Serie: 25 Jahre, 25 Köpfe : Vollzeitminister mit Visionen

Prof. Dr. Wolfgang Methling
Prof. Dr. Wolfgang Methling

Wolfgang Methling war als Minister ein Vorreiter für konsequenten Naturschutz

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07. Juli 2015, 12:00 Uhr

Wenn einer seit 1966 Mitglied der SED war und im Wendeherbst 1989 zur Nachfolgepartei PDS gestanden hat, dann muss er sich schon fragen lassen, wie viel politische Kontinuität und wie viel Neuanfang in dieser Entscheidung lag. Für Prof. Dr. Wolfgang Methling ist diese Frage leicht und zugleich schwer zu beantworten. Der in Niendorf bei Rostock lebende Tierhygieniker erinnert sich: „Für mich war der Verbleib in der PDS ein längerer gedanklicher Prozess. Letztendlich wollte ich dabeibleiben, um mitzugestalten. Ich wollte zu meiner Biografie stehen und zeigen, dass ich eben kein, sorry, Arschloch bin, das seine Fahne in den Wind hängt.“ In diesem Sinne fühle er sich, so Methling, nicht als gewendeter SED-Kader, sondern als einer, der die richtigen Schlussfolgerungen gezogen hat.

Wie viele andere Bürger aller parteipolitischen Couleur wollte er zunächst eine bessere DDR. Seine Intention war zunächst ein konföderaler Prozess zwischen beiden deutschen Staaten, eine Idee, die durch die rasante gesellschaftliche Entwicklung schnell zu den Akten gelegt werden musste. Wolfgang Methling gibt aber auch zu, dass er und viele seiner Mitstreiter Bedenken hatten, was beruflich aus ihnen wird. Sogar an Auswandern hätten seine Frau und er gedacht. Auch das wurde schnell verworfen und er blieb an der Universität Rostock und engagierte sich zunehmend für seine Partei, kandidierte für ein Direktmandat im Bundestag, bis ihn 1998 der Ruf als Minister ins Kabinett Ringstorff erreichte.

Minister durch Überzeugungsarbeit

„Ich wollte zunächst kein Minister werden“, so Methling, der vom PDS-Landesvorsitzenden Helmut Holter gefragt wurde. Schließlich aber habe sich Holter noch Gregor Gysi zu Hilfe geholt, sodass er letztendlich zugestimmt hat und neben Dr. Martina Bunge und Helmut Holter ein Ministeramt übernahm. Sein Ressort wurde das Umweltministerium.

In dieser Funktion habe man sich Spielräume erarbeitet, auch linke Positionen in der Landespolitik umzusetzen. Dazu zählen für ihn vor allem ein genereller Nachhaltigkeitsansatz, der Klimaschutz, die Förderung erneuerbarer Energien sowie die Weiterentwicklung von Naturparken. Und über den Weg der Gesetzgebung wurden wichtige Richtlinien beispielsweise in Sachen Vogelschutz, FFH-Gebiete und Abfallwirtschaft verabschiedet. Methling, der nach der Landtagswahl 2002 auch stellvertretender Ministerpräsident unter Ringstorff wurde: „Ganz wichtig war für mich auch die Berufung eines Wissenschaftlichen Beirates und die Gründung einer Umweltallianz.“ Zu den Erfolgen linker Politik in dieser Zeit zählt er außerdem das Durchdrücken der Enthaltung von M-V zur EU-Verfassung und Proteste gegen den Bush-Besuch im Land, den G8-Gipfel und das sogenannte Bombodrom in der Wittstock-Ruppiner Heide.

Dass die politische Algebra 2006 angesichts nur einer Stimme Mehrheit nicht ausreichte, um eine dritte rot-rote Legislaturperiode umzusetzen, hat Methling inzwischen abgehakt. Politisch wäre es möglich gewesen, numerisch nicht. Das wäre eine Gratwanderung auf zu dünnem Eis gewesen, so sein Kommentar. Aber Gemeinsamkeiten, sicher auch Streitpunkte, mit der SPD hätte es wohl gegeben und diese Regierungskonstellation habe nicht nur M-V gut getan, sondern auch gewisse Weichenstellungen für den Bund geschaffen.

Über den seinerzeitigen Vorwurf der Opposition, er sei wegen seiner gelegentlichen Lehrtätigkeit an der Uni Rostock nur ein Halbtagsminister gewesen, kann Wolfgang Methling nur lächeln. Er habe natürlich nur in seiner Freizeit gelehrt und halte es für eine gute Sache, wenn sich ein Mitglied der Landesregierung auch solchen Aufgaben stellt. Auch der Kritik an seiner konsequenten Naturschutzpolitik und sein Einsetzen für erneuerbare Energien weist er von sich. „Heute tun gerade diese Kritiker, als hätten sie diese Politik erfunden und auf den Weg gebracht“, meint der Ex-Minister. Und den Unterschied zu seinem Nachfolger Till Backhaus (SPD) im Umweltressort kennzeichnet er so: „Ich stehe für Glaubwürdigkeit und Konsequenz. Backhaus ist mehr ein Ich-Mensch. Ich setze vor allem auf das ,wir‘.“

Heute ist Wolfgang Methling ein vielbeschäftigter Rentner mit einer stattlichen Anzahl von Ehrenämtern in Politik und Kultur, hilft „sogar manchmal im Haushalt“, geht gern ins Theater und zu Konzerten und ist „topfit“ wie er schmunzelnd versichert. Soll aber auch heißen: Für ein Ministeramt steht er nicht mehr zur Verfügung. „Die Zeit für Jüngere ist gekommen“, meint der 68-Jährige.

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