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Unser Model für Europa : Von der Fett-weg-Show zu Kim Basinger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Franz Nowitzki stand schon mit Kim Basinger und Tom Cruise vor der Kamera – der Rentner macht europaweit als Senioren-Model Werbung

svz.de von
erstellt am 20.Mai.2016 | 12:00 Uhr

„Fotos von mir und den Promis brauche ich nicht“, sagt der 65-Jährige. Das wäre Quatsch. „Ich habe keinen Bock auf so ein Gehabe – das sind schließlich auch nur Menschen“, meint der Rentner und zieht an seiner Zigarette. Lässig sitzt Franz Nowitzki an seinem Küchentisch in Tramm bei Crivitz. Erzählt von seinen Drehs und Fotoaufnahmen. Von Begegnungen mit Natalia Wörner, Katharina Thalbach, Kim Basinger, und Tom Cruise. Der Mann, der ein bisschen an Dieter Hallervorden erinnert, ist Senioren-Model. Einer von 64 in MV.

2005 fing alles an: Der gebürtige Hamburger nahm an einer „Fett-weg-Show“ von Bingo teil. „Ich ging in Schwerin zum Casting und wurde sofort genommen“, erinnert sich Franz. Damals wog er noch 100 Kilo. „Heute 80“, fügt er stolz hinzu. Dann ging alles ganz schnell. Franz bekam jede Menge Aufträge. „Toll war auf jeden Fall die Reifenwerbung für Euromaster“, schwärmt der frühere Bauleiter. Für die europaweite Plakatwerbung stand er 2013 im Fotostudio. „Meine Enkelin hat dann ein Plakat auf einer Toilette an einer Autobahnraststätte gesehen und mir ganz aufgeregt davon erzählt“, erinnert sich Franz lächelnd.

Er stützt seinen Kopf auf einer Hand ab. Sein Blick wandert zu einer braunen Schrankwand. Der dreifache Vater zeigt auf eine Bierflasche, die sich in einem Fach des Schrankes versteckt. „Die habe ich nach dem Dreh im vergangenen Jahr bekommen“, erzählt Franz. Sie ist ein Souvenir der Sat1-Serie „Mein dunkles Geheimnis“. Franz spielte in der Folge „Bier ist nicht gleich Bier“ mit. Bekam für zwei Drehtage 400 Euro. Aber auch für RTL und das ZDF stand Franz bereits vor der Kamera. „Für eine Komparsenrolle bei Soko Wismar bekomme ich zwischen 60 und 80 Euro“, berichtet der Rentner. Aber wegen des Geldes, macht er es nicht. „Was soll ich zu Hause? Der Gartentyp bin ich nicht – wirklich nicht.“ Er brauche Bewegung, Trubel und Menschen um sich herum.

In der Kartei der Modelagentur „starboxx“ ist Franz seit 2013 zu finden. Der 65-Jährige ist eines von 85  000 Models der Agentur in 120 deutschen Städten. In MV führt das Unternehmen 1800 Models und Schauspieler. „Senioren-Models sind aber eher die Ausnahme“, verrät Oliver Moritz, Casting-Director von „starboxx“. Gerade in MV würden nur wenige Produktionen stattfinden. Daher hat die Agentur lediglich 64 MV-Models, die älter als 60 Jahre sind, 24 Frauen und 40 Männer in der Kartei. In Brandenburg sehe die Sache ein wenig anders aus. „Hier modeln 3300 Personen für uns, davon sind 130 älter als 60 Jahre, 54 Frauen und 76 Männer“, so Moritz.

Und auch Franz hat bereits in Potsdam gedreht. „Ich stand für den Stauffenberg-Film mit Tom Cruise vor der Kamera“, erzählt er. In einem alten Bunker hätten sie die Aufnahmen gemacht. Der Rentner hat einen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg gespielt. „Die Orden waren so schwer, ich bin fast vorne übergekippt“, witzelt Franz. Seine Rolle war klein. Er saß an einem Tisch mit anderen Soldaten. War zunächst gut im Bild. „Ich habe mich schon gefreut – doch dann wurde es so zusammengeschnitten, dass man nur noch meine Schuhe sieht“, erklärt der Schauspieler. Doch das sei nicht schlimm. Die Erfahrung und der Spaß stehen für Franz im Mittelpunkt.

Seine Frau, seine drei Kinder und seine Freunde würden sich für ihn freuen. „Meine Frau Kathrin sieht das locker – für sie wäre es nichts. Ich brauche diese Beschäftigung aber“, erzählt Franz und streichelt seinen Hund Ben, der ihm keinen Meter von der Seite weicht. Nur eins wäre gar nichts für ihn: „Mode auf einem Laufsteg zu präsentieren“, sagt Franz und fängt an zu lachen. „Aber man weiß ja nie“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Nur ein einziges Mal hätte er doch gerne einen Fotoapparat dabeigehabt. „Ich wurde angerufen, ob ich einen Job übernehmen möchte. Ich müsse sofort bereit sein“, erzählt Franz. Er fuhr zum vereinbarten Treffpunkt, eine Autobahnraststätte. „Ich wartete fast zwei Stunden, wollte schon wieder abhauen.“ Doch dann fuhren mehrere Wagen vor. Aus einem stieg Kim Basinger. Aus einem anderen Jordan Prentice. Sie drehten Szenen des Films „Um jeden Preis“. Franz spielte eine kurze Szene. Einen Trucker. „Kim Basinger bedankte sich danach bei mir. Schade – von ihr hätte ich tatsächlich gerne ein Foto gemacht“, ärgert sich Franz. Zieht ein letztes Mal an seiner Zigarette und drückt sie aus.

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