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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 12:42 Uhr

Generation Z : Vor allem selbstbewusst

vom

Twitterbeitrag einer 17-Jährigen löst Bildungsdebatte aus / Trendstudie stellt Jugend ein gutes Zeugnis aus: optimistisch, fleißig und tolerant / Teil 1

svz.de von
erstellt am 29.Jan.2015 | 12:00 Uhr

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtanalyse schreiben. In vier  Sprachen.“ Als die 17-jährige Naina das  vor zwei Wochen twitterte , traf sie   einen Nerv. Ihre Kurznachricht verbreitete sich in Windeseile im Netz und wurde zum politischen Thema. Zehn Jahre Schule und nichts gelernt? Inzwischen ist Nainas Account stillgelegt. Zu viel Hass habe sich da entladen.

Dabei gibt es gar keinen Grund dazu.  Eine aktuelle  Trendstudie  zu   den  Konsumgewohnheiten und Verhaltensweisen der jungen Leute  von heute stellt der „Generation Z“ ein überaus gutes Zeugnis aus (siehe Grafik). Jugendliche sind  optimistisch, fleißig, tolerant und vor allem selbstbewusst. Die „Generation Z“ macht 20 Prozent der Erdbevölkerung aus und spielt als erste globale Generation eine Schlüsselrolle in der technologiegetriebenen Welt von heute. Es wird erwartet, dass sie neue Maßstäbe setzen wird, insbesondere in puncto Mobilität, Freiheit und Kreativität.

Selbstbewusst zeigen sich auch die Schüler, die wir im Zuge unseres Projektes „Zeitung in der Schule“ mit Nainas Tweet konfrontierten, der sich im Grunde mit der alten  und immer währenden Frage befasst: „Was kann Schule, was muss Schule vermitteln?“

„Meiner Meinung nach stimmt die Nachricht nur halb. Auf der einen Seite ist das Bildungssystem in Deutschland sehr gut, wenn es zum Beispiel um Allgemeinbildung, die Politik oder Sprachen geht. Doch auf der anderen Seite stimme ich Naina zu: Die Schüler sollten auch über Dinge wie Steuererklärungen oder das Finanzwesen unterrichtet werden. So wären die Jugendlichen auf ihre selbstständige Zukunft noch besser vorbereitet“, sagt Michelle Lenk     aus  der ecolea  Internationalen Schule in Rostock.

Anina aus Parchim stimmt Naina vollständig zu: „Naina hat recht, auch wenn es den Spruch schon lange gibt. Aber ja, ich habe von dem allen keine Ahnung und muss immer meine Mama oder Google fragen“, so die  19-jährige  Abiturientin. 

Eve Maria Moeller, Lilli Plocksties, Annemarie Borck vom Gymnasialen Schulzentrum in Stralendorf meinen hingegen, dass „es  nicht allein die Aufgabe der Schule ist, den Schülern Wissen über Antragstellung oder Versicherungen etc. zu vermitteln. Neben der reinen Wissensvermittlung geht es doch in den 10 bis 12 Schuljahren ebenso um den Erwerb von Kompetenzen, die es uns unter anderem ermöglichen, selbstständig Wissen anzueignen und gewisse Informationen zu sortieren. Auch die Eltern sollten hier ihren Beitrag leisten, um ihr Kind zur Selbstständigkeit zu erziehen.“

Das genau trifft sich mit der Meinung einer Mutter: „Die Lebensschule muss zu Hause in der Familie passieren. Das ist die Aufgabe von Eltern. Benehmen, Haushalt, Kochen und vieles andere kann man nicht in der Schule lernen“, sagt Gerlind Kellermann aus Mönkebude bei Ueckermünde. 

Und auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, sieht auch die Eltern in der Pflicht: Ein gewisses Maß an Alltagstauglichkeit müsse in der Familie vermittelt werden.  Viele Lehrer  wehren sich. Die nordrhein-westfälische GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer aus dem gleichen Bundesland wie Naina reagierte umgehend: „Gerade in der Oberstufe lernen die Schüler, wie sie sich selbst Informationen beschaffen könnten – vor allem in Zeiten des Internets.“ Auch die  Bundesbildungsministerin reagierte. „Ich finde es sehr positiv, dass Naina diese Debatte angestoßen hat“, sagte Ministerin Johanna Wanka (CDU).

Karsten Hill, Schulleiter der Regionalschule in Zehna bei Güstrow, sieht hingegen  Schuld auch gerade bei der  Politik. „Wenn es nach den Politikern geht, dann soll Schule alles: über Ernährung aufklären, soziale Netzwerke erklären, einen normalen Tagesablauf  üben...“ Wir haben die Schule in Zehna besucht. Wie die Schüler dort lernen, lesen Sie morgen.

 

 

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