Staatlicher Gartenkonservator : Vor der Quadratur des Kreises?

Schloss Bothmer
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Schloss Bothmer

Aufgaben des Staatlichen Gartenkonservators liegen seit 2014 brach – eine neue Professur soll die Lösung sein

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11. Juni 2016, 08:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern mahlen die Mühlen bekanntlich etwas langsamer als anderswo. Zwar hat der Landtag schon im Oktober 2014 beschlossen, die im Sommer jenes Jahres frei gewordene Stelle des Staatlichen Gartenkonservators nicht wieder zu besetzen. Stattdessen sollte sie funktionell, personell und inhaltlich mit der vakanten Professur für Gartenkunst und Gartengeschichte an der Fachhochschule Neubrandenburg verknüpft werden. Bis zum Wintersemester 2015/16 sollte das über die Bühne gehen. Doch wie gesagt: Die Mühlen mahlen hier langsam. Auch nach knapp zwei Jahren ist immer noch niemand auf diese Stelle berufen worden.

Mehr als 1000 Gartendenkmale gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, historische Parks und Gärten prägen das Land mindestens ebenso wie seine Seen und seine Herrenhäuser. Doch Gartenbauexperten und Landschaftsarchitekten hatten bereits im vergangenen Frühjahr vor auf längere Sicht irreparablen Schäden gewarnt, sollten die Aufgaben eines Staatlichen Gartenkonservators nicht schon bald wieder ausgefüllt werden. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege fälle kaum fachliche Entscheidungen, bemängelte damals der Landesvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, Prof. Stefan Patzer. Das behindere Investitionen und begünstige Fehlentwicklungen.

Auch der Neubrandenburger Linken-Landtagsabgeordnete Torsten Koplin hat schon im vergangenen Jahr eine zügige Neubesetzung der Stelle des Gartenkonservators gefordert. Jetzt resümmiert er: „Es dauert insgesamt zu lange, es bleibt einfach zu vieles liegen.“

Nach Angaben des Kulturministeriums kommt aber endlich Bewegung in die Sache. „Das Berufungsverfahren an der Hochschule Neubrandenburg läuft. Die Bewerberinnen und Bewerber haben ihre Probevorträge gehalten, Gutachten sind angefordert worden“, so Ministeriumssprecher Henning Lipski. Die Berufungskommission werde auf dieser Basis weitere Entscheidungen treffen. Die Professur könnte demnach also mit einjähriger Verspätung zum kommenden Wintersemester besetzt werden.

Auf Koplins Anfragen hin hatten Bildungsministerium und Hochschule immer wieder darauf verwiesen, dass es ein sehr ungewöhnliches und aufwendiges Stellenbesetzungsverfahren sei. Sowohl Denkmalschutz als auch Natur- und Umweltschutzbelange waren zu berücksichtigen – und also auch die entsprechenden Fachressorts mit einzubinden.

„Ich habe nach wie vor große Zweifel daran, dass die Kombination einer halben Stelle als Professor und einer halben Stelle als Staatlicher Gartenkonservator funktioniert“, sagt der Linken-Abgeordnete auch heute. „Entweder bleiben die Studierenden auf der Strecke oder die Schlösser und Gärten.“ Alle Ansprüche zu erfüllen, komme einer Quadratur des Kreises gleich, meint Koplin. „Allein die Fahrten zwischen Neubrandenburg und beispielsweise Bothmer nehmen so viel Zeit in Anspruch, dass die Lehrtätigkeit nicht mehr zu bewältigen sein dürfte.“

Auch die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur hat mehrfach ähnliche Zweifel geäußert. Zwar sei die Professur hinsichtlich einer Inventarisierung der Gartendenkmale im Land tatsächlich sinnvoll. Für praktische und verwaltungsrechtliche Aufgaben müsse es aber wieder mindestens einen Ansprechpartner in der Landesverwaltung geben, fordert sie.

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