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Waschbären vermehren sich rasant in MV : Vom putzigen Bärchen zum Plagegeist

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Volker Koch traute seinen Augen nicht: Direkt vor ihm im Apfelbaum auf einem Grundstück in der Müritz-Region hatten es sich gleich fünf Waschbären gemütlich gemacht

und ließen sich die Früchte schmecken.

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erstellt am 28.Okt.2012 | 08:24 Uhr

Waren | Volker Koch traute seinen Augen nicht: Direkt vor ihm im Apfelbaum auf einem Grundstück in der Müritz-Region hatten es sich gleich fünf Waschbären gemütlich gemacht. Sie ließen sich die vollreifen Früchte schmecken, erzählt er. Nur ärgerlich für den Chef des Kreisjagdverbandes Müritz, dass er keinen Fotoapparat dabei hat. Ein Bild wäre der endgültige Beweis für etwas, das er schon seit Langem beklagt: Die Tiere breiten sich in der Region rasant aus und machen auf der Suche nach Fressbarem vor nichts Halt. Wenig später, berichtet er, wandten sich Anwohner aus Torgelow am See hilfesuchend an ihn: Eine ganze Waschbärenfamilie machte sich laut schmatzend über ihre Süßkirchen her. Doch Volker Koch konnte nichts tun. Denn die Jagd auf umfriedeten Grundstücken ist grundsätzlich verboten. Auch den Eigentümern selbst ist untersagt, den Waschbären dort nachzustellen.

Für Rainer Pirzkall, Niederwildexperte des Landesjagdverbandes, ist das ein Problem. Denn weil die Jagd nur im Wald und auf freiem Feld erlaubt ist, haben sich die Kleinbären stark vermehrt. Wurden 2008 lediglich 250 Tiere erlegt oder tot aufgefunden, so waren es im vergangenen Jahr bereits rund 1000 - das Gros davon im Bereich der Mecklenburger Seenplatte.

Ein Grund könnte sein: Eine vom Landwirtschaftsministerium erlassene Verordnung verbietet es seit zwei Jahren auch im Müritz-Nationalpark, Waschbären zu jagen. Deshalb hat sich der Kreisjagdverbandschef Koch jetzt hilfesuchend an Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gewandt, um die Verordnung kippen zu lassen - auch mit Hinweis darauf, dass Waschbären inzwischen auch Niederwild wie Hasen, Rebhühner und Fasane in ihrem Fortbestand gefährden und selbst Frösche und Lurche attackieren. Die Verwalter des Nationalparks schließen sich dagegen Kochs Hilferuf nicht an. "Wir schießen auf keine Tiere", sagt der für Artenschutz zuständige Mitarbeiter, Volker Spicher.

Das Schweriner Landwirtschaftsministerium prüft derzeit die Waschbärensituation, heißt es. Eine Entscheidung über den künftigen Umgang mit den Tieren falle möglicherweise noch in diesem Jahr. Im Landesjagdverband fiebert man dieser Entscheidung entgegen.

Der Waschbär ist ursprünglich in Deutschland nicht zu Hause. Er kam vor rund 80 Jahren aus Nordamerika. "Ihn wieder auszurotten, ist absolut kein Thema", sagt Koch. "Aber wie bei allen Tierarten haben wir die Aufgabe, die Population in verträglichen Größen zu halten.Und dafür muss eine Bejagung überall, auch im Nationalpark, möglich sein", fordert der Jäger.

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