Merkel in Schwerin : „Voll muttiviert“

„Schnell noch ein Foto, Frau Merkel.“
„Schnell noch ein Foto, Frau Merkel.“

Bundeskanzlerin läutet in Schwerin Wahlendspurt ein und warnt ihre Anhänger

svz.de von
19. September 2017, 21:00 Uhr

Der Einmarsch der Regierungschefin wird zelebriert wie bei einem großen Boxkampf. Aus den Lautsprechern dröhnen tiefe Bässe. Eskortiert von ernst dreinblickenden Sicherheitsbeamten und einer kleinen Entourage von Fans schreitet Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern Abend durch die Tennishalle eines Schweriner Sportparks auf die Bühne zu. Die Gäste applaudieren. Die Anhänger im Tross recken Schilder in die Höhe. „Voll muttiviert“ und „Kanzlerinfan“ steht darauf. In Reihe eins heißt es auf Plakaten sogar „Wir lieben dich.“

Wenige Tage vor der Bundestagswahl läutete Merkel (CDU) gestern in Wismar und Schwerin den Endspurt ein – mit einer Warnung. „Wir müssen noch kämpfen. Diese Wahl ist noch nicht entschieden“, schwor sie die Zuhörer in der Landeshauptstadt ein.

In dieser Endphase des Wahlkampfes dienen solche Auftritte nach Ansicht des Rostocker Politikprofessors Nikolaus Werz der Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft. Deshalb habe Merkel auch präzise die wichtigen Details aus dem CDU-Wahlprogramm präsentiert. „Neue Anhänger will Merkel damit nicht mehr erreichen“, sagte Werz.

 

Die Kanzlerin konzentrierte sich ähnlich wie in Wismar auch in Schwerin auf die Wahlschwerpunkte ihrer Partei. Eines der zentralen Themen war die innere Sicherheit und die Situation der Polizei. Es sei wichtig, dass mehr Polizisten eingestellt werden, erklärte Merkel. Allerdings müssten sie die rechtlichen Grundlagen haben, um handeln zu können. Nichts sei frustrierender, als wenn ein Einbrecher gefasst wurde und schon nach wenigen Tagen wieder frei auf der Straße herumlaufe. Auch dürften die Sicherheitsbehörden auf den Telefonverkehr der oftmals ausländischen Banden zugreifen. Damit werde nicht nur das letzte Glied in einer Bande geschnappt, sondern auch die Köpfe würden gefasst, betonte die Kanzlerin.

Ein weiterer Schwerpunkt: Flüchtlinge und Integration. Ein Jahr wie 2015, der Zeitpunkt als der Flüchtlingsboom einsetzte, werde sich nicht wiederholen, versprach sie ihren Anhängern. Stattdessen müssten die Fluchtursachen vor Ort bekämpft werden. Eine klare Haltung zeigte sie auch bei straffällig gewordenen Flüchtlingen: „Wer hier kriminell wird, muss das Land wieder verlassen. Das hat mit dem Gastrecht nichts zu tun.“ Die Zuhörer goutierten die Aussagen mit Applaus ebenso wie ihre Warnung vor den Koalitionsüberlegungen der Sozialdemokraten. Die SPD schließe eine rot-rot-grüne Koalition nicht aus, aber „wir können wirklich keine Experimente gebrauchen“, stellte Merkel klar. Für den Fall ihres Wahlsiegs kündigte sie an, die Steuern für Unternehmer und Investoren nicht zu erhöhen und für kleine und mittlere Einkommen zu senken, „damit sich Leistungen besser lohnen“.

Ihre letzten Auftritte absolviert Merkel am Sonnabend in ihrem Wahlkreis in Vorpommern. Zunächst wird sie in Greifswald an einer Wiederbelebungsaktion teilnehmen und später ein Erntefest auf Rügen besuchen.

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