Vorwürfe halten nicht von Drogen ab

 <strong>Crack gehört zu den gefährlichsten Drogen</strong>, da es sehr schnell zu einer Abhängigkeit führt.  Das krachende Geräusch beim Rauchen gab der zuerst in den USA verbreiteten Droge ihren Namen. Weltweit konsumieren bis zu 272 Millionen Menschen illegale Drogen. <foto>Foto: Boris Roessler/dpa</foto>
Crack gehört zu den gefährlichsten Drogen, da es sehr schnell zu einer Abhängigkeit führt. Das krachende Geräusch beim Rauchen gab der zuerst in den USA verbreiteten Droge ihren Namen. Weltweit konsumieren bis zu 272 Millionen Menschen illegale Drogen. Foto: Boris Roessler/dpa

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26. Juni 2012, 07:39 Uhr

Viele Leser wandten sich während unseres gestrigen Lesertelefons zum Thema illegale Drogen an die Suchtberater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Hier eine Auswahl der Fragen und die Antworten der Suchtberaterinnen Brigitte Ganse und Marieluise Theunissen-Spitzley.

Mein Sohn ist über 18, lebt noch bei uns und hat uns versprochen, dass er nicht mehr kifft. Aber ich denke, er tut es doch. Könnte man ihn mit einem Urin-Test überführen?

Theoretisch ja, aber das wird das Problem nicht lösen. Selbst wenn ihm ein Urin-Test nachweist, dass er noch Drogen konsumiert, wird ihn das nicht dazu bringen, nicht mehr zu kiffen. Erfolg versprechender ist es, mit dem jungen Mann offen zu sprechen. Teilen Sie ihm sachlich mit, was Sie beobachten, warum Sie glauben, dass er noch Drogen konsumiert. Sagen Sie ihm auch, welche Folgen das aus Ihrer Sicht haben kann und dass Sie sich große Sorgen machen. Im Gespräch bleiben ist das Wichtigste - und die einzige Möglichkeit, eine Veränderung herbeizuführen. Die Verantwortung für sein Leben liegt bei ihm.

In der Schule hat meine Tochter (17) keine Probleme, aber Sie raucht mit ihrem Freund öfter Haschisch. Das gibt sie auch zu. Mich beunruhigt die Kifferei. Was kann ich dagegen tun?

Wichtig ist immer, sich das ganze Umfeld anzuschauen. Wenn ihre Tochter ihre Sache in der Schule gut macht, sich auch ansonsten ganz normal entwickelt, dann besteht kein Grund, sich übermäßig zu sorgen. Bleiben Sie mit Ihrer Tochter in Kontakt. Wenn Ihnen irgendetwas seltsam vorkommt - sprechen Sie es offen an. Sparen Sie aber auch nicht mit Lob, zum Beispiel wenn es in der Schule gut läuft.

Unser Sohn (23) wohnt noch zu Hause. Mit seinen Freunden raucht er oft Haschisch. Er schafft es nicht, damit aufzuhören. Wer kann ihm helfen?


Professionelle Hilfe findet er in Sucht- oder Drogenberatungsstellen. Adressen stehen im örtlichen Telefonbuch oder im Internet, zum Beispiel unter www.bzga.de.


Mein Sohn hat vor einem knappen Jahr das Abitur gemacht, schreckt aber davor zurück, mit einem Studium anzufangen. Da dreht er sich lieber öfter mal einen Joint. Dabei scheut er die Arbeit nicht, alle Jobs hat er seitdem gut erledigt. Wie kann ich ihn vom Kiffen wegbringen?

Reden Sie in aller Ruhe mit ihm. Vielleicht ist das Studium nichts für ihn? Vielleicht wäre eine Lehre besser? Vielleicht flüchtet er in die Joints, weil er das Studium nicht will? Das alles könnte man in einem offenen Gespräch klären. Vermeiden Sie dabei Vorhaltungen. Sprechen Sie möglichst in der Ich-Form, teilen Sie ihm ihre Beobachtungen und ihre Sorge um ihn mit.

Ist es möglich, dass durch das Kiffen eine psychische Erkrankung ausgelöst wird?

Aktuelle Forschungen zeigen, dass der regelmäßige Konsum von Cannabis das Risiko für den Ausbruch einer dauerhaften Psychose, wie zum Beispiel der Schizophrenie, bei hierfür anfälligen Personen erhöht. Cannabis ist wahrscheinlich nicht die alleinige Ursache. Es kann aber im Zusammenspiel mit anderen Faktoren dazu führen, dass die Schwelle zur Psychose überschritten wird. Je intensiver der Cannabiskonsum ist, desto wahrscheinlicher wird der Ausbruch einer Psychose.

Ist eine Shisha weniger gesundheitsschädlich als ein Joint?

Nein, denn die Menge des eingeatmeten kalten Rauchs ist wesentlich höher als beim Ziehen an einem Joint, wodurch die Wirkung der Wasserpfeife schlagartig und intensiver eintritt.


Mein Enkel (19) kifft sehr oft. Meine Tochter geht dabei fast zugrunde. Sie kommt nicht mehr an ihn ran. Wie kann ich ihr helfen?

Vielleicht können Sie Ihre Tochter überzeugen, sich von Fachleuten beraten zu lassen. Unterstützung findet sie bei Suchtberatungsstellen, die es in vielen Orten gibt und fast immer auch Angehörige beraten. Schauen Sie im Telefonbuch oder im Internet, zum Beispiel unter www.dajeb.de, nach ortsnahen Beratungsstellen.

Ich habe neulich gehört, dass mein Sohn seinen Freund fragte, ob er Speed dabei habe. So weit ich weiß, ist das eine Droge. Ist sie gefährlich?

Ja, Speed gehört zur Gruppe der hoch gefährlichen Amphetamine. Dieser Stoff simuliert dem Körper eine enorme Stresssituation. Dadurch kommt es künstlich zu einer stark erhöhten Leistungsfähigkeit. Aktuelle nicht überlebensnotwendige körperliche Bedürfnisse, wie Schmerzen, Hunger oder Müdigkeit, werden ausgeschaltet. Das Selbstbewusstsein wächst, die Aggressionsschwelle sinkt. Dieser Zustand hält aber nicht nur - wie bei Stresssituationen - ein paar Minuten, sondern Stunden und mitunter Tage an. Die Gefahr, dass der Körper dadurch Schaden nimmt, ist besonders hoch. Hinzu kommt ein extrem starkes Suchtpotenzial.


Weitere Informationen:
Das Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist von Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr, von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr unter 0221/892031 erreichbar.
Unter drugcom.de gibt es viele Informationen und einen Wissenstest zu illegalen Drogen, unter quit-the-shit.net ein Reduktions- und Ausstiegsprogramm. Die Nutzer werden per Internet kostenlos 50 Tage beim Ausstieg begleitet.

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