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Wörterbuch der Jugendsprache 2012 : Von „Achselfahrrad“ bis „Zehentanga“

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Im neu erschienenen „Pons-Wörterbuch der Jugendsprache 2012" wurden ein Jahr lang 1500 Begriffe von Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesammelt. Sie zeigen, wie Schüler die deutsche Sprache „pimpen".

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erstellt am 09.Nov.2011 | 11:07 Uhr

Stuttgart | Was passiert, wenn ein "Östrogen-Weiher" fitniert und anschließend aufgebitcht im Fummelbunker abstampft? Wer nicht versteht, dass von einer hübschen Frau die Rede ist, die im Fitness-Studio trainiert und danach aufgemotzt in der Diskothek tanzt, ist sicher über 18 Jahre alt - und damit aus Sicht von Jugendlichen ein "friedhofsblonder Komposti", also ein grauhaariger älterer Mensch, der zum "Krampfadergeschwader" gehört und die "Rentner-Bravo" (Apotheken Umschau) liest.

Im neu erschienenen "Pons-Wörterbuch der Jugendsprache 2012" wurden ein Jahr lang 1500 Begriffe von Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesammelt. Sie zeigen, wie Schüler die deutsche Sprache "pimpen" - von A wie "Achselfahrrad" (Deo-Roller) bis Z wie "Zehentanga" (Flip-Flops).

Jugendsprache kann sehr kreativ sein und besteht nicht nur aus "Kiezdeutsch" - Wörtern, die aus dem Türkischen oder anderen Sprachen übernommen wurden, wie der türkische Ausdruck "Lan" für Kumpel. Es gibt in dem Wörterbuch viele Begriffe, die Erwachsene zum Schmunzeln bringen: etwa die Bezeichnung "Freizeitphilosophen treff" für das Arbeitsamt, "Entenparka" für Gänsehaut, oder "Herrenhandtasche" für ein Sixpack Bier. Die meisten der gesammelten Begriffe haben mit den Themen Aussehen, Essen, Schule und Freizeit zu tun, kurz: mit der unmittelbaren Lebenswelt der Jugendlichen.

Eine "Checkerbraut", gemeint ist eine intelligente Frau, achtet darauf, dass ihre Hose nicht unterhalb der Hüfte hängt, damit ihr "Bauarbeiterdekolleté" nicht zu sehen ist. Ein Vegetarier ist ein "Blümchenkiller", der wohl eher "Gartensalami" (Gurke) statt "Kalbfleischknoppers" (Döner), isst. Wer einen "Business-Döner" ohne Knoblauch und Zwiebeln verzehrt, hat gute Chancen, keine Blähungen zu bekommen und später nicht "herumzudönern" oder "Analhusten" zu haben.

Manche der Begriffe, die in dem Wörterbuch gesammelt wurden, werden vor allem regional benutzt. In Österreich heißt "Bleib cremig, Alter": Beruhige dich. In der Schweiz dagegen meint "Des isch Creme": Das ist bestens. Andere Wörter wie "abchecken" oder "abgehen" werden dagegen wohl im ganzen deutschsprachigen Raum benutzt. Wer nun als Erwachsener mit Hilfe eines Nachschlagewerks die Jugendsprache lernt, um bei der jungen Generation gut anzukommen, der liegt falsch: Bei den Teenagern gilt er eher als ein "AGB-Leser", ein Streber, und "Teletubbi-Zurückwinker", also als naive Person. Denn Schüler wollen nicht, dass "Hirnpimper" (Lehrer) oder andere "Millimeterficker" (Schlaumeier) versuchen, ihre Sprache zu sprechen.

Mit der eigenen, oft ziemlich derben Ausdrucksweise will sich die junge Generation bewusst von der Erwachsenenwelt abgrenzen. Außerdem würden über 20-Jährige mit dem Lernen kaum hinterherkommen. Denn Begriffe wie "chillen" (entspannen), "labern", "krass" und "geil" haben nur eine kurze Haltbarkeitsdauer und sind schon längst wieder out.

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