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Wurzeln von Charlene Wittstock liegen im heutigen Vorpommern : Von MV nach Monaco

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Wenn Fürst Albert II. Anfang Juli im Fürstentum Monaco heiratet, steht auch ein Dorf in Deutschland im Licht der Öffentlichkeit: Zerrenthin in Vorpommern. Der Grund ist einfach...

Zerrenthin | Wenn Fürst Albert II. Anfang Juli im Fürstentum Monaco heiratet, steht auch ein Dorf in Deutschland im Licht der Öffentlichkeit: Zerrenthin in Vorpommern. Der Grund ist einfach: "Vor genau 150 Jahren wanderten die Ururgroßeltern der Braut Charlene Wittstock von hier nach Südafrika aus", sagt die Bürgermeisterin Heike Lemke (CDU). Obwohl die Geschichte der Wittstocks zurzeit viel im Dorf diskutiert wird, planen die Zerrenthiner keine besonderen Aktivitäten. "Die Menschen hier haben keine Beziehungen mehr zu dieser Familie", sagt die Bürgermeisterin.

Von 1807 bis 1861 lebten die Vorfahren der künftigen Adligen in dem kleinen Dorf, das früher zur Uckermark gehörte und heute gerade noch 500 Einwohner zählt. Charlenes Urururgroßvater Christian Friedrich war Landarbeiter, hatte aber einen schlechten Zeitpunkt erwischt. Es gab "17 Ganzbauern, 5 Ganzkossäten, 7 Büdner und 28 Einlieger sowie eine Schmiede, einen Krug und 55 Feuerstellen", heißt es in der Dorfchronik. Bis 1813 hatte der Ort unter der Grenzlage zu Pommern und unter den durchziehenden französischen Truppen zu leiden.

Danach folgten 1821 die Schulpflicht und 1834 die Abschaffung der Zölle, was gut für das Dorf war. Die Einwohnerzahl stieg stark - von 370 auf mehr als 600 Menschen. Dazu trugen auch die Wittstocks bei. So wird 1840 Charlenes Ururgroßvater Gottlieb geboren. "An ihn erinnert ein Eintrag im Taufbuch", erzählt Pastor Matthias Bohl. Gottlieb wird in der Feldsteinkirche getauft, die noch heute Mittelpunkt von Zerrenthin ist.

Doch die Wittstocks hielt es nicht in der Ortschaft. "Kein Wunder, das war hier eher ein Handwerkerdorf", erzählt Bohl. Gerade aus der Uckermark, Mecklenburg und Pommern zieht es im 19. Jahrhundert viele Familien, die als Landarbeiter keine Chancen mehr sehen, nach Nordamerika, Australien und Südafrika, erklärt Manfred Jatzlauk, Historiker an der Universität Rostock. Die Chancen für einen sozialen Aufstieg seien gering gewesen, auch weil die Industrialisierung, die mehr Arbeitsplätze bot, eher im Ruhrgebiet, in Sachsen oder in Oberschlesien einsetzte.

Heute ist Zerrenthin ein gepflegtes Bauerndorf an der viel befahrenen B 104 nach Stettin in Polen. "Nur die junge Leute gehen meist weg", bedauert die Bürgermeisterin. Grund sei die noch immer hohe Arbeitslosenquote in der Grenzregion. Die 1972 erbaute Plattenbauschule wurde nach der Wende wieder abgerissen.

Ob die künftige Fürstin dem Dorf einmal ihre Aufwartung machen wird? Bürgermeisterin Lemke ist skeptisch: "Das glaube ich nicht." Anders sieht das Jutta Knop. Auf dem Friedhof diskutiert sie mit einer anderen Frau, ob es im Dorf noch Geschichten über die vor 150 Jahren ausgewanderten Wittstocks gibt. "Das ist aber schwierig, weil viele Zerrenthiner auch erst nach 1945 hierher gekommen sind", weiß die Rentnerin. "Aber die Hochzeit gucken wir auf jeden Fall", ist sich Knop mit ihrer Bekannten einig. Und wer weiß - vielleicht wolle ja auch eine Fürstin einmal die Spuren ihrer Familie verfolgen - dann käme sie an Zerrenthin nicht vorbei.

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erstellt am 20.Jun.2011 | 11:59 Uhr

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