Umfrage : Vorstoß: 1000 Euro Strafe für Raser

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Raser sollen aus Sicht von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) mit drastisch höheren Geldbußen zur Vernunft gebracht werden. „Wer 20, 30 oder noch mehr km/h zu schnell fährt, muss eine Strafe zahlen, die im Bereich von 1000 Euro liegt“, sagte der SPD-Politiker.

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14. Juni 2016, 20:55 Uhr

Mit 160 Sachen durch eine Tempo-80-Baustelle auf der Autobahn. Mit 172 statt erlaubter 100 Kilometer pro Stunde auf einer Ortsumfahrung. Mit Tempo 100 an einer Schule entlang. Beim großen „Blitzmarathon“ im Frühjahr ertappte die Polizei binnen 24 Stunden wieder bundesweit mehrere zehntausend Raser. Erhoffte Effekte der zuvor angekündigten Aktion: mehr Einsicht und Vernunft. Doch sind die jetzigen Geldbußen abschreckend genug? Vor mehr Schulen, Kitas und Altenheimen dürften bald neue Tempo-30-Schilder aufgestellt werden. Fragen und Antworten von Sascha Meyer.

Wie gefährlich sind Raser – gerade für Kinder?

„Mit Bleifuß setzt man alles aufs Spiel“, warnte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) schon zum „Blitzmarathon“. Tatsächlich ist zu hohe Geschwindigkeit die häufigste Ursache für besonders schlimme Unfälle mit Toten. Nach einer grundlegenden Auswertung des Statistischen Bundesamts mit Daten von 2012 kommen 37 Prozent aller auf den Straßen getöteten Menschen durch überhöhte Geschwindigkeit ums Leben.

Anders als auf Landstraßen und Autobahnen sind innerorts auch Kinder als Fußgänger oder Radler stärker gefährdet. Sie können Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht so gut einschätzen.

20, 30 km/h zu schnell und dafür 1000 Euro Strafe zahlen: Kann man so den Verkehr beruhigen?

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Schrecken denn Geldbußen Raser nicht schon ab?

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sieht Handlungsbedarf und will die Geldbußen drastisch anheben. Strafen müssten so hoch sein, dass sie Temposünder „bis ins Mark“ treffen, argumentiert der SPD-Politiker und bringt dafür auch schon eine Größenordnung von 1000 Euro ins Spiel. Bisher reicht die Spanne von 10 Euro bis maximal 680 Euro, wenn extreme Raser innerorts mehr als 70 km/h zu schnell unterwegs sind. Pistorius schweben noch weitere Verschärfungen vor: eine automatische Bußgeldverdopplung fürs Rasen an Baustellen und generell schneller drohende Fahrverbote.

Was sagen Experten?

„Am besten spürt man es über das Geld“, sagt Bundesvize Arnold Plickert. Die Einnahmen sollten aber nicht im allgemeinen Haushalt landen, sondern für Verkehrssicherheitsarbeit reserviert werden. Und wenn ein Fahrer nicht zu ermitteln ist, solle wie beim Falschparken auch der Halter herangezogen werden.

Der Autofahrerclub ADAC reagiert zurückhaltend. Das erst 2014 reformierte System mit der Kombination aus Geldbußen, Punkten in Flensburg und Fahrverboten habe sich bewährt. So ist der Führerschein für mindestens einen Monat weg, wenn Raser innerorts 31 km/h oder noch mehr zu schnell waren.

Was ist vor Schulen und Altenheimen geplant?

„Kinder und Senioren brauchen besonderen Schutz“, sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Deswegen soll vor Schulen, Kitas und Altenheimen – wie schon auf kleinen Straßen – auch auf Hauptstraßen leichter Tempo 30 vorgeschrieben werden können. Die hohen bürokratischen Hürden soll eine Verordnung senken, die Dobrindt heute ins Kabinett bringt.

Um den Verkehrsfluss auf Hauptachsen aber nicht zu sehr zu bremsen, soll Tempo 30, wo möglich, nicht rund um die Uhr gelten, sondern z. B. nur zur Öffnungszeit einer Kita. Und länger als 300 Meter direkt vor der „sensiblen“ Einrichtung sollen die Tempo-30-Zonen in der Regel auch nicht sein.

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