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Staatsanwaltschaft Schwerin ermittelt : Vorwurf: Dreijähriger misshandelt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatsanwaltschaft Schwerin bestätigt Ermittlungen. Jugendamt in Grevesmühlen in der Kritik

Wieder ist ein Kind offensichtlich Opfer schwerer Misshandlungen geworden. Wieder steht ein Jugendamt in der Kritik.

Wie die Staatsanwaltschaft Schwerin gestern bestätigte, hatte sich bereits am 13. Mai ein 31-jähriger Mann beim Jugendamt in Grevesmühlen gemeldet. „Der Mann bat von sich aus beim Amt um Hilfe“, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek gegenüber unserer Redaktion. Der Vater berichtete im Jugendamt über Probleme mit seinem kleinen Sohn. Die Mitarbeiter bestanden beim Gespräch allerdings darauf, das Kind zu sehen. Daraufhin holte der Vater den Dreijährigen. Der Kleine habe drastisch unterernährt und dehydriert ausgesehen. Die Mitarbeiter des Jugendamtes hätten zudem äußere Verletzungen am Körper festgestellt, so die Staatsanwaltschaft.

Das Kind wurde sofort in das Hanseklinikum in Wismar eingeliefert und medizinisch betreut. „Akute Lebensgefahr bestand aber nicht“, sagte gestern die Sprecherin des Landkreises Nordwestmecklenburg, Petra Rappen. Nachdem ein Rechtsmediziner die Hämatome untersucht hatte, wurden Polizei und Staatsanwaltschaft informiert. „Wir ermitteln gegen den Vater wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen“, sagte Urbanek. Auch die Rolle der Partnerin, die nicht die leibliche Mutter des Jungen ist, werde untersucht.

Der Dreijährige wohnte erst seit Ende 2015 bei seinem Vater. Zuvor war er in einem Heim in Schwerin untergebracht. Seine Eltern hatten sich getrennt und der Vater bekam vom Schweriner Amtsgericht im Dezember 2015 das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen. Danach holte er den Jungen zu sich.

Bereits im Januar 2016 kam es zum ersten Kontakt mit dem Jugendamt, weil der Vater Hilfe suchte. In der Folgezeit besuchte ein Sozialarbeiter des Amtes die Familie und sah auch den Jungen. „Hierbei wurden keine Auffälligkeiten festgestellt“, sagte Petra Rappen.

Ende April suchte der Vater Kontakt zum Kinder-und Jugendnotdienst. Dieser soll den Vater beraten und anschließend eingeschätzt haben, dass zum damaligen Zeitpunkt keine Kindeswohlgefährdung vorlag, so Frau Rappen. Ob der Notdienst den Jungen überhaupt gesehen hat, konnte die Sprecherin gestern nicht sagen.

In der Vergangenheit hatte es Kritik an der Arbeit des Jugendamtes gegeben. In einem anonymen Schreiben beklagen Insider eine Arbeitsüberlastung und zu wenig Mitarbeiter. Als Beleg dafür wurde das Vorgehen der Behörde im Fall des dreijährigen Jungen genannt. Das Jugendamt hätte die Situation völlig falsch eingeschätzt, so der anonyme Schreiber. Das Kind hätte niemals bei seinem Vater untergebracht werden dürfen.

Landrätin Kerstin Weiss stellte sich hinter ihre Behörde: „Wir haben die Abläufe in diesem Fall mit dem Jugendamt analysiert.“ Dabei sei man zu der Auffassung gelangt, dass es keine Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung gab und dass das Jugendamt zu keiner anderen Einschätzung hätte kommen können.

Der Junge konnte inzwischen das Krankenhaus verlassen. Auf Antrag des Jugendamtes wurde den leiblichen Eltern das Sorgerecht entzogen.

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erstellt am 24.Mai.2016 | 20:45 Uhr

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