Von Naukern, Flaschenkindern und kleinen Leuten

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22. März 2013, 07:48 Uhr

Vor einer Woche hatten wir an dieser Stelle die Frage unserer 90-jährigen Leserin Gerda Mittag aus Schwerin weitergegeben, die sich dafür interessierte, ob noch irgendjemand das Wort "Nauker" kenne. Kürzlich habe ihre Tochter (69) zu ihr gesagt: "Früher hat Opa mich oft ,Nauker genannt. Was ist das?"

Dazu gab es prompt Leserpost mit sehr unterschiedlichen Erklärungen: Für Ulrich Hartmann aus Lübesse ist der Begriff ein Beweis für die Bildhaftigkeit der plattdeutschen Sprache. "Nauker" sei abgeleitet von dem Wort "nuckeln". "Als Nauker wurde bei meinen Eltern ein Ferkel bezeichnet, das mit der Nuckelflasche aufgezogen worden ist", so der 70-Jährige. Bei großen Würfen kam es manchmal vor, dass ein Unglücksrabe unter den Ferkeln beim Kampf um die ergiebigsten Zitzen immer zu kurz kam. In Zeiten der individuellen Landwirtschaft kümmerte man sich selbstverständlich noch um jedes einzelne Tier. Klar, dass das kleine "Flaschenkind" in diesem Fall auch einen Kosenamen bekam: "Dat is uns lütt Nauker."

Bei Leserin Gabriele Müller weckte der Begriff schöne Erinnerungen an ihre Kindheit. "Für meine Oma war ich auch ein ,Lütt Nauken - das wurde als liebevolle Bezeichnung für mich als kleines Kind verwendet", schreibt die 60-Jährige, die sich darüber freute, dem Wort wieder zu begegnen.

Ganz ähnlich ging es Monika Lange aus Güstrow: "… ich bin Baujahr 1952 und mein Papa hat mich als Kind oft Nauker genannt. Er war Jahrgang 1925 und ist leider 1999 viel zu früh verstorben. Wenn ich mich so daran erinnere, wann er mich so genannt hat, dann war es immer im Zusammenhang mit einer Freude oder einer Überraschung, die ich ihm mit meinem Verhalten gemacht habe. Ihr Artikel hat mich daran erinnert und ich bedanke mich für diese Leseraktion", schreibt die Güstrowerin.

Es sind also viele kleine Familiengeschichten, die sich mit dem Wort "Nauker" verbinden. Auch Antje Werth steuert eine Erinnerung bei: "Meine Schwiegermutter hat zu unseren Kindern immer gesagt, hol mal die kleinen Naukers zum Halma- oder zum Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen. Sie bezeichnete so die kleinen farbigen Hütchen. Den Namen fanden meine Kinder immer sehr lustig, sie sagen es heute noch im Alter von fast 50 Jahren."

Für Dieter Kasper aus Wiebendorf ist es das Wort "Nauke", mit dem er Erinnerungen an seine Schulzeit verbindet. "Nauke", schreibt er, "steht für eine ein wenig zu klein oder kurz geratene Persönlichkeit." Allerdings sieht er in dem Wort eine charmante Bezeichnung und nichts Respektloses: "Wir, das heißt, meine Schul- und Spielgefährten und ich, haben Nauke eher als ,Ökelnamen, also als Scherz- oder Spitznamen verstanden, nicht als Schimpfwort für eine kleine Person, wie es im ,Kleinen Plattdeutschen Wörterbuch des Hinstorff-Verlages von 1985 nachzulesen ist. Un’s Nauke wier nie nich’ füünsch, hei hürte sogor up den Nam’, wenn wi em tau’n spälen up de Strat dal fläut’ hem", erinnert sich der Wieberdorfer.

Auch Dr. Behrend Böckmann aus Kirch Rosin wies auf diesen Eintrag im Plattdeutsch-Hochdeutschen Wörterbuch von Renate Herrmann-Winter, 5. Auflage 2003, Seite 211, hin, in dem "Nauke" als seltenes Schimpfwort für einen kleinen Menschen erläutert wird.

Und resolut erklärt Hans-Jürgen Breese: Im Norden gibt es keine "Nauker", sondern nur einen "Nauke" und das ist laut "Sprachbrockhaus" von 1935 ein Spottname ähnlich wie August. Der Opa hätte also "Nauke" sagen müssen.

Und schließlich hat Wolfgang Hohmann aus Oettelin noch eine Ergänzung, die er im Mecklenburgischen Wörterbuch von Wossidlo/Teuchert entdeckt hat. Dort steht unter dem Stichwort Nauke(r): Gebraucht als Hundename; auch Bezeichnung eines Menschen von kleiner Gestalt, z. B. du Nauke oder mit Namen "Nauke Möller".

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