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Festspiele MV : Von Hülsens ergreifende Abschiedsgala

vom

Das traditionelle Krebsessen zog in diesem Jahr wieder 500 Gäste auf das Schloss Ulrichshusen. Der Schlussakkord unter die Festspielsaison war auch das Ende der Ära des Gründungsintendanten Matthias von Hülsen.

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erstellt am 01.Sep.2013 | 06:55 Uhr

Ulrichshusen | "Hier entsteht nun ein neues Ensemble, das wir ab sofort The Academy of St. Malzahn in the Fields nennen wollen." Daniel Hope hatte die Lacher in der Ulrichshusener Festspielscheune mit der Anspielung auf den Gastgeber, Helmut von Maltzahn, auf seiner Seite: Der Künstlerische Direktor hatte nach Schuberts "Forellenquintett" für die Konzertzugabe noch einmal Matthias Schorn auf der Bühne begrüßt. Und tatsächlich, nicht nur der Beifall hernach konnte es locker mit den Namensvettern des berühmten britischen Ensembles aus St. Martin aufnehmen: Entpuppte sich doch Bratscher Paul Neubauer als ein ebenso spielfreudiger wie augenzwinkernder Roma-Musikvirtuose, der mit seiner Viola swingend durch die Reihen der mehr als 500 Gäste des traditionellen Krebsessens zog.

Dass der US-Amerikaner just vor Britta Sellering innehielt und ihr ein Ständchen "fiedelte", ließ die Ministerpräsidenten-Gattin schmunzeln - ihr "Lieblingsstück" war indes die Suite im alten Stil Moritz Moszowskis: Der längst vergessene schlesische Komponist zeigte sich hier als ein Meister der Salonmusik - und die jungen Musiker Benjamin Beilman (Violine) und Juho Pohjonen (Klavier) als Meister der rhythmischen Wechsel. "Was soll aus denen noch werden, wenn die schon in jungen Jahren so gut spielen", begeisterte sich Britta Sellering. Nun, vielleicht zwei weitere jener internationalen Karrieren, die in den letzten 23 Jahren so häufig ihren Anfang bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern (FMV) genommen haben. Denn darin waren sich die Gäste beim anschließenden Gaumen-Schmaus mit 400 Kilogramm Krebsen und jeweils 500 Steaks und Würstchen einig: Diese Nachwuchskünstler, die hier Jahr für Jahr entdeckt und viele durch Wiedereinladungen an das Festival gebunden werden, bilden den besonderen Schatz des Klassiksommers.

Einst von Gründungsintendant Matthias von Hülsen aus finanzieller Not geboren, ist diese Idee längst zur tragenden Festspiel-Säule geworden und hat die Musiker "eine ganz besondere Bindung an das Land entwickeln" lassen, wie HSH Nordbank-Aufsichtsratschef Thomas Mirow konstatierte: "Matthias von Hülsen ist es gelungen, eine internationale Musikszene in ein Land zu holen, das den allermeisten vorher unbekannt war und ohne ihn auch unbekannt geblieben wäre." Anerkennung, der sich wohl alle der prominenten Besucher aus Politik - unter ihnen Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider sowie die Minister Heike Polzin und Lorenz Caffier -, Wirtschaft und Gesellschaft anschlossen. Ex-Tagesschausprecher und FMV-Stammgast Wilhelm Wieben stellte in Bezug auf den scheidenden Intendanten fest: "Es ist unglaublich, was Matthias von Hülsen hier ins Rollen gebracht hat. So viel, dass man ihm die Ehrenbürgerwürde von Mecklenburg-Vorpommern anbieten sollte."

Der Vielgelobte hielt sich indes wie immer uneitel zurück, dankte vielmehr den Sponsoren, Förderern, Stiftern und vor allem seinem Team: "An Hingabe sind sie alle nicht zu überbieten!" Und er lenkte sodann die Aufmerksamkeit auf die eigentlichen Hauptpersonen: "Durch unsere Künstler haben wir uns zum Ereignis von Weltniveau gemausert." Da zollte auch der Ministerpräsident dem Festivalgründer Respekt: Großartig sei, was dieser "Treiber und Ideengeber" geleistet und wie der ehemalige Kinderarzt es geschafft habe, dass praktisch "das ganze Festival auf privatem Engagement beruht", sagte Erwin Sellering. Was die Ehrenbürgerwürde angeht, schwieg er indes. Vorerst.

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