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Mecklenburg-Vorpommern

23. Oktober 2017 | 10:07 Uhr

Weiße Krug : Vorerst kein neues Jagdgesetz

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Trotz Vergiftungen mehrerer Seeadler: Bleifreie Büchsenmunition gilt weiterhin nur für Bundes- und Landesflächen.

von
erstellt am 18.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Seit zwei Jahren ist in Mecklenburg-Vorpommern die bleifreie Jagd auf allen Bundes- und Landesflächen vorgeschrieben. Aktuell treibt die Jäger die Sorge um, dass ein neues Jagdgesetz mit der dann kompletten Bleifrei-Maßgabe kommt. Auch wegen der Zahlen verendeter, unter Schutz stehender Seeadler. Zwischen 1999 und 2015 wurde für 107 Seeadler die Todesursache „Bleivergiftung“ amtlich festgestellt. „Das entspricht 31 Prozent der untersuchten 409 Vögel, für die die Todesursache ermittelt werden konnte; in 63 Fällen war es aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustandes nicht möglich“, so die Sprecherin des MV-Landwirtschaftsministeriums. Todesursache Nr. 2 bei den majestätischen Greifvögeln seien mit 62 Fällen so genannte „Bahnopfer“.

In MV wurden im Vorjahr 366 Seeadler-Brutrevierpaare gezählt, die größte Population dabei an der Seenplatte und an der Küste Vorpommerns.

Die Waidmänner indes wollen bei der bereits seit den 90ern geführten Bleifrei-Diskussion keineswegs immer nur als Buhmänner herhalten. „Wir Jäger sind Naturschützer und ballern nicht einfach in der Gegend rum. Zumal die erlegte Strecke letztlich auch als Nahrungsmittel dient. Ziel ist, das Wild ohne viel Leid zur Strecke zu bringen. Das gebietet der Tierschutz“, betont Ingolf Schröder. Der Vorsitzende des Hegerings und der Hegegemeinschaft Weiße Krug bei Brüel fügt angesichts der Bleifrei-Diskussion an: „Wir brauchen eine Patrone, die auf Schlag tötet. Die Jäger werden sonst nicht mehr schießen.“

Das durch die Industrie trotz vielerlei Versprechen nicht gelöste Problem ist: Bisher gibt es keinen wirklich adäquaten Ersatz zur bleihaltigen Büchsen-Munition. Eine Feldstudie der Berufsjäger ergab, dass die Fluchtstrecken bei der Verwendung von bleifreien Geschossen größer ausfallen. Dies führe zu weitaus höherem Aufwand bei der Nachsuche; besonders, wenn die Maisjäger etwa bei Mondlicht dem Schwarzwild nachstellen. Das könne dann häufig erst Stunden später bei Tageslicht unter Hilfe von Schweißhunden aufgefunden werden. Dann ist das Wild, da nicht rechtzeitig aufgebrochen, aber nicht mehr verwertbar. „Ich habe zwei verschiedene Büchsen. Eine mit bleihaltiger Munition und eine bleifreie für die Landesflächen“, so Schröder.

Und so wird es erst auch einmal bleiben. „Die Erarbeitung eines neuen Landesjagdgesetzes ist zurzeit nicht vorgesehen“, heißt es auf Anfrage aus dem Ministerium von Landwirtschaftsminister Till Backhaus. Mit dem Rechtsbereinigungsgesetz vom 20. April 2016, allerdings noch nicht verkündet, ist das Landesjagdgesetz in Einzelfragen geändert worden. Das Thema „bleifreie Jagdmunition“ sei nicht enthalten. Es werde die noch für 2016 angesagte Novellierung des Bundesjagdgesetzes abgewartet.  

Hintergrund: Bleifreie Munition
In Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen – dort seit April 2016 – gilt die Bleifrei-Pflicht für Büchsenmunition. In MV ist die bleifreie Jagd seit 1. April 2014 auf allen Landesflächen festgeschrieben. Andernorts darf auch weiterhin mit Bleimunition gejagt werden. Dass das Problem komplex ist, beweist Norwegen, das 2015 das zehn Jahre zuvor verkündete Bleiverbot weitestgehend wieder aufhob. Grund: Mit Stahlschroten seien mehr Wild krank geschossen worden.

 


 

 

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