zur Navigation springen

Schweriner Nachwuchs-Designer : Vom Bootssteg auf den Laufsteg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Modedesigner Danny Reinke stammt aus dem Fischerdorf Mönkebude. Auf der Berliner Fashion Week zeigte der 24-Jährige seine Arbeit.

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2017 | 11:45 Uhr

Brotlose Kunst betreibt Modedesigner Danny Reinke nicht, auch wenn ihm seine Eltern dies prophezeiten. Im Alter von 24 Jahren präsentierte er seine Arbeiten der Modewelt Berlins. Doch als Sohn eines Fischers aus Mönkebude war ihm der Weg des Modedesigners nicht unbedingt in die Wiege gelegt.

Vor Danny Reinkes Bühne kreuzen sich die kritischen Blicke der Fotografen, Journalisten und Blogger aus der Modewelt. Das war am 17. Januar 2016. Die Fashion Week in Berlin ist eine der bedeutendsten Modenschauen Deutschlands. Hier zeigten berühmte Designer, wie Wolfgang Joop, ihre Kollektionen. Gleichzeitig gilt die Show als Sprungbrett für junge Talente. Dies wusste Danny Reinke, als er sich mit seiner Kollektion „Secret Desire“ für eine eigene Bühne bewarb. „Glücklicherweise habe ich die Agentur kennen gelernt, die die Fashion Week veranstaltet. Ich stellte ihnen meine Entwürfe und Kollektionen vor. Ich konnte sie von meinen Ideen überzeugen“, erzählt Reinke.

„Secret Desire“ – geheimes Verlangen. So nannte Reinke seine Show-Kollektion. „Jeder hat doch ein geheimes Verlangen. Ob das nun Sexfantasien sind, Schokolade oder ein teuerer Traumurlaub. So richtig bewusst wurde mir das nach Gesprächen mit Freunden. Sie inspirierten mich.“

Danny Reinke während seiner Show auf der  „Berlin Fashion Week“
Danny Reinke während seiner Show auf der „Berlin Fashion Week“ Foto: dpa
 

Doch wie spiegeln sich geheime Fantasien in den Kleidern wider? Fetischelemente spielten dabei eine wichtige Rolle: Samt, Korsagen und Rüschen verarbeitete Danny Reinke in seiner Mode. Er benutzte harte Gegensätze, etwa in der Farbgebung. Aber nicht zwischen den Farben, sondern ihrer symbolischen Bedeutung. „Rot ist die Farbe der Lust, während Rosa für die Unschuld steht. Die Farben dominieren deshalb meine Kollektion. Hinzu kam noch Blau für das Männliche“, erklärt er.

Seine Bühnengestaltung passte er auch dem „Secret Desire“ an. In der Mitte der Installation stand der Baum der Erkenntnis aus dem biblischen Garten Eden, wo die Schlange Eva verführte.

Der anstrengende Teil der Vorbereitung war aber nicht die Dekoration. Als junger Newcomer wollte er möglichst viel Aufmerksamkeit für seine Arbeiten erlangen. Die Einladungen mussten also an die „richtigen Leute“ gehen. Während seiner früheren Shows war das noch einfacher. Im letzten Jahr zeigte er seine Kollektion bereits auf der Fashion Week in Vancouver.

Doch im Vergleich zu Berlin war die kanadische Show entspannend. „Für die Fashion Week in Kanada musste ich nur meine Kleider und die Musik hinschicken. Für den Ablauf sorgten die Veranstalter. In Berlin dagegen musste ich alles alleine machen. Besonders anstrengend war es die richtigen Modeleute, also Journalisten, Einkäufer und Blogger einzuladen. Heute weiß ich, dass die Kritik positiv ausfiel“, sagt er heute.

Kontrast besitzt nicht nur seine Mode, sondern auch sein bisheriges Leben. Wenn der 24-Jährige Berlin verlässt, um seine Familie zu besuchen, fährt er in das Fischerdorf Mönkebude in Mecklenburg-Vorpommern.

751 Einwohner zählt der Ort im Nordosten des Landes. Hier lebte Danny Reinke bis zu seinem 17. Lebensjahr. Nachdem er seinen Eltern das erste Mal gestand, dass er Modedesigner werden möchte, schüttelten sie noch mit dem Kopf. „Das ist doch brotlose Kunst! So hätten wohl die meisten Eltern reagiert, wenn das eigene Kind mit 15 behauptet, Modedesigner werden zu wollen.“, sagt Reinke.

Doch er blieb dickköpfig. Nach der zehnten Klasse bewarb er sich mit seinen Skizzen und Zeichnungen auf einer privaten Akademie für Mode und Design in Hannover, der „Fahmoda“.

Die Modeschule bildete Reinke nicht nur zum Modedesigner aus, sondern auch zum Damenmaßschneider. Die duale Ausbildung sei ein Vorteil gewesen. „Bei der Gestaltung der Kollektionen bin ich Künstler, im Fertigungsprozess bin ich Handwerker“, so Reinke.

Die Eltern sind längst von dem Beruf ihres Sohnes überzeugt. Jetzt muss er nur noch in der Modewelt bestehen. Auf dem Erfolg in Berlin könne er sich nicht lange ausruhen. Die deutsche Konkurrenz sei hart. „Mein großer Traum für die Zukunft ist, von dem Label und der Mode leben zu können.“

Aktuell ist er auch als Dozent für Modedesign in Hannover tätig. Eine Pause ist ihm nach der Fashion Week aber nicht gegönnt. In den nächsten Monaten arbeitet er an seiner Sommerkollektion 2017.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen