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Atomkraftwerk-Rückbau durch die EWN : Von Lubmin nach Jülich

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Die Energiewerke Nord in Lubmin wollen ihre Aktivitäten im Rückbau kerntechnischer Anlagen ausweiten. Der Rechtsnachfolger zweier DDR-Kernkraftwerke bereitet in Jülich (NRW) die Gründung einer Tochterfirma vor.

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erstellt am 14.Feb.2013 | 12:02 Uhr

Lubmin | Die bundeseigenen Energiewerke Nord in Lubmin wollen ihre Aktivitäten im Rückbau kerntechnischer Anlagen ausweiten. Die EWN, Rechtsnachfolger der beiden stillgelegten DDR-Kernkraftwerke Lubmin und Rheinsberg, bereiten in Jülich (Nordrhein-Westfalen) die Gründung einer neuen Tochterfirma vor, sagte Geschäftsführer Henry Cordes gestern in Lubmin. In dem neuen Unternehmen sollen von 2014 an die nuklearen Kompetenzen der AVR Jülich - ein bereits 140 Mitarbeiter starkes Tochterunternehmen der EWN - mit den Stilllegungsbereichen des Forschungszentrums Jülich mit weiteren 220 Mitarbeitern zusammengeführt werden.

Ziel sei es, so die nukleare Sicherheitskompetenz im Westen zu bündeln. Nach dem politisch beschlossenen und von der Bevölkerung gewünschten Atomausstieg sei es naheliegend, "diejenigen den Rückbau machen zu lassen, die ein Höchstmaß an Erfahrung, Sicherheit und Zuverlässigkeit mitbringen", sagte Cordes. So wollen sich die Energiewerke um den absehbaren Rückbau des stillgelegten THTR-Kernkraftwerkes in Hamm-Uentrop bemühen und ihre Aktivitäten beim Rückbau des von einer EnBW-Tochter betriebenen AKWs Obrigheim (Baden-Württemberg) ausweiten. Seit einem Jahr zerlegen Experten der EWN dort den Reaktor. Im vergangenen Frühjahr wurden zwei Dampferzeuger aus Obrigheim zum Abbau und Dekontamination nach Lubmin gebracht. Einer wird bereits in einem Sicherheitsbereich des Zwischenlagers Nord auseinandergenommen.

Die Gründung der neuen Tochterfirma in Jülich habe keine Auswirkungen auf das Zwischenlager Nord, sagte Cordes. Linke und Grüne befürchten seit mehreren Jahren durch die Ausweitung von Drittgeschäften eine schleichende Umwandlung des Lubminer Zwischenlagers in ein Endlager. Überschattet werden die geplanten Aktivitäten von einem Rechtsstreit der Energiewerke Nord mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Die Landesregierung hatte beschlossen, dass im atomaren Zwischenlager in Lubmin "ausschließlich" Abfälle aus den ehemaligen DDR-Kernkraftwerken gelagert werden dürfen. Dafür war das vom Planungsverband Vorpommern beschlossene Raumordnungsprogramm geändert worden. Das Land will damit verhindern, dass in Lubmin weiter radioaktive Abfälle aus West-Bundesländern gelagert und zerlegt werden. "Die Verantwortung für Rückbau und sichere Entsorgung darf nicht an der eigenen Gartenpforte abgegeben werden", sagte EWN-Chef Cordes. Das Oberverwaltungsgericht Greifswald verhandelt am 19. Februar über den Rechtsstreit.

Der rund 4,2 Milliarden Euro teure Rückbau der 1990 abgeschalteten Kernkraftwerke Lubmin und Rheinsberg ist weit fortgeschritten. Bislang sind in den beiden früheren DDR-Kernkraftwerken 78 Prozent der kontaminierten und 95 Prozent der kerntechnischen Nebenanlagen zurückgebaut. Am 26. Februar wird der letzte von einst 30 Dampferzeugern im Kernkraftwerk Lubmin ausgebaut.

Mit Blick auf die geplanten Rückbauaktivitäten in anderen Bundesländern sind die EWN dabei, den Personalbestand mit derzeit 870 Mitarbeitern zu verjüngen. 14 Azubis begannen im Herbst 2012 eine Ausbildung. Für drei Abiturienten zahlen die EWN ein duales Hochschulstudium im Bereich Strahlenschutz.

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