufügt, eine höhere Buße zahlen muss.

Was sind gefühlte Temperaturen?

Die Temperatur war einer der ersten Wetter-Werte, der recht genau und verlässlich gemessen werden konnte. Jeder Mensch empfindet sie anders. Deshalb ist die sogenannte "gefühlte Temperatur" in Wettervorhersagen schon seit Längerem ein Thema. Wind, Sonnenstrahlung, Luftfeuchtigkeit sind die Hauptfaktoren, die uns die Temperatur je nach Wetter unterschiedlich empfinden lassen. Aber es gibt noch einen ganz großen Unterschied… Mann und Frau haben ein unterschiedliches Temperaturempfinden.

Frauen frieren von Natur aus leichter als Männer. Der Frauenkörper besteht zu 25 Prozent aus Muskeln, der des Mannes zu durchschnittlich 40 Prozent. Gerade die Muskeln sind es jedoch, die Wärme erzeugen. Zudem ist die Haut der Frauen dünner, verliert also mehr Wärme.

Donnerwetter.de sagt deshalb als erster Wetterdienst weltweit die gefühlten Temperaturen für Frau und Mann getrennt voraus. Dazu waren "Erfahrungswerte", also Befragungen über mehrere Jahre, nötig. Ein Rechenmodell ermittelt nun je nach Wetterlage, wie Sie oder Er empfindet. Frauen reagieren zum Beispiel besonders empfindlich auf Feuchtigkeit und Wind. Dadurch ist es ihnen bei hoher Luftfeuchtigkeit und Wind bis zu 5 Grad kälter als Männern. Im Durchschnitt ist Frauen ca. 2 Grad Celsius kälter als Männern. Natürlich ist das eine grobe Vereinheitlichung.

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erstellt am 12.Dez.2011 | 10:36 Uhr

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