Zappanale in Bad Doberan : Vom Traktoranhänger zum Kultfest

Der Veranstalter und Gründer der Zappanale, Wolfhard Kutz,  neben dem Denkmal für den US-amerikanischen Rockmusiker Frank Zappa. Zur 25. Auflage  des Festivals werden vom 17. bis 20. Juli mehr als 1200 Musikfans und zahlreiche internationale Künstler erwartet.
Der Veranstalter und Gründer der Zappanale, Wolfhard Kutz, neben dem Denkmal für den US-amerikanischen Rockmusiker Frank Zappa. Zur 25. Auflage des Festivals werden vom 17. bis 20. Juli mehr als 1200 Musikfans und zahlreiche internationale Künstler erwartet.

Festival ist das weltweit größte zu Ehren von Frank Zappa / Freitag beginnt die 25. Ausgabe / Gründer ist der Kühlungsborner Wolfhard Kutz

svz.de von
16. Juli 2014, 07:59 Uhr

Mit 17 Jahren hielt der Kühlungsborner Wolfhard Kutz seine erste Schallplatte von Frank Zappa in den Händen. Die Begeisterung für das unangepasste Rock-Genie und dessen Musik hält bis heute – 41 Jahre später – unvermindert an.

Das Arbeitszimmer des Gründers des Musikfestivals Zappanale in Bad Doberan sieht aus wie ein Museum, der Schrank quillt vor Platten und raren Sammlerstücken über.

Zappa (1940 bis 1993) galt als großer Erneuerer der Rockmusik. Doch seine anarchisch-rüden Texte kamen im prüden Amerika nicht gut an, in der DDR landeten sie auf dem Index. Als Teenager Kutz Anfang der 1970er-Jahre zum ersten Mal die Platte „Burnt Weeny Sandwich“ hörte, erkannte er, dass mehr hinter dieser ungewöhnlichen Musik steckt. „Zappa war jemand, der auf intelligente Weise gegen den Staat rebelliert hat.“ Darin sah Kutz einen Berührungspunkt. „Er hat seine Kritik so geäußert, dass er nicht in den Knast musste, das habe ich auch so gemacht.“

Über Kontakte und riskante Schmuggeltouren nach Polen und in die Tschechoslowakei kam Kutz an immer mehr Zappa-Platten und wurde zum Trendsetter in der heimatlichen DDR-Provinz. Doch seine Umtriebe blieben nicht unbemerkt: „Später konnte ich das in meiner Stasi-Akte lesen.“ Bis zu 24 informelle Mitarbeiter waren auf ihn angesetzt.1990 gleich nach dem Mauerfall organisierte er mit Freunden eine erste Zappa-Party, als Bühne diente ein Traktoranhänger. Nur wenige Besucher kamen zur Zappanale, dafür waren sie leidenschaftlich. „Es war nicht geplant, daraus ein großes Festival zu machen – aber es hat sich aus Spaß weiterentwickelt“, resümiert Kutz. An diesem Freitag beginnt die 25. Ausgabe der Zappanale auf der Galopprennbahn.

Das Festival hat auch positive Auswirkungen auf den Tourismus der Kleinstadt, die sich sonst nur mit dem Seebad Heiligendamm international in den Schlagzeilen findet. Schnell entwickelte sich die Zappanale zum Kulttreff, Bands aus dem Ausland wurden aufmerksam. Schon im ersten Jahr spielte die Gruppe Muffin Man aus England. Diese wird, ebenso wie die Band Ace 9, die einst die erste Zappanale auf dem Traktoranhänger eröffnete, am kommenden Wochenende spielen. Der Kontakt zu Bands und Fans ist geblieben, sagt Kutz. Die Zappanale lebt von der familiären Atmosphäre. Die Besucher dürfen mitentscheiden, welche Bands auf ihrem Festival auftreten, Kutz führt jedes Jahr ein Voting durch.

Ansonsten hat der Chef eines IT-Unternehmens mit 130 Mitarbeitern die Planung fest im Griff. „Sonst versinkt man im Chaos“, lacht Kutz. Er nennt die Zappanale sein Hobby, er und seine Mitstreiter vom Verein Arf Society organisieren das Festival ohne Gewinnstreben. „Man muss aufpassen, dass man sich nicht selbst belügt – etwas mehr als ein Hobby ist es schon“, bekennt er.

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