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Selbstzahler-Programme : Vorwurf: Es hilft nur jede 14. Leistung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Individuelle Gesundheitsleistungen sind ein lukratives Geschäft für Ärzte – doch Experten warnen vorm Abkassieren und fehlendem Nutzen

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2016 | 20:45 Uhr

Selbstzahler-Leistungen beim Arzt bringen den Patienten nach Ansicht der Krankenkassen meistens keinen nachweisbaren Nutzen. Die Angebote könnten vielfach sogar schaden, sagte der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Kassen-Spitzenverbands (MDS), Peter Pick, gestern in Berlin. Mehr als eine Milliarde Euro verdienten die Ärzte jedes Jahr daran. Die Ärzte setzten ihre Patienten teils unter „aggressiven Verkaufsdruck“, am häufigsten Orthopäden, Hautärzte und Urologen.

Der MDS hat 41 dieser Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) überprüft. Nur 3 – also etwa jede 14. – wurden „tendenziell positiv“ bewertet: Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne, Lichttherapie bei depressiven Störungen und Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz. Zu den häufigsten Risiken zählen laut den Kassen Fehlalarme bei Ultraschall der Eierstöcke und der Brust zur Krebsfrüherkennung. Die Gefahr sei, dass kleine Tumoren unnötig operiert werden. Keine oder nur geringe Hinweise auf einen Nutzen gebe es beim PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs sowie bei professioneller Zahnreinigung. Keine neuen Studien gebe es zur häufig angebotenen Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung des grünen Stars.

Die meisten Patienten (82 Prozent) kennen Selbstzahler-Leistungen. 52 Prozent derer, die IGeL-Leistungen angeboten bekommen, nehmen sie an. Die Ärzte wehrten sich gegen die Vorwürfe. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, betont: „Im individuellen Patientenfall können IGeL medizinisch sinnvoll sein.“

Auch jeder zweite Patient in MV sollte schon einmal für Leistungen bezahlen. Einer Forsa-Umfrage zufolge boten allein 71 Prozent der Gynäkologen IGeL-Leistungen an. Auch mehr als die Hälfte der Zahn- und Augenärzte (56/55 Prozent) wirbt dafür. Vier von fünf Patienten in MV gehen auf die Offerten ein.

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