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Kriminalität MV : Von der Asphalt-Mafia geteert und getäuscht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Wir würden gerne ihre Einfahrt asphaltieren“ – wer dieses Angebot annimmt, hat anschließend jede Menge Ärger

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Die bevorzugten Opfer der sogenannten Asphalt-Mafia sind Eigenheimbesitzer oder Firmeninhaber, deren Grundstücke über einen Hof oder eine Auffahrt verfügen. Die Abzocke mit der vermeintlich kostengünstigen Sanierung läuft häufig nach dem gleichen Muster ab: Eine Arbeitskolonne taucht auf und stellt sich als Bautrupp einer großen ausländischen Straßenbaufirma vor, die in der Nähe einen größeren Auftrag abgeschlossen habe. Und rein zufällig haben die netten Bauleute noch etwas Asphalt übrig, der sich hervorragend als neue Deckschicht für die Auffahrt eignet.

Die vermeintlichen Asphalteure locken ihre Opfer mit extrem niedrigen Preisen. Und der Einsatz nach Feierabend lasse sich auch völlig unkompliziert ohne Rechnung abwickeln. Die Polizei warnt immer wieder davor, sich auf Geschäfte mit den vermeintlichen Bautrupps einzulassen. Das Schnäppchenangebot entpuppe sich nicht selten als Reinfall.

Die falschen Straßenbauer verbauen in der Regel minderwertiges Material zu überhöhten Preisen und liefern mangelhafte Arbeit ab. So sind Fälle bekannt, bei denen die Asphalt-Kolonnen mehrere tausend Euro kassierten und anschließend ein Material auftrugen, das nur wenige hundert Euro wert war. Eine offenbar beliebte Flickschusterei: Die Gauner verteilen Split und spritzen darauf etwas Bitumen und fahren dann mit einer Walze darüber. „Das ist alles Murks, was die machen. Das hält nie und nimmer und bröselt ganz schnell wieder“, wurde der Chef eines bekannten Straßenbauunternehmens nach Vorfällen in Brandenburg zitiert. Dort hatten sich die Gauner sogar Warnwesten der Firma übergestreift , um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.

Betroffene berichten auffallend häufig, dass die vermeintlichen Teer-Profis aus England oder Irland stammten. Für die Polizei sind auch diese reisenden Gauner nur schwer zu fassen, weil sie sehr mobil sind und durch die gesamte Republik rollen. Sie tauchten bislang mehrfach in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf, aber auch in Nordrhein-Westfalen. Auch im Bereich Ludwigslust boten die Kriminellen bereits ihre Dienste an.

Polizei und echte Handwerker können auch von den Asphalt-Geschäften nur abraten. Kein seriöses Straßenbauunternehmen würde einen Bautrupp auf gut Glück losschicken und an Haustüren klingeln lassen. Auch dann nicht, wenn die Kolonne noch ein bisschen Asphalt übrig hat.

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