Preisgekrönte Fotos in MV : Vom Knipsen zum Fotografieren

Ein dänischer Fotograf begleitete über ein Jahr die an einem Hirntumor erkrankte Vibe und ihre Familie.
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Ein dänischer Fotograf begleitete über ein Jahr die an einem Hirntumor erkrankte Vibe und ihre Familie.

Verein Auslöser holt erstmals die Preisträger des internationalen LUMIX Festivals nach MV

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20. März 2018, 05:00 Uhr

Ein kleines Mädchen ohne Haare auf dem Kopf sitzt auf einem Krankenbett und umarmt seinen Papa. An der Wand hängen Schläuche und Überwachungsgeräte, darüber fallen bunte Papierblumen auf. Ein mit der Kamera eingefangener Moment, für den es keine Worte braucht. Der dänische Fotograf Thomas Lekfeldt begleitete über ein Jahr die an einem Hirntumor erkrankte Vibe und ihre Familie. Seine Fotoreportage „A Star in the Sky“ wurde mehrfach ausgezeichnet. Eine der letzten Aufnahmen der Serie zeigt Vibes Eltern und ihre Zwillingsschwester am Leichenauto mit einem weißen Kindersarg. Dokumentarfotografie tut auch weh.

Mit der Kamera suchen Reporter die ungeschminkte Wahrheit. Dieses Credo hat auch die junge Fotografengruppe Auslöser. Der zu Jahresbeginn in Schwerin gegründete Verein will das Genre der Reportagefotografie in MV fördern. In Vorträgen, Ausstellungen und Workshops von renommierten Fotografen aus dem In- und Ausland sollen anspruchsvolle Bildgeschichten präsentiert werden, die Impulse und Denkanstöße geben, etwas beim Betrachter auslösen, wie Vereinsvorsitzender Manfred Scharnberg, Fotojournalist und Textautor, sagt.

Der Verein Auslöser veranstaltet die LUMIX Festival Review vom 1. bis 29. Juli 2018 an zwei Standorten in der Landeshauptstadt. Die Ausstellungen sind in der seit Jahren leerstehenden alten Post in der Mecklenburgstraße und in der MV-Fotogalerie, Puschkinstr. 13, zu sehen.

Sieben Fotografen, die meisten Profis, aber auch ein Physiotherapeut, engagieren sich bisher als Vereinsmitglieder. „Wir stehen für Bilder, die gefunden, nicht arrangiert sind, authentische erlebte Szenen, das wahre Leben“, so Scharnberg. Gestellte Fotos seien gar nicht so selten in deutschen Publikationen. Er analysierte jüngst zwei Wochen lang alle relevanten Magazine, Tages- und Wochenzeitungen in der Bundesrepublik. Je Medium nur sechs bis zwölf Prozent der veröffentlichten Fotos hatten beobachtenden, dokumentarischen Charakter, waren „erlebte, gefundene Bilder, die der Realität entstammen“, erklärt Scharnberg.

„Unser Eindruck von der Welt ist also hauptsächlich von inszenierten Bildern bestimmt“, stellt der Fotograf fest. „Wir wollen das nicht verteufeln, aber dem etwas entgegensetzen.“

Am Auslöser: Vereinschef Manfred Scharnberg
Büttner
Am Auslöser: Vereinschef Manfred Scharnberg
 

Unterstützt wird die Gruppe Auslöser etwa vom Staatlichen Museum Schwerin, wo sie sich kürzlich bei einer Veranstaltung der Reihe „Rendezvous“ vorstellte. „Es ist ein klarer Unterschied zu machen zwischen Knipsen und Fotografieren“, meint Museumsdirektor Dirk Blübaum.

Sensationen ließen sich im Alltag finden, sagt Scharnberg nach einem Zitat des als rasender Reporter berühmt gewordenen Autors Egon Erwin Kisch (1885-1948). Und es gebe viele Fotojournalisten weltweit, die Geschichten recherchieren, welche in den Medien nicht mehr stattfinden. Diesen kaum publizierten Reportagen biete das seit 2008 alle zwei Jahre in Hannover stattfindende LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus ein Forum. Es ist das größte seiner Art in Deutschland und führt weltweit herausragende Arbeiten junger Fotografen bis 35 Jahre zusammen.

Von 1200 internationalen Bewerbungen werden jeweils 60 Fotoreportagen mit zusammen rund 1500 Bildern auf dem Expo-Gelände Hannover ausgestellt – dieses Jahr zum sechsten Mal, vom 20. bis 24. Juni. Und erstmals in diesem Sommer werden nun die besten Serien inklusive der Preisträgerfotos des LUMIX Festivals unter dem Titel „Highlights der Fotoreportage“ in Schwerin zu sehen sein.

 
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