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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 11:25 Uhr

Vom Abwicklungsfall zum Konzern

vom

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erstellt am 10.Jan.2012 | 08:46 Uhr

Bad Wilsnack | Hätte Dr. Wolfgang Neubert 1989 den Schlüssel des ehemaligen Bad Wilsnacker Rheumasanatoriums tatsächlich, wie vorgesehen, beim Potsdamer Gesundheitsministerium abgegeben, würde die KMG Kliniken plc. (plc. ist das englische Pendant der deutschen Aktiengesellschaft und eine der weltweit häufigsten Unternehmensformen) nicht am 17. Januar ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Das Rheumasanatorium sollte kurz nach der Wende abgewickelt werden. Dessen damaliger Chefarzt Neubert jedoch hatte anderes im Sinn. Er legte seinerzeit - mit Mitte 30 - den Grundstein für ein bis heute erfolgreich wirtschaftendes Unternehmen, das inzwischen rund 3500 Mitarbeiter und 600 Auszubildende in den fünf neuen Bundesländern beschäftigt.

Im Vorfeld der Festveranstaltung, die nächste Woche in Bad Wilsnack stattfindet, äußerte sich der Vorstandsvorsitzende gestern in einem Pressegespräch zu Investitionen bis 2014. Geld fließt dabei insbesondere in die Krankenhäuser und in die Altenpflege. Beim Ersatzneubau für das Klinikum Kyritz wird der zweite Abschnitt in Angriff genommen. Das neue Funktionsgebäude - der erste Bauabschnitt - ging im Juni 2011 in Betrieb. Das Land Brandenburg steuerte nach eigenen Angaben hierfür knapp 13,8 Millionen Euro bei, die KMG trägt weitere 1,5 Millionen Euro. Im Neubau befinden sich u. a. Patientenaufnahme und Notfallversorgung, Funktionsdiagnostik, Endoskopie und radiologische Diagnostik. Der zweite Bauabschnitt soll das Bettenhaus sowie den neuen Verwaltungs- und Eingangsbereich beherbergen. Erweitert wird überdies das Krankenhaus Havelberg.

Neue Seniorenpflegeheime will das Unternehmen in Karstädt, Havelberg und Güstrow errichten. In Malchow möchte man zudem das psychiatrische Pflegeheim erweitern. Und das Hotel "ambiente" soll einen Anbau erhalten, mit dem der Medical-Wellness-Bereich vergrößert wird. Alles in allem, so Dr. Wolfgang Neubert, stünden in den kommenden drei Jahren Investitionen in Höhe von schätzungsweise 60 Millionen Euro an.

Seit der Gründung des Gesundheitskonzerns als Kurklinik Bad Wilsnack GmbH im Frühling 1991 flossen insgesamt rund 250 Millionen Euro in verschiedenste Engagements. Hinzu komme noch einmal eine etwa gleich große Summe an Fördermitteln, macht Neubert deutlich. Die erste größere Investition war ab 1991 der Neubau der Elbtalklinik in Bad Wilsnack. 1993 stieg die KMG mit Fertigstellung dieses Hauses in die Rehabilitation ein, übernahm 1994 das Reha-Zentrum Sülzhayn (Thüringen) und eröffnete 1995 die Reha-Klinik Silbermühle in Plau.

So rasant, wie in den anderen Sektoren - Akutmedizin und Altenpflege - wuchs das Unternehmen in der Rehabilitation indes nicht. Elfriede Piletzki, Verwaltungsdirektorin der Plauer Klinik, erinnert daran, dass es mit der Gesundheitsreform 1997 große Einbrüche gab, auch für die KMG, und hier speziell in der Rehabilitation. "Durch die Synergien, die der Konzern damals bot, haben wir überlebt. Für eine gewisse Zeit mussten wir subventioniert werden", unterstreicht die Klinikchefin. Das Geschäft in der Reha sei noch immer ein schwieriges. Die Pflegesätze hätten sich kaum entwickelt, die politische Lobby, so Piletzki, sei schwach. Dennoch gibt es alle Reha-Kliniken noch heute, die Zahl der Krankenhäuser wuchs auf fünf, die der Pflegeheime auf neun, hinzu kam ein ambulanter Pflegedienst. Die drei ebenfalls zur KMG-Gruppe gehörenden Hotels in Bad Wilsnack, Sommerstorf (bei Waren/Müritz) und Hohnstein (Sächsische Schweiz) arbeiten solide, ebenso die Servicegesellschaften und die unternehmenseigenen Fachschulen.

Mit inzwischen Mitte 50 bereitet Wolfgang Neubert allerdings auch bereits den Weg für die Zeit nach der Ära Neubert. Die Unternehmensaktienanteile, die Wolfgang Neubert und seine Frau Barbara allein halten, sollen dieses Jahr in die bereits gegründete Dr. Wolfgang Neubert-Stiftung überführt werden. "Mit der Stiftung sichern wir auch, dass die unternehmerische Idee auf lange Sicht erhalten bleibt", so der Vorstandsvorsitzende.

Die Festveranstaltung am 17. Januar in der Elbtalklinik werde betont unpolitisch über die Bühne gehen, wie Wolfgang Neubert hervorhebt. Einen sehr prominenten Festredner gibt es aber: den Publizisten Prof. Hellmuth Karasek.


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