historischen Sammlungen : Von Scheidenpulverbläser bis Abakus

Josephine Wunderlich von der Uni Greifswald zeigt  eine historische Frauendusche sowie die Verpackung einer solchen.
Josephine Wunderlich von der Uni Greifswald zeigt eine historische Frauendusche sowie die Verpackung einer solchen.

Uni Greifswald zeigt in einer Ausstellung Schätze aus ihren historischen Sammlungen.

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25. Februar 2014, 11:45 Uhr

Alte Rechentechnik, Verhütungsmittel von anno knips und ein wertvolles Bildarchiv – die Uni Greifswald zeigt Schätze ihrer historischen Sammlungen. Unter dem Motto „Wissen sammeln. Die digitalisierten Schätze der Universität Greifswald“ werden in der Uni-Bibliothek ab heute 150 historische Sammlungs- und Forschungsobjekte aus der Rechentechnischen, der Geburtshilflich-Gynäkologischen Sammlung sowie dem Bildarchiv vorgestellt.

Die 1456 gegründete Uni verwahrt in 17 wissenschaftlich-historischen Sammlungen rund 5,74 Millionen Einzelstücke. Rund 6000 Objekte seien digitalisiert und im Internet über eine Datenbank abrufbar, sagte Kustodin Birgit Dahlenburg. Damit kommt die Hochschule einer Empfehlung des Wissenschaftsrates nach. Das wissenschaftspolitische Beratungsgremium der Bundesregierung hatte den Hochschulen 2011 nahegelegt, das „Potenzial wissenschaftlicher Sammlungen für die Forschung im Interesse des Wissenschaftssystems besser nutzbar zu machen“. Forscher, Studenten und Interessenten können in der Datenbank nach Objekten recherchieren.

Die aktuelle Schau ist bereits die vierte Ausstellung, die Einblicke in die Sammlungen gibt. Abaki, Rechenscheiben, Rechenwalzen bis zu frühen Computern und EDV-Anlagen dokumentieren die Geschichte der Mathematik und ihrer Hilfsmittel. Aus der Gynäkologischen Sammlung werden heute martialisch anmutende Instrumente gezeigt. Zu sehen ist ein sogenannter Transforateur aus dem 19. Jahrhundert, mit dem tote Kinder aus dem Mutterleib gezogen wurden, oder ein Dekapitationsgerät – eine Art Kettensäge – mit der um 1930 tote Babys im Mutterleib zerschnitten und aus der Gebärmutter geholt werden konnten, um das Leben der Frau zu retten.

Eher kuriose Einblicke in die Gynäkologie geben die Verhütungsmittel aus dem Zeitalter vor der Pille – wie Scheidenspülinstrumente oder ein Scheidenpulverbläser. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Frauen mit dem Thema Verhütung allein gelassen, berichtete der Gynäkologe Günter Köhler. Ein im Jahr 1900 verabschiedetes Gesetz verbot jegliches öffentliches Anpreisen oder den Verkauf von Verhütungsmitteln an unverheiratete Frauen. So abenteuerlich muten dann auch aus heutiger Sicht die damals benutzten Verhütungsmittel an. Mit einem Scheidenpulverbläser wurde vor dem Sex ein Säurepulver in die Scheide eingeblasen. „Das Pulver war kontrazeptiv unwirksam“, so Köhler. Allerdings ließen sich damit Scheideninfektionen ganz gut bekämpfen.

Kustodin Birgit Dahlenburg bedauerte, dass bislang die Sammlungen an der Uni noch nicht durch eine Sammlungsordnung geschützt sind.

Eine solche Ordnung, die Leitlinien für den Umgang festlegen soll, soll jedoch noch 2014 auf den Weg gebracht werden. Die Objekte haben neben ihrem musealen Wert auch heute noch für die Forschung und Lehre große Bedeutung, sagte Dahlenburg. So seien Objekte aus der Paläontologischen Sammlung beispielsweise für die Biodiversitätsforschung spannend.

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