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Mecklenburg-Vorpommern

21. Oktober 2017 | 16:14 Uhr

Blücher : Von Blücher in die Welt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die Politologin Claudia Vollmer aus Blücher arbeitet für die OSZE in Albanien

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2017 | 07:00 Uhr

Claudia Vollmer ist schon viel herum gekommen in der Welt. Als Aupair in Amerika, lange Jahre als Wahlbeobachterin für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und nun arbeitet sie seit vier Jahren in Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Trotzdem sagt sie von ihrem Haus in Blücher, direkt hinter dem Deich: „Das hier ist für mich der schönste Ort auf der ganzen Welt.“

Eigentlich kommt die 53-Jährige aus Nordfriesland, lebte dann lange in Hamburg, wenn sie in Deutschland war. „Aber dann wollte ich unbedingt aufs Land.“ Über 30 Objekte sah sie sich an, bis sie vor elf Jahren das Haus am Deich in Blücher fand und hierher zog. „Leider bin ich im Moment viel zu selten hier“, bedauerte die studierte Politikwissenschaftlerin, „immer in meinen Ferien und wenn ich frei habe.“ Doch in ungefähr einem Jahr will sie ihre Arbeit in Tirana beenden und wieder hauptsächlich in Deutschland leben. „Als ich als Wahlbeobachterin für die OSZE gearbeitet habe, konnte ich immer den ganzen Sommer in Blücher verbringen, das war schön.“ Während dieser Zeit habe sie zwar Länder wie Kasachstan und Usbekistan innerhalb von drei Monaten sehr intensiv kennen gelernt, aber letzten Endes sei ihr Wissen über das jeweilige Leben dort an der Oberfläche geblieben. Sie wollte aber ein Land bei seiner Entwicklung begleiten und bewarb sich deshalb für den Job in Tirana.

Hier leitete Voller, die gerade ihre Dissertation veröffentlicht hat , ein Team von zwölf Mitarbeitern an. „Unsere Arbeitsbereiche sind Medien, Wahlen, Transparenz der parlamentarischen Arbeit, Zivilgesellschaft, Aufarbeitung der Vergangenheit und Frauen“, erläutert Claudia Vollmer. Sie organisiere beispielsweise Projekte für den Austausch von Parlamentariern mit den albanischen Bürgern. „Es geht um einen zivilgesellschaftlichen Dialog, darum, dass die Bürger z. B. in Gesetzesentwürfe eingebunden werden.“

Die Aufarbeitung der Vergangenheit sei ein besonders wichtiges Thema. In Albanien herrschte bis zum Ende des Kalten Krieges eine sozialistische Diktatur. „Das Land war so isoliert wie kein anderer sozialistischer Staat“, so Vollmer. Der berüchtigte Diktator Enver Hoxha, der das Land mit heute rund drei Millionen Einwohnern von 1944 bis 1985 leitete, brach 1968 den Kontakt zur Sowjetunion und 1978 den zu China ab. Viele Menschen seien an der schon durch die unzugänglichen Bergregionen schwer überwindbaren Grenze bei Fluchtversuchen erschossen worden, 6  000 seien verschwunden. Eine spezielle Erfindung waren Hoxhas Internierungsdörfer. Diese wurden in abgelegenen Gegenden wie den Sümpfen der Küstenebene oder in Hochgebirgstälern angelegt. In einer Art von Sippenhaft wurden dorthin Familien von Personen deportiert, die sich angeblicher politischer Vergehen schuldig gemacht hatten.

„Diese Vergangenheit wurde lange totgeschwiegen“, erzählt Claudia Vollmer. Aber das Wissen darum sei gerade für die Jüngeren wichtig, damit die Vergangenheit nicht von bestimmten Leuten instrumentalisiert werden könne. Ihr Team suche nach Einzelprojekten, die es überall gebe, und mache sie öffentlich. Dazu gehörte auch der Film von Fabian Kati, der am vergangenen Freitag im Boizenburger Kino gezeigt wurde.

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