Europäisches Hansemuseum : Von Slawenfürsten und Kaufleuten

Das alte Burgkloster in Lübeck ist in das zukünftige Europäische Hansemuseum integriert.
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Das alte Burgkloster in Lübeck ist in das zukünftige Europäische Hansemuseum integriert.

Wie und warum die Hanse so mächtig wurde, ist Thema eines neuen Museums in Lübeck

svz.de von
24. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Die norddeutsche Museumslandschaft wird um eine Perle reicher. Nach rund zwei Jahren Bauzeit wird im Frühsommer 2015 das Europäische Hansemuseum eröffnet. Es soll die rund 800-jährige Geschichte des mittelalterlichen Wirtschafts- und Städtebundes erlebbar machen. Lebensecht gestaltete Szenen und beeindruckende Dokumente versprechen die Ausstellungsgestalter.

Doch ein Teil der Exponate war ursprünglich gar nicht vorgesehen. Beim Bau des Museums stießen Archäologen auf so bedeutende Zeugnisse der Vergangenheit, dass Bauherren und Planer beschlossen, sie in das Museum zu integrieren. „Diese Funde sind wichtig als Belege für die Geschichte, die wir erzählen wollen, und auch als Exponate an sich“, sagt der Architekt und Ausstellungsdesigner Andreas Heller. „Deshalb haben wir im Frühjahr 2013 die Planungen noch einmal geändert und die museal aufbereitete Grabungsstätte in die Ausstellung integriert“, sagt er. Das sei der Wunsch der Bauherren und der Historiker gewesen. „Ihnen war der Erhalt der archäologischen Befunde sehr wichtig, auch wenn sich dadurch die Eröffnung um etwa ein Jahr verschoben hat“, sagt Heller.

Nach seinen Angaben zählt das Haus mit einem Investitionsvolumen  von  rund  42 Millionen Euro zu den zehn größten Museumsneugründungen in Deutschland nach 1945. Den Löwenanteil der Kosten trägt die Lübecker Possehl-Stiftung, das Land Schleswig-Holstein steuert 9,4 Millionen Euro bei.

Etwa 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wird das Europäische Hansemuseum haben. Neben dem rot verklinkerten Neubau, der in den Burghügel hineingebaut wurde, wird auch das 1227 entstandene ehemalige Burgkloster in den Museumskomplex einbezogen. „Hier wird es keine Exponate geben, die Räume sollen für sich selbst sprechen“, sagt Heller. Im Neubau und im Obergeschoss des Klosters dagegen werden szenische Darstellungen verschiedene Stationen der Hansegeschichte zeigen – von der Gründung 1193 bis zum letzten Hansetag 1669. „Daneben gibt es aber auch Räume mit konventionellen Exponaten. Da wird zum Beispiel ein auf Birkenrinde geschriebener Vertragstext aus dem Jahr 1220 zu sehen sein, der bei Ausgrabungen in Nowgorod im Nordwesten Russlands gefunden wurde“, sagt Heller.

Die Menge der archäologischen Funde beim Bau des Museum erstaunte selbst die Fachleute. Dazu gehören Hinweise, dass die hier um 800 errichtete slawische Burg rund 100 Jahre lang verlassen war. Das könnte den Bericht des zeitgenössischen Chronisten Helmold von Bosau belegen, wonach Graf Adolf von Schauenburg 1143 eine von dem Slawenfürsten Kruto verlassene Burg wiederbelebt habe.  

Die ersten Besucher des Hansemuseums werden wohl die Außenminister der G7-Staaten sein, die im April 2015 in Lübeck tagen. Für das Publikum werde das Museum spätestens im Juni 2015 eröffnet, sagt Menken.

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