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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 12:27 Uhr

Windräder in Altentreptow : Von wegen Idylle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In der Gegend um Altentreptow steht Windrad an Windrad – jetzt sollen es noch mehr werden

Die Gegend um das idyllisch im Tal der Tollense gelegene Altentreptow weist die größte Dichte an Windrädern in Mecklenburg-Vorpommern auf. Die höchsten Anlagen drehen sich östlich des Städtchens auf einer Ebene nahe der Dörfer Grapzow, Grischow und Werder. Für den Kreistagsabgeordneten Norbert Schumacher ist der Landstrich mittlerweile „nicht mehr bewohnbar“. „Niemand, der ländliche Ruhe sucht, würde dort noch hingehen“, sagt Schumacher, der für das Aktionsbündnis gegen unkontrollierten Windkraftausbau im Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte in Neubrandenburg sitzt.

Nun soll das Windkraft-Revier Altentreptow erneut erweitert werden. Die Mindestabstände zwischen Windparks wurden von fünf auf 2,5 Kilometer reduziert. Auf einer Fläche, die der Landesenergieplan nicht als geeignet ausweist, will die Windprojekt GmbH Börgerende (Nordwestmecklenburg) 30 Anlagen von jeweils 150 Metern Nabenhöhe errichten, Baubeginn noch in diesem Jahr.

Aussicht auf eine Genehmigung rechnet sich die Firma vor allem aus, weil es sich um ein Projekt mit „innovativem Charakter“ handelt, wie Projektleiter Marcus Heinicke sagt. Der Name des Windparks RH2-PTG stehe für Regenerativen Wasserstoff – Power-to-Gas, wobei PTG auch den Standort zwischen Pripsleben, Tützpatz und Gültz benennt. Dort soll aus Windstrom Wasserstoffgas hergestellt und erstmals in das Erdgasnetz eingespeist werden. Dieses fungiere damit als Speicher für Windenergie. Dies sei ein Pilotprojekt für Mecklenburg-Vorpommern.

Die Innovation ist aber eine andere: Wie Energieminister Christian Pegel (SPD) in Altentreptow erläuterte, besteht der „innovative Charakter“ des Projekts darin, dass „der Betreiber freiwillig den Kommunen eine direkte finanzielle Beteiligung am Windpark“ anbietet. Dies sei bislang nicht vorgesehen, ein entsprechendes Gesetz aber in Vorbereitung.

Michael Thomalla, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages MV, hält den Plan der Landesregierung, dass Investoren den Kommunen ein Beteiligungsangebot machen müssen, grundsätzlich für gut. Auch finanzschwache Kommunen könnten die Genehmigung zur Kreditaufnahme erhalten, wenn die Überprüfung ergebe, dass ihre wirtschaftliche Betätigung Gewinn verspricht.

Der Abgeordnete Schumacher hält vom Beteiligungsmodell dagegen nichts: „Die Leute sollen jetzt noch ihr Geld dafür hingeben, dass sie die Windräder ertragen müssen“, schimpft er. Die Rechnung sei einfach: Wer 10 000 Euro investiere, bekomme bei einer Rendite von 3 oder 4 Prozent 300 oder 400 Euro pro Jahr. In seinem Wohnort Penzlin seien verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten durchgespielt worden. Am Ende bleibe immer: „Es müssen Steuern entrichtet und ein Geschäftsführer bezahlt werden, aber der Investor kann das Ganze gegen die Wand fahren.“ Fazit: „Man hat als Kommune keine Einflussmöglichkeit.“

Die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren liegen bis 28. August aus, bis Mitte September sind Einwendungen möglich. Die Meinung der Bürger und Gemeinden hat aber auf das Verfahren keinen Einfluss, stellt Thomalla klar. Die Entscheidung liege beim Planungsverband.

Mehrere Einwohner machen mittlerweile mit Aushängen deutlich, dass sie keinen Windpark wollen. Und dass sie nicht verstehen, dass sie ihre Hoffnung mittlerweile darauf setzen müssen, dass der Schreiadler oder der Rote Milan den Windpark verhindern können. Am Sonntag ist eine Kundgebung in Tützpatz geplant.


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