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Renate Blume über ihre Rolle in "Der Besuch der alten Dame" : Von Gier und Glücksmomenten

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Ein starkes Stück hat sich Regisseur Jürgen Kern da ausgesucht für die diesjährige "Klassik am Meer"-Theaterreihe in der Kirche Koserow auf der Insel Usedom, und dazu eine starke Hauptdarstellerin.

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erstellt am 15.Jul.2011 | 07:59 Uhr

Koserow | Nur eine Bedingung stellt die Milliardärin Claire Zachanassian für den unermesslichen Reichtum, den sie ihrer Heimatstadt, in die sie nach Jahrzehnten zurückkehrt, verspricht: Der honorige Bürger Alfred Ill, der sie einst verführt, entehrt und dann verleugnet hat, muss sterben. Ein starkes Stück hat sich Regisseur Jürgen Kern da ausgesucht für die diesjährige "Klassik am Meer"-Theaterreihe in der Kirche Koserow auf der Insel Usedom, und dazu eine starke Hauptdarstellerin: Die Titelrolle in Friedrich Dürrenmatts Stück "Der Besuch der alten Dame" spielt Renate Blume - bekannt aus unzähligen Film- und TV-Rollen. Mit der Schauspielerin sprach Susanne Schulz.

Sie gehören zu jenen Schauspielerinnen, die nie ihre jugendliche Ausstrahlung verlieren...

Warten Sie`s ab! Wenn Sie mich in Koserow sehen, werden Sie erleben, dass auch ich älter geworden bin!

Als Claire Zachanassian in "Der Besuch der alten Dame", einem Stück, das auch am Anfang Ihrer Karriere stand, damals spielten Sie die Tochter des attackierten Alfred Ill. Schließt sich da nun ein Kreis?

Damals wurde die "alte Dame" gespielt von Antonia Dietrich, einer von mir sehr verehrten Schauspielerin, und Rolf Hoppe spielte den Alfred Ill. Als mich jetzt Jürgen Kern anrief und fragte, ob ich mir vorstellen könne, dieses Stück zu spielen, habe ich keine Sekunde gezögert. Obwohl ich mir eigentlich vorgenommen habe, weniger zu arbeiten, ich bin immerhin 67 - dieses Stück musste ich noch spielen!

Wie ergeht es Ihnen mit der Zwiespältigkeit Ihrer Figur: einerseits dem verständlichen Wunsch, sich für erlittenes Unrecht zu rächen, andererseits der Gnadenlosigkeit ihrer unmoralischen Forderung an die Stadt?

Ich liebe diese Rolle, aber ich liebe nicht diese Figur. Sie ist eine richtige Terroristin, wie sie da den Ort plattmacht und alles aufkauft. So richtig begriffen habe ich das erst während der Arbeit. Anfangs war sie für mich eine verletzte liebende Frau, die zurückschlägt.

Nun aber reizt sie aus, was Menschen für Geld zu tun bereit sind: letztlich einen der ihren zu opfern.

Genau. Diese Gier gibt ihr Recht. Die Leute sind käuflich, dabei kann man Gerechtigkeit nicht kaufen. Claire gilt als eine moderne Medea, aber verstehen kann ich sie nicht. Sie ist eine böse Frau. Und das sage ich hier über meine geliebte Rolle!

War Ihnen bewusst, in welch ungewöhnlicher Umgebung in der Koserower Kirche dieses Stück aufgeführt wird?

Ich kannte diesen Ort, vor zwei, drei Jahren habe ich hier mal "Wilhelm Tell" gesehen und wusste auch, dass mein Kollege Jürgen Zartmann unter anderem schon den "Faust" in Koserow gespielt hat. Mir war also klar, worauf ich mich einlasse. Dafür sprach neben der großartigen Rolle und dem Vertrauen zu Jürgen Kern übrigens auch, dass Wolfgang Winkler als Alfred Ill dabei ist. Auch ihn kenne ich schon viele Jahre, wir haben in "Polizeiruf"-Folgen ein paar Mal Ehepaare gespielt. So trifft man sich immer mal wieder und verfolgt ein bisschen, was der andere tut.

Sie waren in der DDR vor allem durch Film und Fernsehen bekannt, haben nach 1990 mehr Theater gespielt. Welchen Stellenwert hat beides für Sie?

Ich kann mir mein Leben nicht vorstellen, ohne Theater zu spielen. Auch wenn ich viel gedreht habe oder scheinbar verschwunden war, habe ich immer Theater gespielt.

Welche Rollen sind Ihnen wichtig?

Das ist vor allem Linda, die Ehefrau in "Tod eines Handlungsreisenden". Die könnte ich noch fünf Jahre spielen und fühle mich nicht zu alt. Sie hat solche Größe, solches Format: zu wissen, dass ihr Mann sich umbringen und es nach einem Unfall aussehen lassen will, damit seine Familie nicht die Versicherungssumme verliert... Dieses Stück wirkt, als wäre es heute geschrieben.

Wirken solche Rollen auch da rauf zurück, wie man das eigene Leben angeht?

Man lernt aus jeder Rolle. So wie die "alte Dame" zum Beispiel möchte ich nicht sein. Aber Lindas Größe hätte ich gern.

Vor Jahren war zu hören von einer Vereinbarung mit Tom Hanks, der einen Film über Ihren zweiten Ehemann Dean Reed machen wollte. Sind diese Pläne im Sande verlaufen?

Tom Hanks hat sich irgendwann zurückgezogen, das interessierte Studio sei mit anderen Themen befasst. Das hat mir nicht viel ausgemacht. Derzeit höre ich Gerüchte über einen neuen Anlauf. Mit mir hat allerdings niemand Kontakt aufgenommen. Ich nehme es, wie es kommt, nehme diese Gerüchte aber nicht sehr ernst.


Die nächsten Vorstellungen: 27. und 29. 7. 2011,

Koserow, Evangelische Kirche, 19.30 Uhr

Karten für die Vorstellungen in Koserow auf der Insel Usedom bei der Koserower Kurverwaltung

(Tel. 038375-20415)

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