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Flüchtlinge in Parchim : Vorurteile abgebaut beim Bootsbau

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Deutsche und Ausländer aus der Gemeinschaftsunterkunft in Parchim fertigen in einem multikulturellen Projekt gemeinsam ein Kanu

von
erstellt am 05.Apr.2016 | 11:45 Uhr

Flüchtlinge aus der Malteser-Gemeinschaftsunterkunft in Parchim haben zusammen mit jungen Leuten aus Sternberg ein Kanu gebaut. Gestern wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Hintergrund des gemeinsamen Projekts „Multikultureller Kanubau“ war es, Vorurteile abzubauen, sagt Jens Lahl, Geschäftsführer des Güstrower Bildungshauses, das für die fachliche Umsetzung sorgte.

Bei dem Projekt haben Flüchtlinge und Deutsche, die sozial benachteiligt sind, zusammen gearbeitet. Auf der einen Seite waren Asylbewerber, die oft glauben, dass alle Deutschen ein Auto und ein Haus besitzen. Auf der anderen Seite waren es junge Deutsche, unter denen die Meinung verbreitet ist, Flüchtlinge würden mehr unterstützt vom deutschen Staat als hiesige Hartz-IV-Empfänger.

Der gemeinsame Bootsbau lief dann offenbar ohne Spannungen ab zwischen den Teilnehmern. Es gab keine Anfeindungen, erfuhr unsere Zeitung. Die Mitarbeit der Ausländer an dem Projekt war gut, erklärte der gelernte Tischler Uwe Müller, der den Kanubau fachlich geleitet hat. Die Flüchtlinge haben teils ihre Geschichten erzählt. Die Arbeit machte Spaß. Es gehe darum, Druck aus der gesellschaftlichen Entwicklung zu nehmen, betonte Jens Lahl.

„Wem das Wasser bis zum Halse steht, der sollte sich ein Boot bauen“ – mit diesem Gedanken hatte der Bildungsträger aus Güstrow mit seiner Außenstelle in Sternberg in den vergangenen Jahren mehrere Projekte aufgelegt. Das erste war gedacht für drogensüchtige und kriminelle Jugendliche in Güstrow. Mittlerweile wurden mit verschiedenen jungen Leuten 15 bis 20 Kanus sowie fünf Wikingerboote fertiggestellt.

Wichtig ist es dem Bildungsträger, jetzt auch die Flüchtlinge mit ins Boot zu holen. Ursprünglich wollte man mit der Berufsschule in Parchim und damit auch mit Deutschen aus dieser Region zusammenarbeiten. Aber das kam bisher nicht zustande, bedauerte Lahl. Dafür signalisierte Bernd Torfstecher von der Malteser-Gemeinschaftsunterkunft in der Kreisstadt unkompliziert die Bereitschaft zum Mitmachen. Der Landkreis stellte über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Geld bereit, um das Projekt vollständig zu finanzieren. Gebaut wurde das Boot in Parchim, lackiert in Sternberg.

Jens Lahl vom Bildungshaus erzählte von guten Erfahrungen: Seine Leute, die zusammen mit den Ausländern an einem Boot bauen, ziehen nicht vor deren Unterkünfte. Das seien schließlich ihre Kollegen. Er berichtete auch von einem Projekt in Güstrow, wo Deutsche und Flüchtlinge ein Haus ausbauen. Ein junger Deutscher habe ein Hakenkreuz hinter dem Ohr. Und sein bester Kumpel sei heute ein Schwarzer aus Mauretanien.

Mit Uta Gellermann und Anett Nuklies vom Landkreis sprach der Bildungsträger über mögliche neue Projekte im Rahmen von „Demokratie leben!“

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