THW in MV : Von Professor bis Melker

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THW in MV mit 1300 ehrenamtlichen Helfern aufgestellt. Massenaustritte in Wolgast regen Diskussion an

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15. Juni 2016, 21:00 Uhr

Egal ob Oderflut, Elbehochwasser, Vogelgrippe, Fußball-WM oder G8-Gipfel – das Technische Hilfswerk ist stets zur Stelle. Die ehrenamtlichen Helfer haben sich in vielen Kreisen als engagierte Helfer einen Namen gemacht.

Doch „wenn die Landesregierung nicht für uns da ist, können wir nicht für die Region da sein“, erklärte am Dienstag der THW-Ortsbeauftragte Frank Hasche aus Wolgast. Dort haben kürzlich 12 THW-Mitglieder mit ihrem Austritt gegen die Schließung der Kinderstation im Krankenhaus protestiert. Weitere Austritte wurden angekündigt.

Inzwischen hat sich auch die Gewerkschaft verdi eingeschaltet. Sie fordert die Landesregierung auf, die Entscheidung zu revidieren. Mitarbeiter Steffen Kühhirt: „Dieser Fall zeigt, wie durch politische Fehlentscheidungen gesellschaftlicher Kitt kaputt gemacht wird.“ Denn das Technische Hilfswerk sei eine der Organisationen, die die Gesellschaft zusammenhielten.

In Mecklenburg-Vorpommern sind das insgesamt etwa 1300 ehrenamtliche Helfer, 1000 davon aktiv. Pro Jahr bestreiten sie etwa 100 Einsätze, erklärt Michael Jorasch, Einsatz Sachbearbeiter beim THW Landesverband MV. Diese Zahl hänge allerdings stark von den jeweiligen Schäden und Katastrophenfällen ab, wie er sagt. „Es gibt Jahre, in denen es sehr ruhig ist, wie 2012. Beim Elbehochwasser 2013 kamen wir etwa auf 3500 Helfertage. 2015 haben wir wegen des Flüchtlingsaufkommens allein 40 Transport-Aufträge erledigt“, erklärt er. Die Helfer des THW arbeiten dabei zu 99 Prozent ehrenamtlich. In MV gibt es nur 15 hauptamtliche Mitarbeiter.

Die Helfer stammen dabei aus allen Milieus. „Vom ,Professor Doktor’ bis zum Melker ist alles vertreten“, sagt Jorasch. Der Frauenanteil liege derzeit bei 15 Prozent. „Vorwiegend haben wir technikaffine Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren. Wir freuen uns aber über jeden Helfer.“ Feste Voraussetzungen für den Dienst beim Technischen Hilfswerk gibt es nicht, da die Freiwilligen in allen Bereichen – auch in der Küche oder der Verwaltung – tätig werden können. Wer jedoch in den Einsatz ziehen will, muss ein Mindestmaß an körperlicher Fitness mitbringen. Alle Helfer werden professionell ausgebildet. In einer halb- bis dreivierteljährigen Grundausbildung, wie auch durch weitere Lehrgänge und Schulungen in den zwei THW-Bundesschulen.

Neue Ehrenamtliche anzuwerben, sei in MV trotzdem mitunter schwierig, erklärt der Sachbearbeiter. Grund dafür seien die weite räumliche Verteilung der Bevölkerung auf dem dünn besiedelten Land sowie die hohe Pendlerquote. Auch der stetige Strom neuer Kräfte sei mit Aussetzung der Wehrpflicht abgerissen und bedeutete etwa 20 Prozent weniger Neuzugänge. „Damals fungierte der Dienst beim THW als Wehrdienst Ersatzleistung“, so Jorasch. Doch der Zustrom habe sich inzwischen wieder stabilisiert. Auch die Qualität der Helfer habe sich dank der 100 Prozent Freiwilligenquote gesteigert.

Dezente Unterschiede zwischen Ost und West gebe es dabei jedoch. Vor allem, weil es das Technische Hilfswerk im Osten erst seit Anfang der 90er Jahre gibt. „Der Westen hat 40 Jahre Vorsprung“, so Jorasch. Sein Eindruck ist aber, dass die Helfer im Osten durchschnittlich jünger und flexibler seien als im Westen. Wer sich persönlich über die Möglichkeiten beim THW informieren möchte, kann dies beim Tag der offenen Tür des Ortsverbandes Schwerin tun. Er findet am 18. Juni, 10 bis 16 Uhr Uhr, in der Mettenheimer Straße 7 statt.

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