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Mecklenburg-Vorpommern

23. Oktober 2017 | 04:51 Uhr

Drogenprozess : Vom Mittäter verpfiffen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hamburger muss sich wegen bandenmäßigen Drogenhandels vor Gericht verantworten

von
erstellt am 08.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Das Miteinander im Drogen-Geschäft sei von viel Misstrauen geprägt. Das hat ein Angeklagter gestern in seinem Prozess vor dem Schweriner Landgericht dem Vorsitzenden Richter erklärt. Misstrauen war auch im Fall des 66-jährigen Hamburgers angebracht. Ein Komplize, der seit 2011 im Gefängnis sitzt, hielt anfangs dicht. Aber nach drei Jahren Haft lieferte er O. doch ans Messer. Nun wirft die Staatsanwaltschaft O. bandenmäßigen Drogenhandel vor. Zwischen 2006 und 2010 soll er mit vier anderen Tätern drei Hanf-Plantagen in Brandenburg, in Hof Retzow östlich von Parchim und in Dithmarschen betrieben haben. Jeden Monat ernteten sie bis zu zwölf Kilo Marihuana und kassierten insgesamt etwa zwei Millionen Euro, die sie teilten.

Nachdem die letzte Plantage 2010 aufflog und vier Mittäter teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, bangte Michael O. vier Jahre lang, ob die Ermittler ihm auf die Spur kommen. Im April 2014 war es soweit. Die Polizei holte ihn in einer gutbürgerlichen Wohngegend Hamburgs aus dem Bett und brachte ihn in die Untersuchungshaft in Bützow. Seine Frau fiel aus allen Wolken, berichtete der Angeklagte vor Gericht. Vor ihr hatte er all die Jahre seine „Nebeneinkünfte“ verborgen.

Michael O. war geständig, bestritt jedoch, ein gleichberechtigtes Bandenmitglied gewesen zu sein. Ein Malermeister sei der Kopf der Gruppe gewesen. Er selbst war demnach nur der Kurier, der die in Müllsäcken verpackte Ernte in ein Zwischenlager fuhr – weshalb er anderen nur als „Müllmann“ bekannt war. In einigen Fällen brachte er das Marihuana auch zu Kunden, die er auf belebten Parkplätzen traf. Dafür kassierte er rund 1800 Euro im Monat, aber keinesfalls die 6000 Euro, von denen die Anklage ausgeht.

Michael O. rauchte schon als Student in Berlin manchen Joint. Als später seine kleine Ein-Mann-Werbeagentur nicht mehr lief, ließ er sich vor neun Jahren von jenem Malermeister, der ihn seit einiger Zeit mit Marihuana versorgte, überreden, Kurierfahrten zu machen. „Der reine Geldmangel hat mich dazu getrieben“, so Michael O. Gegenüber seiner berufstätigen Frau wollte er nicht als „Arschloch“ dastehen, das kein eigenes Geld verdient.

Während O. in Saal 18 sich mühte, seine Rolle möglichst klein erscheinen zu lassen, musste sich in einem anderen Prozess in Saal 11 Jürgen N. ebenfalls wegen Drogen-Anbaus und -Handels verantworten. Ein ehemaliger Kunde, den N. vor Jahren verpfiffen hatte, hatte sich revanchiert – und der Polizei Dinge über N. erzählt, die die Ermittler noch nicht wussten.

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