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AfD-Kandidat Leif-Erik Holm : Vom Radio-Studio auf die Landtagsbühne

vom
Aus der Onlineredaktion

Spitzenmann Holm präsentiert die AfD gern als Familienpartei. Doch immer wieder schlägt er auch nationalistische Töne an.

von
erstellt am 05.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Reden kann Leif-Erik Holm. Am Sonntagabend auf der AfD-Wahlparty am Schweriner See verkündete er, mit dem zweiten Platz in Mecklenburg-Vorpommern sei „der Anfang vom Ende von Merkels Kanzlerschaft“ eingeläutet. 23 Jahre lang hat der Spitzenkandidat bei privaten Radiosendern moderiert, die Hörer mit flotten Sprüchen durch den Morgen oder ins Wochenende begleitet. „Achtung, Achtung, in Ihrem Radio befindet sich ein Holm“, war sein Erkennungsmerkmal. Dieser Holm zieht nun in den Schweriner Landtag ein und wird andere Töne anschlagen. Als designierter Chef der größten Oppositionsfraktion wird er über Flüchtlingspolitik, Kita-Gebühren, Wirtschaftsförderung oder die Personalstärke der Polizei reden.

Holm macht allerdings kein Hehl daraus, dass es nicht landespolitische Themen waren, die der AfD die Wähler in die Arme getrieben haben. An den Straßenständen ging es um die „massenhafte Zuwanderung“ und um die EU, an die Deutschland angeblich seine Souveränität opfert, um die „viel zu teure“ Euro-Rettung und um die „Lügenpresse“, die über all diese Dinge angeblich schlecht berichtet. Die AfD sieht Holm als neue CSU, nur „konsequenter und patriotischer“. Kanzlerin Merkel habe die CDU soweit nach links geführt, dass der Platz in der politischen Landschaft frei geworden sei.

Der 46-jährige AfD-Politiker versteht es hervorragend, im kleinen Kreis kritische Nachfragen, wie populistisch und wie nah am äußerst rechten Rand die AfD sei, mit fast blauäugig wirkender Offenheit freundlich abzubügeln. Ins rechtsextreme und fremdenfeindliche tendierende Äußerungen einiger Parteifreunde tut er ab als gelegentlichen „falschen Zungenschlag“. Die junge Partei müsse sich noch finden, das könne mindestens fünf Jahre dauern. Auch will er nicht jedes Wort vermeiden, „nur weil es auch einmal von der NPD benutzt wurde“.

Bei seinen Wahlkampfreden schlug er selbst auch weniger sanfte Töne an. Er unterstellte, Deutschland werde zum Kalifat, wenn noch mehr Muslime zuwandern. Den Bundestag diskreditierte er als Swinger-Club.

Holm betont, er sei ein „Ur-Mecklenburger“. Er wuchs in Klein Trebbow bei Schwerin auf und ging in Lübstorf zur Schule. Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989 steckte er in der Ausbildung zum Elektromonteur. Die neuen Freiheiten, die sich in der Übergangszeit boten, begeisterten ihn. Als Seiteneinsteiger, erst beim Vorläufer des NDR, danach beim Privatradio Antenne MV, konnte er diese Freiheit ausleben. „Egal ob steil oder flach, jedes Haus braucht ein Dach“, war einer der Werbetrailer, die Holm anfangs einsprechen durfte. Seine Autogrammkarten gibt es immer noch bei Ebay für 1,49 Euro. Politisch sei er aber nicht gewesen, berichten ehemalige Kollegen. Eher zurückhaltend bis berechnend.

Im Wahlkampf konnte Holm all jene bedienen, die sich in der DDR – obwohl sie das SED-Regime vielleicht ablehnten – trotz aller Widrigkeiten wohl gefühlt haben, und sich in der Bundesrepublik missverstanden und zurückgesetzt sehen. Voll des Lobes ist Holm für den Ehekredit der DDR, die aus seiner Sicht hervorragende polytechnische Ausbildung oder die kostenlosen Kindergärten.

Geschickt versucht Holm den Drang nach Freiheit, der 1989 in der DDR hervorbrach, 27 Jahre später allein für die AfD zu vereinnahmen, und die politischen Verhältnisse in der heutigen Bundesrepublik quasi mit denen am Ende der SED-Diktatur gleichzusetzen. „Wir bleiben hier. Wir haben die Freiheit mit der Muttermilch aufgesogen“, waren Standardfloskeln seiner Wahlkampfreden.

Parallel zu seinem Radio-Job studierte Holm in den 1990er-Jahren Volkswirtschaft. Dieses Fachwissen bewog ihn, die umstrittene Euro-Rettung kritisch zu sehen und seit 2012 in die Politik zu wechseln. 2013 kandidierte er für die AfD für den Bundestag. Danach war er im Berliner Büro der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch tätig.

Holm ist verheiratet und hat einen dreijährigen Sohn. Als Hobbys nennt er Fußball und deutsche Geschichte. Deutschlands Historie bestehe nicht allein aus zwölf katastrophalen Jahren Nazi-Herrschaft, betont er. Seine Wohnung in Berlin will er schon bald zugunsten eines neuen Heimes in Mecklenburg-Vorpommern aufgeben.



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